Frühling, Mondkalender, versteckte Schätze und der Morgenstern
“Wenn die Sterne nur von einem einzigen Ort aus auf der Erde sichtbar wären, würden die Menschen nie aufhören, dorthin zu reisen, um sie zu sehen”, wusste der römische Gelehrte Seneca. Zum Glück ist im Sternenpark Rhön eine lange Reise gar nicht notwendig – hier genügt ein Blick aus dem Fenster nach oben. Zwar muss man sich nach der Zeitumstellung nun leider wieder länger gedulden, bis es dunkel wird und sich die volle Sternenpracht zeigt. Aber die lange Abenddämmerung im Licht der Blauen Stunde – ein typisches Merkmal für den April – ist mit ihrer magischen Ruhe auch schon ein besonderer Genuss.

Foto: Jens Müller. Die Wasserkuppe in der Blauen Stunde.
Das Frühlingsdreieck
Während die Wintersternbilder nach Einbruch der Dunkelheit allmählich am westlichen Horizont von der Himmelsbühne für den Rest des Jahres verschwinden, wird der südöstliche Bereich des Himmels nun vom sog. Frühlingsdreieck dominiert. Es ist kein eigenes Sternbild, sondern eine Aufsuchhilfe, bestehend aus den drei hellsten Sternen der typischen Frühlingssternbilder. Dazu gehört der bläulich funkelnde Regulus, der, wie es sich für den König der Tiere gehört – das Herz des Sternbild Löwen markiert. Regulus hat den dreifachen Sonnendurchmesser und eine um tausende Grad heißere Oberfläche als unsere Sonne, was das bläuliche Leuchten erklärt.
Richtung Südosten sieht man nun Spica, den hellsten Stern aus dem Sternbild Jungfrau bläulich funklen. Spica ist arabisch für „Kornähre“ und die Sichtbarkeit des Sternbilds Jungfrau markiert den Beginn des Frühlings. Immerhin können Sternbilder wie früher auch schon als Zeitmesser genutzt werden. Der dritte Stern im Bunde ist der hellste Stern am nördlichen Sternenhimmel – der orange leuchtende Arktur. Dieser ist der hellste Stern im Sternbild Bootes oder auch Bärenhüter genannt, denn er treibt die himmlischen Bärinnen vor sich her. Arktur lässt sich leicht finden, indem man die Deichsel Großen Wagens – der sich momentan fast im Zenit aufhält – in Richtung Horizont verlängert.
Unterhalb der Frühlingssternbilder schlängelt sich das Sternbild der Wasserschlange entlang, das uns die Geschichte erzählt, warum Raben als Singvögel nur krächzen können.
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Grafik: Vereinigung der Sternenfreunde. Mit Hilfe dieser Karte kann man sehr leicht das Frühlingsdreieck am Himmel entdecken.
Ein Mondkalender für Ostern
Bekannt ist, dass wir Ostersonntag immer am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang feiern. Da der Mond erst am Sonntag, den 13. April, seine Vollmondposition erreicht, fällt Ostersonntag dieses Jahr sehr spät auf die darauffolgende Woche. Und an dieser Regel hängen alle anderen beweglichen christlichen Feiertage im Kirchenjahr, denn die Grundlage für die Bestimmung ist der Lauf des Mondes. Das verwundert nicht, denn neben hell und dunkel bietet der Mond mit seinen 7-Tage-Phasen immer noch einen verlässlichen Kalender. Hübsch anzusehen ist gerade im Frühling auch das reflektierte Licht der Erde auf dem zunehmenden Mond, der sog. Erdschein.
Versteckte Himmelsschätze
Der Frühling ist auch die Zeit, seine Augenschärfe zu testen, indem man offenen Sternhaufen aufsucht. Das sind Gebiete, in denen gleichzeitig viele Sterne entstanden sind. Beim Aufsuchen hilft der Löwe. Denn rechter Hand und mittig zwischen Regulus und Pollux (Sternbild Zwillinge) befindet sich im Sternbild Krebs als diffus leuchtendes Fleckchen der offene Sternhaufen „Praesepe“, zu Deutsch Futtergrippe. Er besteht aus ca. 1000 Sterne in 570 Lichtjahren Entfernung. Linker Hand des Löwen befindet sich mittig zu Arktur der kleine Coma-Berenices-Sternhaufen, auch Melotte 111 genannt, im Sternbild Haar der Berenike. Es ist ein Vergnügen, beide Sternhaufen mit einem Feldstecher zu besuchen.
Jupiter, Mars und die Venus als Morgenstern
Während Jupiter und Mars noch in den Wintersternbildern am westlichen Abendhimmel verweilen, hat sich die schnelle Venus vom Abendhimmel zurückgezogen. Ab Monatsmitte erstrahlt sie jedoch schon wieder kurz vor Sonnenaufgang im Osten. Dann als sog. Morgenstern beschenkt sie die Frühaufsteher mit ihrem frostigen Glanz.
Kometenstaub sorgt für Sternschnuppen
Mit den Lyriden bekommen wir im April endlich wieder mehr Sternschnuppen, wenn die Erde auf ihrer Bahn um die Sonne vom 14. bis 30. April die Wolke aus Staubteilchen durchquert, die der Komet C/1861 (Thatcher) hinterlassen hat. Der Ausgangspunkt der Lyriden liegt scheinbar im Sternbild der Leier und das Maximum am 22. April wird zur besten „Sendezeit“ zwischen 22 und 4 Uhr nicht vom Mondlicht gestört.
Grafik: VdS mit dem Fluchtpunkt der April-Sternschnuppen
Senecas Sehnsuchtsort vor unserer Haustür
Für diesen einen Ort, den Seneca sehnsuchtsvoll beschreibt, müssen wir gar nicht weit fahren. Es ist unser Rhöner Heimathimmel und er liegt direkt vor unserer Haustür. Wir sollten ihn wieder erkunden und schätzen, so wie es die Menschen immer schon getan haben und so auch den technischen Fortschritt ermöglichten.
Hinweis: Bitte daran denken, zum Schutz der wildlebenden Tiere Kunstlicht zu vermeiden bzw. rücksichtsvoll zu nutzen. Die Beobachtung des Sternenhimmels ist bereits an den Ortsrändern möglich – Schutzgebiete sind tabu.
S. Frank und Dr. F.P. Schmidt, Team Sternenpark Rhön mit Unterstützung der VdS Deutschland e.V. Infos zum Sternenpark Rhön: https://biosphaerenreservat-rhoen.de/sternenpark
Anfragen: info@sternenpark-rhoen.de

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