Nachtabschaltung der öffentlichen Beleuchtung!

„Wir schalten ab – die Nacht ist schön.“, Magazin der Stadt Biliere in Frankreich. Wieso man der Abschaltung viel Gutes abgewinnen kann, kann man hier nachlesen.

„Wir schalten ab – die Nacht ist schön.“ Nachtabschaltungen, die früher sehr viel üblicher waren, haben stetes Befürworter als auch Gegner. Oft wird seitens der Kommunen einseitig die Kostenersparnis kommuniziert. Dass es aber viele weitere gute Gründe gibt, die auf den ersten Blick nicht offensichtlich sind, kommt oft zu kurz. Ganz anders die französische Stadt Billère, die ihre Bürgerinnen und Bürger nachahmenswert auf die Abschaltung vorbereitet hat und damit auch Gegner überzeugen konnte. Kommunikation ist nicht alles, aber fast. Mehr zu Billère und eine komplette Übersetzung unter Punkt 5.

Nachtabschaltung? Funktioniert auch in Deutschland:

Der Nachweis, dass die Nachtabschaltung funktioniert, ist längst erbracht. Sie wird seit Jahrzehnten in vielen deutschen Kommunen und im europäischen Ausland praktiziert, z.B. flächendeckend in Frankreich. Dort schalten knapp 20 000 größere und kleinere Kommunen ab – wie die Partnerstadt von Petersberg oder die ähnlich große Partnerstadt von Gütersloh , das selbst 3,5 Jahre problemlos um Mitternacht abschaltete. https://naturnacht-fulda-rhoen.de/wp-content/uploads/2026/07/Guetersloh-Folien_compressed.pdf

Ebenso gut dokumentiert sind die negativen Folgen für Tiere, Insekten und die Umwelt und Klima bei einer ganznächtlichen Beleuchtung. Sammlung Auswirkungen von Kunstlicht bei Nacht – Naturnacht Fulda-Rhön und insekten-andere-arten-und-licht-aktuelle-zusammenfassung-2025-forschung-recht-massnahmen-sz.pdf

Egal wie effizient Leuchten sind – sie leuchten und beleuchtete Flächen reflektieren immer und wirken als ökologische Barriere, wie zu lesen ist. Und beim Stromsparen schlägt das ehrliche „Licht aus“ jede LED: Als 2022 die Gasmangellage drohte, hat das Hessisches Netzwerk gegen Lichtverschmutzung – Nachtabschaltung eine Karte zu den Nachtabschaltungen in Deutschland angelegt.


VORBILD Frankreich

Die französische Politik zur nächtlichen Beleuchtung wurde zwar auch mit Energieeinsparungen begründet, https://www.senat.fr/rap/r22-292/r22-2921.pdf aber der Schutz der Biodiversität und die Verringerung der Lichtverschmutzung sind zentrale Ziele der staatlichen Regelungen. Das französische Biodiversitätsamt betont ausdrücklich, dass nächtliche Beleuchtung Jagd-, Fortpflanzungs- und Wanderverhalten vieler Tierarten beeinträchtigt und empfiehlt daher das Abschalten der Beleuchtung in der Kernnacht.  | Office français de la biodiversité Es folgt damit der Aufforderung der Wissenschaft zum Aufbau einer Dark Infrastructure, die die natürliche Dunkelheit als schützenswerte Ressource für die Biodiversität versteht. Da Lichtimmissionen fast ausschließlich in Siedlungen entstehen, können sie nur dort reduziert werden – auch, um die schädliche Einwirkung durch Abstrahlung über Staubteilchen und Aerosole in die Außenbereiche zu reduzieren und verhindern: A plea for a worldwide development of dark infrastructure for biodiversity – Practical examples and ways to go forward – ScienceDirect  

Das französische Amt für Biodiversität empfielt die Nachtabschaltung

Extinction de l’éclairage public : une cartographie sur les pratiques des collectivités | Cerema

