Himmelsvorschau Januar 2026
Himmlische Rück- und Ausblicke, eiskalte Sonnennähe, Doppelsterne im winterlichen Sternenkino und ein Gott, der über den Himmel wacht
Benannt nach dem römischen Gott des Anfangs und des Endes, Janus, beginnt mit dem Monat Januar seit der Kalenderreform 153 vor Christus das neue Jahr. Der Sage nach und in Darstellungen hatte Janus zwei Gesichter, die in entgegensetzte Richtungen schauen, was man als Rückblick ins alte und Ausblick auf das neue Jahr verstehen kann. Ein Blick in die Sterne ist derweil immer ein Blick in die Vergangenheit – und selbst das Licht der Sonne ist 8 min und 20 sec unterwegs zu uns Erdlingen. Und wenn sich Erde und Sonne am 03. Januar mit einem Abstand von 147 Mio. Kilometern während ihres Jahreslauf am nächsten kommen, wird es dadurch weder wärmer noch ändert sich die Lichtlaufzeit merklich.
Apropos Sonne, zu den himmlischen Highlights 2026 zählt ihre Verfinsterung durch den Mond am 12. August. Als starke partielle Sonnenfinsternis wird sie auf unseren Breiten zu 88 % bedeckt sein und macht sie so zu einem der coolsten Himmelsausblicke. Während das Schattenspiel der Finsternis den lichten Tag verdunkelt, hat die Sonnenfinsternis vom 29. Mai 1919 die Physik erhellt, denn Einsteins Allgemeine Relativitätstheorie konnte anhand der Untersuchungen überhaupt erst empirisch bewiesen werden.

Sternenkino im Süden
In Blickrichtung Süden zeigt nun der Winterhimmel viele der am hellsten funkelnde Sterne im Jahr. Sehr unterschiedliche Sterne sehen wir in dieser Region: Gut an ihrem rötlichen Licht erkennbar sind relativ alte Sterne wie Aldebaran im Stier und Beteigeuze im Orion, aber auch ganz junge, sehr nahe wie Sirius und Prokyon und auch sehr weit entfernte wie Rigel sieht man dort. Tatsächlich besteht etwa die Hälfte all unserer Himmelslichter aus Mehrfachsternen. Das sind Sterne, die durch Gravitation so aneinandergekoppelt sind, dass sie sich paarweise oder auch zu mehreren umkreisen. Doppelsterne sind z.B. der Polarstern, Capella im Fuhrmann, Sirius und Prokyon und Rigel im Orion. Die äußeren Sterne des Oriongürtels sind sogar Dreifachsterne, und total faszinierend müsste es sein, aus der Nähe Castor im Sternbild Zwillinge oder Mizar – der mittlere Deichselstern des Großen Wagens- zu sehen: jeweils 6 Sterne unterschiedlicher Größe und Helligkeit umtanzen sich dort! Meist sehen wir von solchen Konstellationen nur den hellsten Stern, der alle andern überstrahlt. Mehr über Sterne im Allgemeinen gibt’s übrigens hier: http://verein-sternenpark-rhoen.de/2015/10/wie-entsteht-ein-stern-eine-astronomische-geschichte/
Blick an den Rand der Galaxis
Durch die Wintersternbilder, östlich am Orion vorbei über den Zenit entlang Perseus und dem berühmten Himmels-W, der Cassiopeia, zieht sich das Band der Wintermilchstraße. Sie ist wesentlich lichtschwächer als im Sommer, da wir von der Erde aus in dieser Jahreszeit zum Rand unserer Heimatgalaxis blicken, was an sich doch ein inspirierender Gedanke ist. Wandert man die Wintermilchstraße entlang, zeigen sich überraschend viele kleine Strukturen wie entfernte Galaxien und Sternhaufen. Und westlich und östlich des magisch leuchtenden Bandes kann man nun die Herbststernbilder verabschieden und die ersten Frühlingssterne begrüßen.#

