Fledermäuse in Siedlungen meiden Straßenlicht beim Pendeln zwischen Quartier und Jagdlebensraum. Das ist wegen Umwege nicht nur sehr kräftezehrend, sondern erhöht auch Risiken. Es braucht daher dunkle Korridore in Siedlungen.
Städte und Dörfer sind aufgrund des reichhaltigen Nahrungsangebotes in den Gärten und Parks Lebensräume vieler Tiere. Gleichzeitig sind sie aber auch der Entstehungsort von Lichtimmissionen, die auch nur dort – in menschlichen Siedlungen – reduziert werden kann. Untersuchungen zeigen nun, wie kräftezehrend es für Fledermäuse ist, Lichtquellen auszuweichen.
Die Forscher schreiben dazu in ihrer Pressemeldung Fledermäuse in Siedlungen meiden Straßenlicht beim Pendeln zwischen Quartier und Jagdlebensraum – Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung „Einige Fledermausarten suchen tagsüber Unterschlupf in Dachstühlen großer, zumeist historischer Gebäude innerhalb menschlicher Siedlungen, obwohl sie in der Nacht im dunklen Umland nach Insekten jagen. Dies erfordert tägliches Pendeln zwischen teils hell erleuchtetem Siedlungsbereich und dunklem Jagdlebensraum. Ein Team am Leibniz-Institut für Zoo- und Wildtierforschung (Leibniz-IZW) wies nach, dass Große Mausohren (Myotis myotis) – die größten heimischen Fledermäuse – beim Pendeln durch Siedlungsgebiete bevorzugt wenig ausgeleuchtete Bereiche nutzen. Das Team plädiert in der Fachzeitschrift „Science of the Total Environment“ für den Erhalt und Ausbau von dunklen Korridoren in Siedlungen zum Schutz nachtaktiver Tiere.“ Hier die Original-Studie: Urban sprawl and light pollution disrupt commuting corridors of urban-roosting bats – ScienceDirect
Alle europäischen Fledermausarten sind auf unterschiedliche Weise und im unterschiedlichen Ausmaß von nächtlichem Kunstlicht betroffen: https://www.eurobats.org/sites/default/files/documents/publications/publication_series/EUROBATS_PS08_DE_RL_web_neu.pdf
Insbesondere auch ihre Hauptnahrungsquelle, die Nachtfalter.
Dr. Jaqueline Degen, Uni Oldenburg:
„Eine der dramatischsten Veränderungen, die sich in den letzten Jahrzehnten auf unserem Planeten vollzogen haben, ist die immer stärkere Nutzung von künstlichem Licht in der Nacht, wodurch sich die Umwelt, an die nachtaktive Tiere angepasst sind, drastisch verändert hat. Eine Gruppe nachtaktiver Arten, bei denen ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen ist, sind Nachtfalter, die nicht nur für den Artenschutz von großer Bedeutung sind, sondern auch wegen ihrer Schlüsselrolle in Nahrungsnetzen und bei Ökosystemdienstleistungen wie der nächtlichen Bestäubung von Pflanzen. Die Lichtverschmutzung wurde als Ursache für den dramatischen Rückgang der Insekten in den letzten Jahren identifiziert“
Auch wir plädieren für mehr natürliche Dunkelheit in Siedlungen. Nicht nur, weil die Nacht schön ist und Vorurteile unbegründet. Sondern weil der Artenschutz in den Siedlungen so wichtig ist, denn dort sind die besten Lebensräume. Zumal die Nutzungseffizienz öffentlicher Beleuchtung erschreckend gering ist und es keine Beleuchtungspflichten für den Straßenbaulastträger gibt sondern nur für die Verkehrsteilnehmenden (Fahrzeugbeleuchtung, Taschenlampe) mit Ausnahme des Zebrastreifens.
Ein Best Practice hat die Gemeinde Hofbieber gemacht. Trotz der großen Abstände zwischen den Masten, wurde bei der Umrüstung auf LED mit voll abgeschirmten Leuchten keine weitere Leuchte dazwischen aufgestellt. Zudem wurde bei der Wahl der Lichtfarbe auf einen geringen schädlichen Blauanteil geachtet und bernsteinfarbenes Licht mit 2200 K eingesetzt. Dadurch ist es innerhalb der Ortschaft nun wesentlich natürlicher und es sind viele dunkle Korridore entstanden. Das ist nicht nur für Fledermäuse wichtig – sondern nächtliches Kunstlicht im Freien wirkt sich massiv auf viele Arten aus: Licht und Insekten und andere Arten – eine Zusammenfassung aktueller Untersuchungen – Naturnacht Fulda-Rhön
Die Nachtabschaltung, wie in vielen Kommunen und vor allem auch in Frankreich praktiziert, ist nicht nur trotz aller Vorurteile unproblematisch, sondern auch der wirksamste Schutz für Fledermäuse und Co. Weitere Vorteile sind Kostenersparnis, weniger belastete Wohnräume und Gärten sowie die Rückkehr der Sichtbarkeit des Sternenhimmels. Ausführlich zur Nachtabschaltung: https://naturnacht-fulda-rhoen.de/ressourcen/nachtabschaltung-oeffentliche-beleuchtung/



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