Zeit der Sommersonnwende und fast weißer Nächte
„Weiße Nächte“ lautet der Titel der berühmten Novelle von Fjodor Dostojewski. Damit spielt er darauf an, dass die romantische Handlung in Sommernächten spielt, die selbst um Mitternacht noch natürlich aufgehellt sind. Diese Phase der „weißen Nächte“ hat nun begonnen, auch wenn man in der südlicher gelegenen Rhön eher von der Mitternachtsdämmerung spricht.
Sommersonnenwende und Sonne in der Nacht
Schließlich erreicht unser Zentralgestirn, die Sonne, am 21. Juni den Höhepunkt ihrer Jahresbahn und markiert damit den Beginn des astronomischen Sommers. Das bedeutet gleichzeitig, dass die Sonne kaum noch hinter dem Horizont verschwindet und bis weit die ganze Nacht über ihr Licht in der Atmosphäre streut – bis weit in den Juli hinein. Dies wird als Mitternachtsdämmerung bezeichnet und richtig dunkel wird es also nicht. Doch verleiht dies dem Sternenhimmel in lauen Sommernächten einen wunderschönen Schimmer.

Der Sternenhimmel – Frühling und Sommer gleichzeitig am Himmel
Sterne sind nun erst sehr spät sichtbar, und beim Einbruch der Dunkelheit wird man feststellen, dass die Frühlingssternbilder bereits weit nach Westen gerückt sind und im Begriff sind, die Himmelsbühne bis zum nächsten Jahr zu verlassen. Im Osten hingegen betreten die Sommersternbilder Schwan, Adler und Leier, mit dem sehr hellen Hauptstern Wega, die Szene.

Arktur – ein Frühlingsgruß bis tief in den Herbst hinein
Doch bleibt uns die Sichtbarkeit von Arktur, dem hellsten Stern im Frühlingssternbild Bootes und einem der drei Sterne des bereits beschriebenen Frühlingsdreiecks, bis weit in den Oktober erhalten. Schließlich wird es ja nach und nach wieder früher dunkel. Da lohnt sich ein genauerer Blick, denn Arktur ist ein ganz besonderer Stern: er ist hellste Stern am nördlichen Firmament und nach Sirius, der zum südlichen Sternhimmel zählt, der zweithellste am Gesamthimmel. Kaum ein Stern ist so einfach zu finden wie Arktur: Alles was zu machen ist, ist die Deichsel des Großen Wagens, der nun südwestlich am Himmel zu finden ist, in Richtung Horizont zu verlängern. Obwohl seine Masse nur etwas mehr als die der Sonne beträgt, hat er deren 25fachen Durchmesser. Das heißt, er zeigt den Weg, den unsere Sonne an ihrem Lebensende gehen wird, wenn sie sich wie Arktur durch die Fusion von Helium zu einem Rosen Riesenstern entwickelt. Das ist der Grund, warum er orange leuchtet. Nur 36,7 Lichtjahre von der Sonne entfernt, hat er zudem eine sehr hohe Eigengeschwindigkeit. Dies hat zur Folge, dass er sich am Himmel um etwa einen Monddurchmesser in 850 Jahren bewegt. Zur nächsten Jahrtausendwende wird das Sternbild Bootes dann stark von seinem jetzigen Bild am Himmel abweichen.
Zwischen Frühling und Sommer ist ganz schön was los
Zwischen Arktur und Wega formieren sich Sterne zur Nördlichen Krone und zum Herkules, letzterer mit der wunderschönen Sternenansammlung namens M13. Was uns dort, 25 000 Lichtjahre entfernt, als nebliges Fleckchen erscheint, ist in Wirklichkeit eine Kugel mit 150 Lichtjahren Durchmesser, bestehend aus über 500 000 Sternen. Ein Blick durchs Fernglas lohnt – Aufsuchkarten aus dem Internet helfen dabei.

Entlang der Hinterkante des sog. Großen Wagens nach Norden finden wir den Polarstern und um ihn herum den Kleinen Wagen (bzw. Kleine Bärin), den Drachen und Kassiopeia – auch bekannt als Himmels-W – als auffälligste „Nordlichter“. Tief im Süden machen sich Skorpion und Schütze bereit für ihre beste Beobachtungszeit im Juli.
Tiefster Vollmond bis 2043 und was das mit Erdbeeren zu tun hat
Schon gleich zu Monatsbeginn am 01.06. zeigt sich der zunehmende Sichelmond malerisch am Westhimmel. Am 11. Juni ist Vollmond und er bleibt dann die ganze Nacht über sichtbar. Dabei wird auffallen, dass seine Bahn über den Himmel ungewöhnlich tief verläuft – fast so, als wolle er den Boden berühren. Und in der Tat ist es der tiefste Vollmond bis 2043. Damit macht der Juni-Vollmond, der ja neuerdings auch Erdbeer-Mond genannt wird, seinen Namen alle Ehre.
Von Jupiter müssen wir uns nun verabschieden, aber Mars gibt tapfer seine Abschiedsvorstellung. Noch ist er rückläufig im Sternbild Löwen zu sehen – immer in der Nähe von Regulus, dem Hauptstern des Löwen. Merkur zeigt sich ab Mitte Juni zwar tief im Westhimmel, aber er verbringt seine Zeit lieber im Sonnenlicht und ist schwer auszumachen. Dafür beherrscht die Venus mit ihrem Glanz den Morgenhimmel. Ihre Aufgangszeit verlagert sich von 3h36m am Monatsanfang auf 2h53m am Monatsende.
Nach der Sommersonnenwende ab dem 23. Juni können eine Woche lang Sternschnuppen gesehen werden, die rund um Arktur ihren Fluchtpunkt haben und auf den Komet 7P/Pons-Winnecke zurück zu führen sind.
Hinweis: Bitte daran denken, zum Schutz der wildlebenden Tiere Kunstlicht zu vermeiden bzw. rücksichtsvoll zu nutzen. Die Beobachtung des Sternenhimmels ist bereits an den Ortsrändern möglich – Schutzgebiete sind tabu.
S. Frank und Dr. F.P. Schmidt, Team Sternenpark Rhön mit Unterstützung der VdS Deutschland e.V. Infos zum Sternenpark Rhön: https://biosphaerenreservat-rhoen.de/sternenpark
Anfragen: info@sternenpark-rhoen.de

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