Egal, wie man sie beleuchtet: Beleuchtete Flächen reflektieren immer: https://doi.org/10.1016/j.landurbplan.2021.104332


Viele verstehen die Nachtabschaltung nach 23 Uhr als Kompromiss und schätzen die positiven Ergebnisse: Sie spart Mittel ein, die gezielt in die Prävention echter Gefahren fließen können – wie Partnergewalt, Artensterben und Erderhitzung, zu der auch die nächtliche Gasverstromung beiträgt. Hinzu kommen ein besserer Schlaf und ein Sternenhimmel, der wieder vor der eigenen Haustür beginnt. „Nur Banausen tauschen den Sternenhimmel gegen Lichtverschmutzung.“

Missverständnis Dunkelheit jüngste Aussagen der Polizei zur Nachtabschaltung

Aktuelle Aussagen der Polizei zu Nachtabschaltungen sowie ein lehrreicher Leserbrief

Dennoch wird oft aus persönlichen oder politischen Motiven pauschal und undifferenziert Begriffe wie „subjektive Sicherheit“ oder „Unsicherheitsgefühl“ als vermeintliches Gegenargument ins Feld geführt und damit eine Diskrepanz zwischen Kriminalitätsfrucht und objektiver Datenlage geschaffen.

Sollte es daher nicht Aufgabe verantwortungsvoller Politik sein, die Kluft zwischen subjektivem Empfinden und Wirklichkeit zu schließen? Wenn selbst die Polizei bestätigt, dass weder Kriminalität noch Unfälle – auch nicht an Kreuzungen – durch Nachtabschaltungen zunehmen, verliert jedes Argument für die nächtliche Dauerbeleuchtung an Glaubwürdigkeit – besonders wenn Kriminalitätsfurcht geschürt werden, um sie zu rechtfertigen und gleichzeitig, dort wo wahre Gefahr droht – häusliche Gewalt – gespart wird? Wenn subjektiven Gefühlen zu viel Gewicht gegeben wird, können sie sich verfestigen und an Einfluss gewinnen – selbst wenn sie den objektiven Gegebenheiten widersprechen – mit gesellschaftlichen Auswirkungen: Kriminalitätsfurcht | Innere Sicherheit | bpb.de

Problematisch in diesem Zusammenhang ist die sprachliche Unschärfe in der Berichterstattung, die bei nächtlichen Vorfällen nicht die tatsächlichen Lichtverhältnisse vor Ort beschreibt und grundsätzlich nicht zwischen „beleuchteter und unbeleuchteter Nacht“ unterscheidet. Auf diese Weise entstehen Zerrbilder.

EMPFEHLUNG ZUM UMGANG MIT SUBJEKTIVER KRIMINALITÄTSFURCHT (siehe hierzu auch Bundeszentrale für Politische Bildung Kriminalitätsfurcht | Innere Sicherheit | bpb.de inkl. berechtigter Kritik an Messmethoden und dem Standardindikator, weil dieser methodisch unsauber ist*)

Um die Diskrepanz zwischen subjektivem Sicherheitsempfinden und der nachgewiesenen Wirklichkeit zu verringern, rät die Forschung dazu, diffuse Begriffe wie „subjektives Sicherheitsgefühl“ zu hinterfragen und deliktspezifisch zu konkretisieren. Es sollte von den Betroffenen ausgesprochen werden, auf welche Situationen oder Straftaten genau sich die Sorgen beziehen. Im Zusammenhang mit Dunkelheit per se und Nachtabschaltungen werden üblicherweise pauschal die Delikte Einbruch sowie Raub/sexueller Übergriff genannt. Gemeint ist jedoch in der Regel ein anderes Gefühl:  Die Sorge, zufällig Opfer einer Straftat zu werden und im Notfall keine Hilfe zu erhalten, wenn man alleine unterwegs ist – an einsamen Orten (auch tagsüber) oder zu einsamen Zeiten. Ein Gefühl, dass durch Gemeinschaft anderer Menschen (Begleitung) nicht vorhanden ist. Siehe hierzu:


