PINNWAND NATURSCHUTZ

Diese Seite fungiert als Plattform für Naturschutzverbände, die keine eigene Webseite besitzen.


Der Fleischkonsum ist ein Haupttreiber für den Klimawandel und das Artensterben. https://www.umweltbundesamt.de/themen/landwirtschaft/landwirtschaft-umweltfreundlich-gestalten/fragen-antworten-zu-tierhaltung-ernaehrung#Frage1_1

Schätzungen zufolge sind zwischen 18 (FAO) und 51 % (World Watch Institute) https://awellfedworld.org/wp-content/uploads/Livestock-Climate-Change-Anhang-Goodland.pdf der weltweiten Treibhausgasemissionen auf die Viehzucht – abhängig davon, welche nachdem, welche Faktoren wie berücksichtigt werden: https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0377840111002021

Diese Bachelorarbeit von 2010 greift die Untersuchung des World Watch Institute auf und geht der Frage nach, wie Konsumentscheidungen sich auf das Klima auswirken.


  1. Die NABU Gruppe Tann (Rhön) sieht in der Nachtabschaltung der öffentlichen Beleuchtung einen wichtigen Kompromiss pro Artenschutz und unterstützt daher diese seit 10 Jahren bestehende Maßnahme, die ursprünglich hauptsächlich aus Energiespargründen eingeführt wurde. Hier der Nachbericht der NABU Gruppe Tann (Rhön) nach einem Vortragsabend mit Diskussion:

NABU Gruppe Tann (Rhön) informiert:

Erfolg und Herausforderungen der Nachtabschaltung:
Ein Rückblick auf den Vortrag vom 13. Mai 2025 „Wir schalten ab – aber sicher“.

Wenn die Sonne hinter dem Habelberg versinkt, erwacht in der Natur das Leben. Denn der Großteil der heimischen Tierarten ist dämmerungs- und nachtaktiv und lebt als Kulturfolger oder wegen des Nahrungsangebots und der Versteckmöglichkeit mit uns in unseren Siedlungen. Sie brauchen die natürliche Dunkelheit in der Nacht. Weil uns gelebter und wirksamer Naturschutz am Herzen liegt und mit dem Ziel, die Biodiversität zum Wohle aller im Ulstertal zu fördern, unterstützt der NABU Tann die Nachtabschaltung ab 23 Uhr.

Nach dem Vortrag zeigt sich Tann im wunderschönen Abendlicht!

Um über die Wichtigkeit der nächtlichen Dunkelheit und den hell-dunkel-Rhythmus zu informieren, Fragen zu beantworten und eventuelle Bedenken zu besprechen, lud der NABU Tann Sabine Frank, Landkreis Fulda, als Referentin ein. Erfreulicherweise war auch die Kommunalpolitik unter den interessierten Gästen vertreten. Gemeinsam erlebten wir einen facettenreichen und reich bebilderten Vortrag.

Denn dass sich nächtliches Kunstlicht schädlich auf alle Lebewesen auswirkt, ist uns bereits aus unserer Naturschutzarbeit bekannt. So hat der NABU Bundesverband in seinem Grundsatzprogramm „Artenvielfalt“ Lichtverschmutzung als eine der Hauptursachen des Artenverlusts definiert: 230224-nabu-grundsatzprogramm-artenvielfalt.pdf . Beeindruckend war für uns vor allem zu erfahren, dass die Beleuchtung nicht nur innerhalb unserer Ortschaften wirkt und dort neben Straßen auch Gärten und Grünflächen mit Licht flutet, sondern auch wie stark das Licht aus den Ortschaften über Streuung an Wolken in die Umgebung gelangt, wo selbst kein Licht ist.

