Besinnliche Weihnachtszeit oder TEMU-Lichtorgien?
Hinweis: Autorin dieses Texts ist Sabine Frank. Der Text kann gerne übernommen und mit Ausnahme der technischen Tipps angepasst werden.
Die kalte Jahreszeit ist da – und mit ihr in einigen Gärten und an Balkons auch Lichterketten und leuchtende Dekorationen. Doch während sich die Einen an der vorweihnachtlichen Illumination erfreuen, stellt sie eine Herausforderung für die zahlreichen Wildtiere, die in unseren Gärten, Hecken und Bäumen in den Ortschaften oder der Umgebung leben, eine große Herausforderung dar. Natur-, Arten- und Klimaschützer bitten daher zu einem bewussteren Umgang mit künstlichen Lichtprodukten – besonders in der kalten Jahreszeit – aber auch das ganze Jahr über.
Denn übermäßiges und fehlgelenktes Licht kann nicht nur die Nachbarschaft stören. Es stört auch den Tag-/Nacht-Rhythmus von Menschen, Tieren und Pflanzen. Alle Lebewesen (Menschen, Tiere und Pflanzen) sind an die natürliche Nachtbeleuchtung durch schwaches Mond- und Sternenlicht angepasst.

Singvögel als Freudenbringer am Tage und schlafend in der Nacht
Für viele Menschen gehört das Füttern von Gartenvögeln in der kalten Jahreszeit dazu – eine schöne Möglichkeit, den gefiederten Wintergästen beim Überleben zu helfen. Singvögel benötigen jedoch nachts vor allem Ruhe und Dunkelheit, wie wir Menschen auch. Ihre Schlafplätze finden sie in dichten Hecken, Bäumen oder Nistkästen. Oft schließen sie sich zu Schlafgemeinschaften zusammen, um sich gegenseitig zu wärmen. Künstliche Beleuchtung beeinträchtigt jedoch diese wichtigen Rückzugsorte: Ohne schützendes Laub und durch ein mehr Kunstlicht in der kalten Jahreszeit sind die Tiere direktem Licht und Reflexionen stärker ausgesetzt als zu anderen Jahreszeiten. Insbesondere Vögel reagieren ganzjährig besonders empfindlich auf unnatürliche Lichtverhältnisse durch Kunstlicht, was sich auf Schlafqualität auswirkt, Stress auslöst und so notwendige Energie zum Überleben raubt. Dies macht es umso bedeutsamer, künstliche Beleuchtung nur einzusetzen, wann und wo sie wirklich benötigt wird, um die nächtliche Ruhe der Vögel und anderer Gartenbewohner nicht zu stören.

Wie überwintern eigentlich Insekten?
Entgegen der weit verbreiteten Annahme, dass es im Winter keine Insekten gibt, trifft dies nicht auf alle Arten zu. Nachtfalter wie der Eulenfalter, der Frostspanner oder Windenschwärmer sind auch an milderen Wintertagen aktiv. Viele Insekten überdauern jedoch die kalte Jahreszeit in unterschiedlichen Entwicklungsstadien: z.B. im adulten Zustand in Staudenstängeln, Eier werden an Blattunterseiten oder Nadeln abgelegt, während Larven und Puppen in Baumritzen, unter Borken oder unter Rindenüberständen Schutz finden, auch an Holzzäunen. Künstliche Beleuchtung, die direkt auf Pflanzenstrukturen oder in den Garten einwirkt, wird das Überleben oder die Entwicklung beeinträchtigen. Die Folgen zeigen sich oft erst im darauffolgenden Jahr, wenn Insektenpopulationen zurückgehen oder ausbleiben. Insekten und Nachtfalter, die mehr als 80 % aller Schmetterlingsarten ausmachen, spielen indes eine entscheidende Rolle in der Bestäubung und sind ein unverzichtbarer Teil der Nahrungskette. Besonders Vögel und Igel sind im Frühjahr auf die Raupen als Futterquelle für ihren Nachwuchs angewiesen. Daher ist es von großer Bedeutung, Insekten und ihre Winterquartiere gezielt vor künstlicher Beleuchtung zu schützen – zum Wohl der gesamten Artenvielfalt und mehr biologische Vielfalt.
Sammlung Auswirkungen von nächtlichem Kunstlicht im Freien: https://naturnacht-fulda-rhoen.de/ressourcen/sammlung-auswirkungen-von-kunstlicht-bei-nacht/
Infos vom NABU: https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten-und-spinnen/insektensterben/31282.html

