und Nachtfalter – ich denk an Dich
by Sa Urania
Eines meiner Lieblingszitate lautet: „Aus Tag und Nacht hat wohlbedacht, der Herr des Lebens (die Natur) die Welt gemacht. Die Dichtung ist Tag in klarer Pracht, Musik die Welten verkündende Nacht.“ Denn diese Zeilen von Franz Grillparzer fassen für mich die harmonische Einheit von Tag und Nacht und all ihren fasznierenden Phänomen wie Wetter, Wolken, Sonne, Helligkeit, Dämmerung, Dunkelheit, Regen- und Nebelbögen, Halos, Blitze, Mond und Sterne zusammen. Ich bin überzeugt davon, wenn die Menschen dies alles wieder besser wahrnehmen, steigt die Nähe zur Natur und ihrem Schutz. Die Nacht gehört Flora, Fauna und den Sternen und auch den Menschen, die sie ohnehin schon lieben und denen, die sie sie wieder für sich entdecken und sie sich zur Freundin und zum Freund machen.
Astronomische Führungen und mehr

2006 habe ich eigeninitiativ mit astronomischen Führungen begonnen. Für viele Teilnehmende sind diese Nachterlebnisse die erste bewusste Nachterfahrung und zugleich die erste Berührung mit dem Thema Lichtverschmutzung. Lichtverschmutzung gleicht sichtbar gewordenem Lärm: Sie irritiert und nervt, sobald man dafür sensibilisiert ist.Die Sternenführungen sind für viele Menschen die erste Nachterfahrung und Berührung mit dem Thema Lichtverschmutzung. Lichtverschmutzung ist wie Lärm, der sichtbar wird – irrierter und nervt – wenn man erstmal etwas sensibel ist. Die Nachtführungen sind deshalb auch ein unverzichtbarer Teil der Umweltbildung, denn Lichtverschmutzung ist ein maßgeblicher Treiber des Artensterbens: https://naturnacht-fulda-rhoen.de/ressourcen/sammlung-auswirkungen-von-kunstlicht-bei-nacht/

Im Flyer zum Downlaod finden Sie die Beschreibungen zu den Führungen. Ausgedruckt ist er zum Falten (wenn ich mal Zeit habe, mache ich es besser):
Anlässlich des Internationalen Jahres der Astronomie 2009 hat das Kommunique gegen Lichtverschmutzung der wissenschaftspolitischen Sprecher der CDU/CSI-Landtagssfrakionen auf die Bedeutung der Astronomie für die Entwicklung der Menscheit verwiesen und gleichzeitig auf den kulturellen Verlust, der durch das Verschwinden der Sichtbarkeit des Sternenhimmels durch Lichtverschmutzung. https://naturnacht-fulda-rhoen.de/wp-content/uploads/2026/02/cdu_lichtverschmutzungb.pdf
Wer wissen möchte, wie es zur Idee der Sternenführungen kam, kann die Geschichte dahinter, die gleichzeitig auch die des Sternenpark Rhön ist, ganz unten nachlesen.
Nachtfalter – ich denk an Dich

Frei ist nur, wer sich alleine in der natürlichen Nacht wohl fühlt! Sa
Wir sollten uns wieder mit der Dunkelheit anfreunden und es nicht ignorieren, dass die beleuchtete Dunkelheit auch unsere Gärten und Naturräume aufhellt. Wir sollten uns mit der Nacht wieder anfreunden. Und das nicht nur im Schlafzimmer zur eigenen Erholung. Natürliche Dunkelheit ist eine Notwendigkeit aller Lebewesen. Und nur wenn es dunkel ist, sieht man das faszinierendste aller Naturerlebnisse – der bestirnte Himmel mit Sternen, Mond, Planeten. Wir sollten einfach wieder einen prachtvollen Sternenhimmel vor der Haustür und in unseren Siedlungen haben wollen. Und ja, auch in der Stadt.
Start with darkness, stay with darkness and come back to darkness!
Ich habe dem wunderbaren Abschalten der öffentlichen Beleuchtung eine ganze Seite gewidmet: https://naturnacht-fulda-rhoen.de/ressourcen/nachtabschaltung-oeffentliche-beleuchtung/
Nachtfalter – wunderschön und unverzichtbar