Mondhelle Nächte, Planeten und der Himmelsgott im Fernglas

Die Januarnächte beginnen sehr hell mit dem Vollmond bereits am 03. Januar. Durch die Neigung der Erdachse steht der Mond nun besonders hoch – und man könnte viel Energie sparen und alle Straßenlampen abschalten, denn sein Licht reicht völlig aus. Am 10. Januar steht Jupiter als Planetenkönig der Nacht in Opposition der Sonne und leuchtet daher ebenfalls besonders hell. Im Westen sieht man noch Saturn, den Hübschen mit den Ringen. Wer eine kleine Herausforderung möchte, kann versuchen, den äußeren Gasplaneten Uranus, benannt nach dem über die Welt wachenden Gott des Himmels, aufzufinden. In einem Fernglas kann er entlang der Ekliptik leicht unterhalb der Plejaden gefunden werden. Und ab und an zischt eine Sternschnuppe aus unterschiedlichen Meteorströmen über die frostige Stille der unendlichen langen Januarnächte.
Viel Freude beim Beobachten wünschen Sabine Frank und Dr. Franz-Peter Schmidt
Hinweis: Bitte daran denken, zum Schutz der wildlebenden Tiere Kunstlicht zu vermeiden bzw. rücksichtsvoll zu nutzen. Die Beobachtung des Sternenhimmels ist bereits an den Ortsrändern möglich – Schutzgebiete sind tabu.
S. Frank und Dr. F.P. Schmidt, Team Sternenpark Rhön mit Unterstützung der VdS Deutschland e.V.
Infos zum Sternenpark Rhön: https://biosphaerenreservat-rhoen.de/sternenpark
Anfragen: info@sternenpark-rhoen.de
Hintergrund: Sternenpark Rhön
International Dark Sky Reserve: Dieser Titel wurde dem länderübergreifenden UNESCO-Biosphärenreservat Rhön auf Antrag der Regionalen Arbeitsgemeinschaft der Rhöner Landkreise (ARGE Rhön) im Sommer 2014 verliehen. Die International Dark Sky Association (IDA) vergibt den Titel an Schutzgebiete mit einem sternreichen Himmel und einer weitgehend intakten Nachtlandschaft, die wegen ihres ökologischen, wissenschaftlichen und kulturellen Werts beziehungsweise ihrer Bedeutung für Bildung und Erholung großräumig geschützt werden. In Deutschland heißen diese Gebiete Sternenpark.
Die Kulisse des Sternenparks Rhön erstreckt sich im Wesentlichen über das Gebiet des Biosphärenreservats. Mehr als 40 Kommunen in Hessen, Bayern und Thüringen haben freiwillig die Sternenpark-Beleuchtungsrichtlinien unterzeichnet. Aber auch Kommunen außerhalb der Gebietskulisse beteiligen sich am Schutz der Nacht. Ziel ist, Lichtverschmutzung bestmöglich zu reduzieren – also zu verhindern, dass künstliche Beleuchtung aus den Siedlungen heraus den Nachthimmel und somit wiederum über Streuung und Reflektion die Natur und Schutzgebiete aufhellt. Rechtliche Grundlagen liefert unter anderem das Bundesnaturschutzgesetz.
Zu den Maßnahmen im Sternenpark zählen die Umrüstung von Beleuchtungsanlagen unter Beachtung von Parametern wie zielgerichtete Lichtlenkung, warme Lichtfarben mit geringem Blauanteil, niedrige Lichtpunkthöhen und geringe, bedarfsorientiere Intensitäten, aber auch zeitweise Abschaltung in der Nacht, für die sich Kommunen und Unternehmen entscheiden.
Das Projekt Sternenpark ist aber nicht nur ein relevanter Bestandteil im Klima- und Artenschutz in der Region, sondern die Region profitiert auch im Bereich Tourismus und Erholung von der Auszeichnung. Im Sinne einer umweltfreundlichen Besucherlenkung und der Umweltbildung wurden Angebote wie Sternenparkführungen und Himmelsschauplätze entwickelt. Die Auszeichnung der IDA ist nicht auf Dauer verliehen, sondern die Maßnahmen werden jährlich evaluiert. Der Sternenpark Rhön ist somit ein Gemeinschaftswerk der Kommunen, Unternehmen und den Menschen, die in der Region leben.
Rund um das Thema Beleuchtung erhalten Kommunen, Vereine und Gewerbetreibende, aber auch Privatleute Beratung. Auch Fördermittel stehen unter bestimmten Voraussetzungen zur Verfügung. Ansprechpartner sind die Fachstelle Sternenpark beim Landkreis Fulda sowie die Verwaltungsstellen des Biosphärenreservats in Hessen, Bayern und Thüringen.

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