Übrigens, die Universität Bergen https://www.uib.no/en/news/36511/what-lives-my-christmas-tree hat herausgefunden, das bis zu 25 000 Insekten – darunter auch Springschwänze, Rindenläuse, Milben, Motten – in einem Weihnachtsbaum überwintern. Durch Wärme und Licht können sie erwachen.
Die Summe des Ressourcen- und Energieverbrauchs
Obwohl LED-Leuchten im Vergleich zu den früheren Glühbirnen weniger Strom verbrauchen, ist in Summe der Energieverbrauch hoch, zumal durch die billigen Plastiklichter aus Fernost mehr und länger beleuchtet wird. In diesem Jahr könnten laut Medienberichten über 194 000 Haushalte ganzjährig mit dem für die Weihnachtsbeleuchtung benötigten Strom versorgt werden – knapp 500 Mio kWh. https://www.lichtblick.de/weihnachtsumfrage/ Problematisch sind auch der hohe Verbrauch an nicht recycelbarem Kunststoff und der Einsatz von Weichmachern bei der Herstellung von Lichterketten, damit diese biegbar sind.
Somit trägt auch die Weihnachtsbeleuchtung zur Klimaerwärmung bei und verringert die Chance auf winterlichen Schnee: https://naturnacht-fulda-rhoen.de/2025/11/14/klimawandel-und-lichtverschmutzung/

Kunstlicht oder Sternenhimmel zur besinnlichen Weihnachtszeit?
Das schönste Licht bietet der Nachthimmel. Gerade in der Weihnachtszeit sind die besonders hellen Wintersterne schon früh zu sehen und erfreuen die Augen von Groß und Klein ganz ohne Strom. Schon in den frühen Abendstunden spannt sich die leuchtende Sommermilchstraße über den Himmel. Da der Mond im Winter aufgrund der Ekliptik besonders hoch am Himmel steht, taucht er die Landschaft ohnehin in ein gleichmäßiges, sanftes und stilles Naturlicht. In diesem Jahr verzieren auch gleich vier Planeten den Nachthimmel. Was es am Nachthimmel zu entdecken gibt, zeigt die aktuelle Himmelsvorschau https://www.biosphaerenreservat-rhoen.de/natur/sternenpark-rhoen/aktuelle-himmelsvorschau

Advent unter den Sternen der Rhön
Das UNESCO-Biosphärenreservat Rhön lädt dazu ein, die Adventszeit bewusst unter einem natürlichen dunklen, funkelnden und beruhigenden Nachthimmel zu erleben. Ein Strohstern im Fenster macht als Weihnachtsgruß schon etwas her. Wer nicht freiwillig auf leuchtende Weihnachtsdekoration verzichten möchte, kann durch folgende Maßnahmen die Auswirkungen reduzieren:
– nur im Eingangsbereich zur Straße hin anbringen, den Garten aussparen
– immer nur für kurze Zeit, denn nach 20 Uhr gibt es kaum noch Vorbeilaufende
– besinnlich zurückhaltend, dezent und in warmen bernsteinfarbenen Farbtönen
– kein Wechsellicht
Nur gemeinsam und mit Rücksicht kann so dafür gesorgt werden, dass Weihnachten für Menschen und die Tiere, die mit uns in den Siedlungen leben, ein Fest des natürlichen Lichts und mit reduzierter Lichtverschmutzung wird.
Weitere Infos: https://www.nabu.de/umwelt-und-ressourcen/oekologisch-leben/balkon-und-garten/tiere/25106.html http://www.sternenpark-rhoen.de http://www.naturnacht-fulda-rhoen.de
Allgemeine Tipps rund ums Haus:
Nachtschutz ist Arten- und Klimaschutz: Nur Naturlicht im Garten –
Licht aus für die Arten!
Im Garten und auf Grünflächen sollte Kunstlicht grundsätzlich vermieden werden. „Omas Garten“ ohne künstliche Lichtquellen ist dabei das Vorbild.
Und falls man doch etwas Licht braucht – z.B. am Hauseingang – dann gilt:
- zuerst lichtunabhängige Lösungen wie Markierungen, Reflektoren oder die sachgemäße Nutzung mobiler Lichtquellen wie Taschenlampen bevorzugen
- sparsam, nur so viel Licht wie nötig – 100 – 300 Lumen Lichtstrom (Intensität) reichen in der Regel völlig aus. Sogar mit 20 lm Lichtstrom kann mit guter Lichtverteilung gut gesehen werden. Der Lichtstrom steht auf der Packung.
- wenn künstliches Licht, dann nur nach unten strahlen mit gut abgeschirmten Leuchten, möglichst niedrige Lichtpunkthöhen
- warme, bernsteinfarbene Lichtfarbe einsetzen bis max. 2700 Kelvin, besser unter 2200 Kelvin Farbtemperatur
- ausschalten, wenn nicht benötigt und in der Nacht
- Schalter mit Zeitschaltuhr bevorzugen, Bewegungsmelder prüfen und gut einstellen bzw. abkleben, da sie sonst unkontrolliert auslösen
- prüfen, wie stark die Innenbeleuchtung in den Garten einwirkt und evtl. Maßnahmen ergreifen
Das spart nicht nur Energie, sondern ist rücksichtsvoll gegenüber Tieren, Pflanzen, Nachbarn und uns Menschen.

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