Bewusster Umgang mit Licht im Advent:
UNESCO-Biosphärenreservat Rhön über die Weihnachtszeit der Gartenbewohner
Pressemitteilung:
Rhön, 11.2024– Die Adventszeit ist da – und mit ihr in einigen Gärten und an Balkons auch Lichterketten und leuchtende Dekorationen. Doch während sich einige an der vorweihnachtlichen Illumination erfreuen, stellt sie eine Herausforderung für die zahlreichen Wildtiere, die in unseren Gärten, Hecken und Bäumen in den Ortschaften leben, eine große Herausforderung dar. Das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön, das als international anerkannter Sternenpark für seinen Schutz der natürlichen Nacht bekannt ist, appelliert daher zu einem bewussteren Umgang mit künstlichem Licht – nicht nur an Weihnachten.
Singvögel als Freudenbringer am Tage und schlafend in der Nacht
Für viele Menschen gehört das Füttern von Gartenvögeln in der kalten Jahreszeit dazu – eine schöne Möglichkeit, den gefiederten Wintergästen durch die knappen Nahrungsressourcen und kurzen Tage zu helfen. Singvögel benötigen jedoch nachts vor allem Ruhe und Dunkelheit, wie wir Menschen auch. Ihre Schlafplätze finden sie in dichten Hecken, Bäumen oder Nistkästen. Oft schließen sie sich zu Schlafgemeinschaften zusammen, um sich gegenseitig zu wärmen.
Künstliche Weihnachtsbeleuchtung beeinträchtigt jedoch diese wichtigen Rückzugsorte: Aufgrund der Lichtdurchlässigkeit ihrer Schädeldecke reagieren Vögel besonders empfindlich auf künstliches Licht, was ihre Schlagqualität stören kann. Ohne schützendes Laub sind sie zudem direktem Licht und Reflexionen ausgesetzt, was Stress auslöst. Dies macht es umso bedeutsamer, künstliche Beleuchtung nur einzusetzen, wenn sie wirklich benötigt wird, um die nächtliche Ruhe der Vögel und anderer Gartenbewohner nicht zu stören.

Wie überwintern eigentlich Insekten?
Entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass es im Winter keine Insekten gibt, trifft dies nicht auf alle Arten zu. Nachtfalter wie der Eulenfalter, der Frostspanner oder Windenschwärmer sind auch an milderen Wintertagen aktiv. Viele Insekten überdauern jedoch die kalte Jahreszeit in unterschiedlichen Entwicklungsstadien: z.B. im adulten Zustand in Staudenstängeln, Eier werden an Blattunterseiten oder Nadeln abgelegt, während Larven und Puppen in Baumritzen, unter Borken oder unter Rindenüberständen Schutz finden, auch an Holzzäunen. Künstliche Beleuchtung, die direkt auf Pflanzenstrukturen oder in den Garten einwirkt, wird das Überleben oder die Entwicklung beeinträchtigen. Die Folgen zeigen sich oft erst im darauffolgenden Jahr, wenn Insektenpopulationen zurückgehen oder ausbleiben. Insekten und Nachtfalter, die mehr als 80 % aller Schmetterlingsarten ausmachen, spielen indes eine entscheidende Rolle in der Bestäubung und sind ein unverzichtbarer Teil der Nahrungskette. Besonders Vögel sind im Frühjahr auf die Raupen als Futterquelle für ihren Nachwuchs angewiesen. Daher ist es von großer Bedeutung, Insekten und ihre Winterquartiere gezielt vor künstlicher Beleuchtung zu schützen – zum Wohl der gesamten Artenvielfalt und mehr biologische Vielfalt.
Übrigens, die Universität Bergen https://www.uib.no/en/news/36511/what-lives-my-christmas-tree hat herausgefunden, das bis zu 25 000 Insekten – darunter auch Springschwänze, Rindenläuse, Milben, Motten – in einem Weihnachtsbaum überwintern. Durch Wärme und Licht können sie erwachen.
Die Summe des Ressourcen- und Energieverbrauchs
Obwohl LED-Leuchten im Vergleich zu den früheren Glühbirnen weniger Strom verbrauchen, ist in Summe der Energieverbrauch hoch, zumal durch die billigen Plastiklichter aus Fernost mehr und länger beleuchtet wird. In diesem Jahr könnten laut Medienberichten 183 000 Haushalte ganzjährig mit dem für die Weihnachtsbeleuchtung benötigten Strom versorgt werden. Problematisch sind auch der hohe Verbrauch an nicht recycelbarem Kunststoff und der Einsatz von Weichmachern bei der Herstellung von Lichterketten, damit diese biegbar sind.
Kunstlicht oder Sternenhimmel zur besinnlichen Weihnachtszeit?
Das schönste Licht bietet der Nachthimmel. Gerade in der Weihnachtszeit sind die besonders hellen Wintersterne schon früh zu sehen und erfreuen die Augen von Groß und Klein ganz ohne Strom. Da der Mond im Winter aufgrund der Ekliptik besonders hoch am Himmel steht, taucht er die Landschaft ohnehin in ein gleichmäßiges, sanftes und stilles Naturlicht. In diesem Jahr verzieren auch gleich vier Planeten den Nachthimmel. Was es am Nachthimmel zu entdecken gibt, zeigt die aktuelle Himmelsvorschau https://www.biosphaerenreservat-rhoen.de/natur/sternenpark-rhoen/aktuelle-himmelsvorschau
Advent unter den Sternen der Rhön
Das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön lädt dazu ein, die Adventszeit bewusst unter einem natürlichen dunklen, funkelnden und beruhigenden Nachthimmel zu erleben. Ein Strohstern im Fenster macht als Weihnachtsgruß schon etwas her. Wer nicht freiwillig auf leuchtende Weihnachtsdekoration verzichten möchte, kann durch folgende Maßnahmen die Auswirkungen reduzieren:
– nur im Eingangsbereich zur Straße hin anbringen, den Garten aussparen
– immer nur für kurze Zeit, denn nach 20 Uhr gibt es kaum noch Vorbeilaufende
– besinnlich zurückhaltend, dezent und in warmen bernsteinfarbenen Farbtönen
– kein Wechsellicht
Nur gemeinsam und mit Rücksicht kann so dafür gesorgt werden, dass Weihnachten für Menschen und die Tiere, die mit uns in den Siedlungen leben, ein Fest des natürlichen Lichts und mit reduzierter Lichtverschmutzung wird.
Weitere Infos: https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/tiere/25106.html http://www.sternenpark-rhoen.de http://www.naturnacht-fulda-rhoen.de

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