Ein aktuelles Interview (2026) räumt mit weiteren Vorurteilen und Mythen auf: „Licht aus!“ – Die Nacht in Thüringen soll wieder dunkel werden

Nochmal Vorbild Frankreich

..und Gütersloh und Königswinter

Freundliche Ortsschilder informieren über die NachtabschaltungFreundliche Ortsschilder informieren über die Nachtabschaltung

1. Sterne vor der Haustür – das muss man sich „leisten“ wollen!

Eine Pressemitteilung (2025) des Landkreises Fulda zum Thema Nachtabschaltung in Kommunen. https://www.landkreis-fulda.de/aktuelles/aktuelles/detailansicht/wintersterne-und-planeten

2. Man war auch nicht immer begeistert von der Errichtung der Straßenbeleuchtung…

und fand „Jede Straßenbeleuchtung ist verwerflich“, denn man wusste: „Sie erscheint wie ein Eingriff in Gottes (Natur) Ordnung. „Licht macht die Tiere scheu, die Diebe kühn und verschlimmert die Sitten.“ Das da etwas Wahres dran ist, kann man fast täglich in der Berichterstattung lesen! Quelle Grafik: BfN-Skript 543 Außenbeleuchtung https://bfn.bsz-bw.de/frontdoor/index/index/docId/130

3. Gegenüberstellung von pro und contra Argumenten Nachtabschaltung

  • Alle Statistiken und Auswertungen zeigen: Es entstehen durch die Abschaltung keine realen rationalen Probleme, außer etwas weniger Komfort und mehr Eigen-verantwortung für die Bürgerinnen und Bürger zu später Stunde. Dabei ist der Nutzen groß – es bedeutet Energie- und Kosteneinsparung für die Kommunen, Reduzierung Lichtimmissionen für Anwohner und große Wirksamkeit für Klima und Artenschutz sowie Rückkehr des Sternenhimmels in die Siedlung (Lebensqualität). Teils langjährige Erfahrung in vielen deutschen Kommunen und sogar Großstädte sind ein starkes Argument pro Abschaltung. Auch in Frankreich wird in knapp 20 000 Kommunen abgeschaltet. Dort begegnet man möglichen Bedenken nüchtern: „Die Abschaltung hat nichts mit Unzivilisiertheit zu tun und fördert sie auch nicht.“ Studien und Erfahrungen zeigen, dass es keinen Zusammenhang gibt. Dabei gilt es auch zu berücksichtigen, dass Kunstlicht als Gegenlicht blenden kann und die Augen nicht nur schädigen sondern auch die eigene Sehfähigkeit herabsetzt. Aus der Berichterstattung wird zudem deutlich, dass Licht durchaus Vorfälle überhaupt erst ermöglichen oder begünstigen kann.
  • Einige Menschen fühlen sich wirklich unwohl, wenn sie allein zu unbelebten Zeiten oder an abgeschiedenen Orten wie tagsüber im Wald unterwegs sind. Das ist jedoch in der Hauptsache mit „Alleinsein“ verbunden – zu Zeiten oder an Orten, an denen wenig andere Menschen unterwegs sind. Das kann auch tagsüber alleine im Wald der Fall sein. Weder Tageslicht noch nächtliche Beleuchtung kann das Gefühl lindern – nur die Begleitung durch andere Menschen (soziale Kontrolle). Aus Untersuchungen weiß man, dass einige Menschen dieses Gefühl selbst an nachts hell erleuchteten Orten haben, wenn sie dort alleine sind (wie Bahnsteige, menschenleere Plätze) und ein ungutes Gefühl der Exponiertheit und damit verbunden der Schutzlosigkeit spüren. Das Gefühl kann jedoch durch Gewöhnung, Planung und Training abgeschwächt werden und damit auch zum Selbstvertrauen beitragen.
  • Ein Sicherheitsversprechen durch Licht ist nicht nur falsch und irreführend, sondern kann sogar gefährlich und verantwortungslos sein und wer behauptet, Beleuchtung böte realen Schutz argumentiert undifferenziert und auch verantwortungslos. Falsche und „subjektive“ Ängste sind mit individuellen und hohen gesellschaftlichen Kosten verbunden, weshalb das Narrativ nicht (populistisch) geschürt werden sollte. „Angst“ ist mittlerweile ein Geschäftsmodell geworden. (Private Anmerkung: (Weibliche) Opfer, die i.d.R. im privaten Umfeld zu Schaden kommen, würden sich sicherlich wünschen, nie gesehen worden zu sein – weder im Tageslicht noch in der beleuchteten Dunkelheit und weder Frauenhäuser noch Präventionsangebote sind ausreichend finaniziert #Femizid).
  • Siehe hierzu auch Blog-Beitrag „Sicherheit“ und „Angsträume“ – Naturnacht Fulda-Rhön (naturnacht-fulda-rhoen.de)