Über Reflektion an Wolken gelangt das Licht aus den Siedlungen in die Außenbereiche und Naturräume und hellt dort künstlich auf. Da im Außenbereich selbst kein Licht erzeugt wird, kann es nur in den Siedlungen reduziert werden. Die Abschaltung zur Nachtzeit ist daher ein wichtiger Beitrag zum Artenschutz und Energieeinsparung. Foto: A. Mötzung, Rhön

Die Forschungsergebnisse zu Nachtfaltern, Käfern, Fledermäusen, Amphibien und sogar Fischen etc. zeigten, dass sich bereits die geringen Mengen an Kunstlicht auf verändertes Verhalten wie z.B. Orientierung, Nahrungssuche und Wanderzügen auswirkt. Aber auch Igel leiden unter Kunstlicht. Beleuchtete Flächen meidet der Igel als lichtscheues Tier jedoch, da dort sein Risiko von Fressfeinden wie den Uhu gesehen zu werden, steigt. Auf diese Weise wirken beleuchtete Flächen für Igel und andere Tiere als Barriere und verkleinern und zerschneiden Lebensräume. Und dies, während wir Menschen kaum etwas von den Nöten mitbekommen während wir die Rollos unten haben. 

Hinweis: Eine aktuelle Zusammenfassung der Auswirkungen sowie Hinweise zu notwendigen Maßnahmen findet man hier: https://naturnacht-fulda-rhoen.de/2025/03/18/licht-und-insekten-ein-zusammenfassung-aktueller-untersuchungsergebnisse/

Die Referentin Sabine Frank berichtete auch von den teils langjährigen Erfahrungen mit Nachtabschaltungen in anderen hessischen Kommunen wie Ebersburg, Buseck und Linsengericht, aber auch von größeren Städten wie Königswinter oder Gütersloh. Es wurden Untersuchungen vorgestellt, die aufzeigen, dass viele Menschen Vorteile darin sehen wie besserer Schlaf, natürlichere Gärten und die Sichtbarkeit der Sterne von zu Hause aus. (Studie: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S13538292150007 ) Das ist auch unsere Erfahrung aus zahlreichen Gesprächen. Thematisiert wurden im Vortrag auch ausführlich hervorgebrachte Sicherheitsbedenken, die oft bei Nachtabschaltungen erhoben werden. Doch zeigen Statistiken und unzählige Untersuchungen wie auch die langjährige Erfahrung bei uns, dass es keinen Zusammenhang gibt. Zweifelsohne geht die Nachtabschaltung mit etwas weniger Komfort einher wobei das Mitführen einer Taschenlampe dies hinlänglich ausgleicht. Das mulmige Gefühl, dass einige Menschen in der Nacht – ob beleuchtet oder nicht – oder tagsüber im Wald verspüren liegt daran, dass sie alleine unterwegs sind zu Zeiten, wo kaum jemand unterwegs ist. Hier helfen Gewohnheit und Training und das Gefühl verschwindet, wenn man nicht mehr alleine ist.

Wir waren beeindruckt zu erfahren wie Frankreich die Nachtabschaltung handhabt. Über 12.000 Gemeinden schalten dort nachts das Licht aus. Unter dem Motto „Wir schalten ab – die Nacht ist schön“ sind viele Ortsschilder mit einem freundlichen Hinweis versehen. Wir würden uns das auch für Tann wünschen.

In Frankreich weisen freundlich gestaltete Ortsschilder die Abschaltung hin.

Am Ende des Vortrags wurden Ideen präsentiert wie die Abschaltung in Tann touristisch als Mehrwert genutzt werden könnte. Wir waren verwundert, dass dies mit diesem herausragenden Alleinstellungsmerkmal noch nie wirklich aufgegriffen wurde. Nicht wenige Tanner genießen mittlerweile den Sternenhimmel vor der Haustür, noch mehr sicherlich die lichtgeplagten Gäste aus  Großstädten und Industrieregionen.

Mit einem offenen Herzen für die Natur und Igel, Eule, Fledermaus und Co. kann man der Nachtabschaltung zur späten Stunde nur Gutes abgewinnen.

Wir bedanken uns bei unserem Veranstaltungspartner, der AWO Tann, für die Unterstützung.

NABU Gruppe Tann (Rhön), im Juni 2025