(Ergänzung zu Nachtabschaltung: Vorteile und Tipps gegen Unbehagen – Naturnacht Fulda-Rhön (naturnacht-fulda-rhoen.de))
Bemühungen zur Reduzierung von Lichtimmissionen, wie sie zahlreiche immissions- und naturschutzrechtliche Bestimmungen vorsehen, scheitern immer wieder daran, dass natürliche Dunkelheit oder schwach beleuchtete Orte aus verkaufsinteressierten, populistischen oder voreingenommenen Gründen als „Angstraum“ bezeichnet werden. Leider oftmals auch von Polizeikräften, obwohl sicherheitsrelevante Vorfälle (z.B. Überfälle, Stürze) an diesen Orten nicht belegt sind oder nicht belegt ist, dass Kunstlicht Vorfälle überhaupt verhindern kann und de facto Schutz bietet. Im Gegenteil, nächtliches Kunstlicht kann sogar Vorfälle ermöglichen.
Auf diese Weise werden Ängste geschürt und notwendige Maßnahmen wie Energieeinsparung verhindert, Klimaerwärmung und Artensterben vorangetrieben und die Energiewende verzögert.
Daher ein Kommentar zum Begriff „Angstraum“ von Torsten Güths vom Hess. Netzwerk gegen Lichtverschmutzung:
Angsträume entstehen im Kopf und sind entsprechend subjektiv. Sie entstehen durch mangelnde Information und sind stark gekoppelt an ein Alleinsein und einer Begegnung mit einer oder mehrerer fremden Personen, was auch bei heller Beleuchtung der Fall sein kann.
Befindet man sich in einer beleuchteten Umgebung, wird man von weitem bereits erkennbar und einschätzbar für Dritte. Dieses kann entsprechend genau das erzeugen, wovor man Angst hat: Eine Belästigung oder ein Überfall. Die Bevölkerung mit diesem Begriff zu beeinflussen und der „Schein“-Abhilfe durch Beleuchtung kann als eine Form des Populismus angesehen werden, der die Bevölkerung durch eine scheinbare Sicherheit in die Irre führt. Nutznießer dieser Art von Populismus sind Kommunen oder Anlagenbetreiber, die sich eine einfache Schein-Lösung zulegen wollen, um im Falle eines Problems vorweisen zu können, sie hätten „alles für die Sicherheit getan“.
Weitere Nutznießer sind die Planungsbüros und Materiallieferanten, die zur Erzielung höhere Erlöse für die Planung aufwändigerer Beleuchtungssysteme diese Ansichtsweisen unterstützen.
Ein Angstgefühl hat auch eine natürliche Bedeutung und mahnt eine Person zum vorsichtigen Handeln, was beim fehlen dieses Gefühls zu einem erhöhten Risiko führt.
Gesellschaftlich problematisch ist der Umstand eines bereits kritisierten „Social-Profiling“, das anhand von äußeren Merkmalen eine Person als mehr oder weniger gefährdend einstufen soll.
Beispiel: Allein durch das Vorhandensein von beispielsweise einer Haltestelle und einer Bank nebenan werden Aufenthaltsmöglichkeiten geschaffen, die Personen zur Nutzung ermutigen sollen und folglich zu sog. „Angsträumen“ führen können. Insbesondere, wenn sie so geframed werden.
https://de.wikipedia.org/wiki/Angstraum
https://philou.rwth-aachen.de/urbane-angstraeume-und-rechte-diskurse/
https://www.uni-hannover.de/fileadmin/luh/content/alumni/unimagazin/2003_sicher_virtuelleWelten/03_1_2_10_13_sailer.pdf
„Sicher ist letztlich nur eines: In einer Situation, in der Sicherheit zunehmend einen Warencharakter annimmt und sich private Unternehmen von der steigenden menschlichen Angst wachsenden Profit erhoffen, wird das Sicherheitsbedürfnis oft instrumentalisiert, missbraucht und überinterpretiert.“