Hürden bei der Umsetzung der Nachtabschaltung:

AUSFÜHRLICH

Diese Gegenüberstellung von Argumenten für und gegen die Nachtabschaltung soll den Befürwortern helfen, ihre Position überzeugender zu vertreten, während sie den Gegnern die Möglichkeit bietet, sich konstruktiv mit den jeweiligen Bedenken auseinanderzusetzen.

4. Folien zur Nachtabschaltung

Vorteile und Fakten

Bemühungen zur Reduzierung von Lichtimmissionen, wie sie zahlreiche immissions- und naturschutzrechtliche Bestimmungen vorsehen, scheitern immer wieder daran, dass natürliche nächtliche Dunkelheit oder schwach beleuchtete Orte als zu beseitigender Mangel dargestellt werden. Dabei bringt die Nachtabschaltung viele Vorteile mit sich, nicht nur in Bezug auf Energie:

5. „Wir schalten ab – die Nacht ist schön“

– so kündigt 14 000 Einwohnerstadt Billère in Frankreich die Nachtabschaltung an und erklärt den Bürgerinnen und Bürgern ausführlich und auf liebevolle Weise, warum die Abschaltung eine tolle Idee ist. https://naturnacht-fulda-rhoen.de/2024/06/13/eine-stadt-schaltet-ab/

Während man sich in Deutschland fast schon schämt für die Nachtabschaltung und die Abschaltung schnöde als Energieeinsparungsmaßnahme kommuniziert, geht man in Frankreich aufgeschlossener damit um und weiß um die weiteren Vorteile. An Billère sollten sich viele Kommunen ein Beispiel nehmen – das Herz geht einem auf. Hier geht es zu vollständigen Übersetzung:

6. Nachtabschaltung: Vorteile und Tipps gegen das mulmige Gefühl

In diesem Dokument wird ausführlich auf das Thema Nachtabschaltung eingegangen. Es enthält zahlreiche Referenzen, Studien und Quellen und schlägt Tipps vor zur Überwindung des mulmigen Gefühls, das manche Menschen beschleicht, wenn sie alleine zu unbelebten Zeiten unterwegs sind. Es zeigt auch auf, dass nächtliche Beleuchtung durchaus auch Vorfälle begünstigen kann.

Hintergrund: Öffentliche Beleuchtung bietet zweifelsohne Komfort und Orientierung und dient teils auch Gestaltungsansprüchen. Sie ist jedoch auch ein Mitverursacher von Lichtimmissionen, die seit langem als schädliche Umwelteinwirkung erfasst sind und sich nachteilig auf Tierwelt, insbesondere auf dämmerungs- und nachtaktive Insekten, auf die Sichtbarkeit des Sternenhimmels und die Schlafqualität der Menschen auswirken. Zudem sind Bereitstellung und Betrieb von öffentlicher Beleuchtung mit enormen Ressourcen- und Energiekosten verbunden und damit auch ein wesentlicher Klimafaktor – nicht selten machen sie einen erheblichen Teil der Stromkosten einer Kommune aus. Von den 4000 Nachtstunden pro Jahr liegen 2900 zwischen 22 und 6 Uhr – zu einer Zeit, in der vielerorts und besonders in der kalten Jahreszeit kaum noch Menschen auf der Straße unterwegs sind.

Viele Kommunen in Deutschland schalten (teils seit Jahren) die Straßenbeleuchtung in den nächtlichen Kernstunden in der Regel ab 22:30 Uhr teils oder komplett ab, darunter auch größere Städte wie Königswinter (LED-Anteil = 95 %); Moers (seit 2012) und Gütersloh [1]. Auch in den europäischen Nachbarländern wird flächendeckend abgeschaltet – in Frankreich mehr als 12 000 Kommunen [2]. Probleme, die aus einer Nachtabschaltung resultieren, sind nicht bekannt. Zahlreiche Untersuchungen [3], Polizeistatistiken, die Auswertung öffentlicher Meldungen und Erfahrungen in Kommunen, die nachts abschalten, belegen, dass kriminelle Zwischenfälle an nicht oder wenig erhellten Orte keineswegs häufiger sind als an beleuchteten Orten, zumal Vorfälle grundsätzlich multikausal zu betrachten sind.

Nächtliche Abschaltungen können außerdem, insbesondere in Anwohnergebieten, eine Steigerung der Lebensqualität bedeuten – etwa, weil Menschen ohne Lichtimmissionen von außen in ihren Wohnungen besser schlafen und wieder den Sternenhimmel vom eigenen Balkon sehen können. Zudem ist es ein gutes Gefühl, mittels Abschaltungen etwas äußerst Wirksames für Arten- und Klimaschutz zu tun und den Ressourcenverbrauch zu reduzieren. Tatsächlich verfolgt die Neufassung der Bundes- und Landesnaturschutzgesetzgebung das ausdrückliche Ziel, die natürliche Nacht in vielen Bereichen wiederherzustellen. Es sprechen also viele Gründe dafür, wieder mit weniger Kunstlicht bei Nacht zufrieden auszukommen, denn Lichtimmissionen entstehen in Siedlungen.

Gegen das Unbehagen bei Dunkelheit

Trotz vieler Vorteile bereitet einigen Menschen die Schwachlichtumgebung der späten Nacht Unbehagen. Vor allem dann, wenn man es nicht gewohnt ist und auch deshalb, weil kaum andere Fußgänger unterwegs sind. Dieses Unbehagen wird oft medial geschürt (z.B. in Krimis) oder populistisch genutzt (z.B. Lichtmachen statt präventiver Sicherheitsmaßnahmen) und Abschaltungen müssen für so manche „Parole“ herhalten. Studien zeigen, dass die lokale Bevölkerung Abschaltungen durchaus differenziert bewertet [4] und Vorteile durchaus verstanden werden. Der Begriff „Sicherheit“ sollte daher nicht als Scheinargument für mehr Licht genutzt werden, da dies zum einen den Bemühungen des Natur-, Klima- und Ressourcenschutzes zuwiderläuft und zum anderen nicht belegt ist, dass dadurch ein Unbehagen reduziert wird [5].Ein Unbehagen kann sich bei manchen Personen vornehmlich dann einstellen, wenn sie alleine ohne Begleitung unterwegs sind. Das ist am Tag an unbelebten Orten wie auf einem einsamen Waldweg genau so der Fall wie in der Nacht, selbst entlang beleuchteter Straßen und Unterführungen [6]. Unbehagen im schwachen Nachtlicht oder an unbelebten Orten ist in der Regel subjektiv begründet. Objektiv gesehen, gibt es keinen Nachweis, dass Licht Vorfälle verhindert [7]. Daher ist die Einsicht unter Betrachtung der Erkenntnis wichtig, dass Licht nicht „Sicherheit“ suggerieren sollte, wo jedoch kein Schutz vorhanden ist. Licht kann u.U. nichts verhindern, ggf. sogar eher ermöglichen:

  • Beleuchtung kann dazu führen, dass man auf Wege gelenkt wird, die vermeintlich sicher wirken, aber außerhalb sozialer Kontrolle an menschenleeren Orten liegen;
  • sehr helle Lichtquellen können zu Blendung und starken Kontraste führen und Sehfähigkeit soweit herabsetzen, dass man in der dunklen Umgebung kaum etwas erkennt;
  • je nach Grad der Blendung können Unbehagen, Unsicherheit und Ermüdung (psychologische Blendung) auftreten;
  • Beleuchtung kann einen unangenehmen ‚Laufstegeffekt‘ verursachen;
  • Licht macht öffentliche Räume attraktiver zum Verweilen, was mancherorts mit Alkoholkonsum, nächtlichem Lärm und Vermüllung einhergeht, was wiederum bei unbeteiligten Anwohnenden Unbehagen verursachen kann.
  • Des Weiteren verleitet Beleuchtung zu schnellerem nächtlichen Fahren, was der Verkehrssicherheit zuwiderläuft.

Subjektive Befürchtungen sollen selbstverständlich ernst genommen werden – jedoch muss eine sachliche und faktenbasierte Auseinandersetzung den Dialog bestimmen; auch unter Abwägungen von Umwelt-, Artenschutz- und Klimabelangen. Dazu gehört auch die Erkenntnis, dass Beleuchtung gern wirksameren aber aufwändigeren Präventions- und Sicherheitsmaßnahmen vorgeschoben wird.

Tipps gegen Unbehagen bei Nachtabschaltung

1. Die Nachtabschaltung erfolgt üblicherweise nicht vor 22:30 Uhr, also erst in den Nachtstunden. Man wird feststellen, dass es auch ohne öffentliche Beleuchtung durch natürliches Licht (Mondlicht), Fensterlicht, Hausnummer- und Werbebeleuchtung, reflektierende Wolken, Anstrahlungen etc. oft ausreichend hell zum Sehen ist und die Dunkelheit sich eher als Schwachlichtumgebung erweist. Das eigenverantwortliche Mitführen von Taschenlampen bzw. Smartphones unterstützt.

2. Das Unbehagen verschwindet oder mindert sich, wenn man in Gesellschaft vertrauter Menschen unterwegs ist. D.h., man kann sich gemeinsam für den Nachhauseweg verabreden; z.B. per Messenger-Dienste eine Heimweggruppe anlegen oder Freunde, Familie oder Bekannte anrufen, die einen am Telefon „begleiten“.

3. Von entgegenkommenden Menschen geht grundsätzlich kein Risiko aus: Studien zeigen, dass eine erhöhte Furcht vor Mitmenschen unter anderem mit einem erhöhten Misstrauen gegenüber anderen Menschen korreliert, was wiederum mit hohen individuellen und gesellschaftlichen Kosten verbunden ist [8].  Laut Heimwegtelefon e.V. gibt es wirksame Trainings, um mögliche Furcht zu überwinden.

4. Abgelegene Orte wie Parks sollte man meiden, da sie außerhalb der sozialen Kontrolle liegen – ob beleuchtet oder nicht. Am besten läuft man entlang von Straßen oder innerhalb von Wohnbereichen, wo man gehört werden würde. Auch bei Abschaltung befindet man sich stets innerhalb einer Siedlung, die an sich einen geschützten Raum darstellt. 

5. Heimweg-Apps wie die Nora-App (offizielle Notruf-App der deutschen Bundesländer), die Begleit-Apps Wayguard oder Life360, die den Livestandort per GPS verfolgen, helfen, das Unbehagen zu mindern. [9]. Das Heimwegtelefon, dessen Begleit-Service von ehrenamtlichen Mitarbeitenden betreut wird, erreicht man unter Tel. (030) 12074182.

6. Kommunen können seriöse und wirksame Angebote einführen: z.B. eine Wegführung, die die Menschen zusammenführt statt zu trennen; Schul- und Radweg-Lotsen für Schüler „Wir laufen/radeln gemeinsam zur Schule“; Disco-Shuttles; Heimbringservice; flexibles Anhalten des Linien-Buses, vergünstigte Taxifahrten. Dazu gehören auch niedrigschwellige präventive Beziehungsberatungsangebote (wie z.B. Schutzambulanz Fulda) zur Reduzierung von Konfliktpotenzial, denn Frauen sind grundsätzlich nicht im öffentlichen Raum, sondern durch nahestehende Personen von Gewalt betroffen.

7. Mit etwas Gewohnheit kann man der Nachtabschaltung viele Vorteile abgewinnen wie besserer Schlaf, Sternenhimmel mitten im Ort und im Garten/Balkon und das Wissen um wirksamen Klima- und Artenschutz.

Quellen

[1] Die 2022 in Königswinter eingeführte Nachtabschaltung (LED-Anteil 95 %) wurde vom Polizeipräsidium Bonn begleitet mit dem Ergebnis, dass es keine Veränderungen gab. Vorlage 134/2023 (koenigswinter.de). Gütersloh spart 60 000 kWh/Monat, auch hier keine Veränderung in der Polizeistatistik: Ab 11. Oktober startet die nächtliche Abschaltung der Straßenbeleuchtung – Gütersloh (guetersloh.de)  Moers: FAQ-Liste zur Nachtabschaltung der Straßenbeleuchtung in Moers (Stand: 01.12.2022) | Stadt Moers. Heidenheim,

[2] Nachtabschaltung in Europa: https://www.lichtverschmutzung-hessen.de/Nachtabschaltung

[3] Steinebach-Arbeit mit der größten Datenmenge (siehe auch Referenzen): https://jech.bmj.com/content/69/11/1118.full

[4] Reduced street lighting at night and health: https://doi.org/10.1016/j.healthplace.2015.05.011

[5] “What might reduce crime does not reduce fear”: https://csl.mpg.de/613641/what-might-reduce-crime-does-not-reduce-fear-of-crime

[6] Studie BKA (2022) „Sicherheit und Kriminalität in Deutschland“ (siehe auch Referenzen)

[7] Schulte-Römer. 2022. Trügerische Sicherheit. Forum Stadt. 49 (3) 2022: 279-293. ISSN: 2192-8924.

[8] Publikation des Zentrum für Kriminalitätsforschung, W1_PaWaKS_Kriminalitaetsfurcht.pdf (zkfs.de) 

[9] Die besten Sicherheits-Apps für den Nachhauseweg – Sicher durch die Nacht (inrlp.de)

Weitere Referenzen

Weitere Informationen (z.B. zum Thema StVO, Verkehrssicherheit, Beleuchtungspflichten, etc.) sind auf Anfrage erhältlich.

Diese Informationen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Sie werden fortgeschrieben; Stand dieser Information: 02_2024

Erstellt von Mitgliedern des Hessischen Netzwerk gegen Lichtverschmutzung – Fachverband für Außenbeleuchtung Hessisches Netzwerk
gegen Lichtverschmutzung (lichtverschmutzung-hessen.de)
Kontakt: kontakt@lichtverschmutzung-hessen.de

7. Sammlung von Meldungen zur Nachtabschaltung

Erfurt: https://www.tagesschau.de/inland/regional/thueringen/mdr-stadt-entwickelt-dunkelstrategie-wo-es-in-erfurt-kuenftig-dunkler-bleiben-soll-100.html

Berlin – Abschaltung der Autobahn https://www.tagesschau.de/inland/regional/berlin/rbb-beleuchtung-auf-der-a100-in-berlin-wird-schrittweise-abgeschaltet-100.html