Foto: Meine liebe Freundin Sabrina Gerhard – der sexy Ringelspanner
Spinner, Spanner und Schwärmer – darum geht es auch in unserem Projekt „Nachtfalter – ich denk an Dich“. Dies wunderschöne Aufnahme zeigt einen Ringelspinner – und ist von Sabrina G., die Wunderbare. Siehe unten! Was künstliches Licht für Insekten bedeutet, finden Sie ganz unten auf dieser Seite.
Webseiten zu Schmetterlingen oder sogar speziell zu Nachtfaltern gibt es viele. Diese Seite wird auf andere Seite verweisen, sich aber speziell um das Verständnis bemühen, dass Einsatz von künstlichem zu den dramatischsten menschengemachten Veränderungen für die dämmerungs- und nachtaktiven Falter und ihrer extremen Lichtempfindlichkeit bedeutet. Untersuchungen zu den Problemen mit Kunstlicht in der Nacht findet man gesammelt hier https://naturnacht-fulda-rhoen.de/ressourcen/sammlung-auswirkungen-von-kunstlicht-bei-nacht/ . Eine Auswertung unterschiedlicher Studien mit Empfehlungen hier https://www.biosphaerenreservat-rhoen.de/fileadmin/media/fotos/Sternenpark/NEUAuswertungLichtundInsekten.pdf
Neue Untersuchungen belegen, dass es keine technischen Möglichkeiten gibt, um Effekte von Lichtverschmutzungen auf Insekten zu verhindern. D.h. alle aktuellen Empfehlungen für eine verantwortungsvolle Außenbeleuchtung können ggf. abmindern, aber nur die Beseitigung von Kunstlicht in der Nacht ist „letztlich „insektenfreundlich“. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2214574524001184

Insekten und andere Tiere und das Problem mit nächtlichem Kunstlichteinsatz – eine Zusammenfassung
Eine kleine Zusammenfassung anlässlich der Studie des enckenberg Biodiversität- und Klima-Forschungszentrums Frankfurt und der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (2025)

Nadja und die Erfindung der Sternenführung
Seit meiner Kindheit liebe ich alles an der Dunkelheit und den Gestirnen, die man nur dann sieht. Ich liebe auch alles an der Astronomie und es gibt für mich nicht den Sternenhimmel, sondern viele unterschiedliche, die ich dank Betrachtung des Nachthimmels und intensiver Lektüre des Kosmos Himmelsjahr seit meiner Teenie-Zeit kennenlernen durfte. Zu einer Zeit, als es gar nicht so einfach war, an Wissen zu kommen. Ich mag die naturwissenschaftlichen Aspekte, die kulturellen und auch poetischen Annäherungen, die Geschichte der Astronomie und wie nur diese uns vom Aberglauben befreite und die Aufklärung ermöglichte. Ich mag den Mond und seine Phasen (am liebsten Halbmond), die professionelle Kosmologie und Hubble-Bilder genauso wie die Sagen und Legenden um die Sternbilder – insbesondere aber den Sternenhimmel an sich, den man mit bloßen Augen und einem Sehfeld von 130 Grad anschaut. Dabei denke ich an Pipi Langstrumpf: „Wie schön muss es erst im Himmel sein, wenn er von außen schon so schön aussieht?“
Nach einem 6jährigen Aufenthalt in einer britischen Großstadt, habe ich bei Rückkehr mein Hobby der visuellen Astronomie wieder aufgenommen – hier in der Rhön (schön!). Auf der Suche nach Gleichgesinnten, bin ich dabei nur auf Teleskopmenschen gestoßen, die mit teuren Geräten und Kameras tolle Aufnahmen für sich und zum Zeigen im Internet machen. Gleichzeitig fiel mir auf, dass viele Bekannte und Freunde so gar nichts vom Sternenhimmel wissen und die Dunkelheit als Mangel empfinden. Das merkte ich, wenn ich auf Gartenpartys z.B. Jupiter zeigte oder eine Geschichte zu einem Sternbild erzählte. Man wollte nicht glauben, dass man Jupiter mit bloßem Auge und ohne Teleskop sehen kann. Da wurde mir klar, wie entfremdet die Menschen vom ✨Himmel sind.
Ermutigt von meiner Freundin Nadja wollte ich dann ab 2005 eine laienhafte und explizit nicht-technisierte Sternenführung unter freien Himmel entwickeln, die alle Facetten einbezieht. Ich dachte, so etwas gäbe es schon und ich finde Inspiration im Internet. Dem war aber nicht so. Ich wurde immer nur an Sternwarten verwiesen – mit den großen Teleskopen. Da der Termin für die erste Sternenführung schon gemeinsam mit der Gemeinde koordiniert war, musste ich die Sternenführung notgedrungen selbt erfinden. Dabei habe ich mich daran orientiert, was meine völlig unkundige Mama interessiern würde. Nadja, Andrew und Matthias mussten die Probeführungen über sich ergehen lassen und wurden aufgefordert, alles zu hinterfragen und zu kritisieren, wovon sie reichlich Gebraucht machten. Im April 2006 war es dann soweit – völlig aufgeregt habe ich die öffentliche Sternenführung gemeinsam mit der Gemeinde Hofbieber durchgeführt. Der Nachthimmel war dabei ein Schätzchen und völlig klar.
Dennoch war es anfangs gar nicht so leicht, Menschen für so eine Führung zu interessieren. Eine Stadtführung kennt jeder, aber was ist eine Sternenführung? Anfangs wurde immer gefragt, ob ich ein Teleskop dabei hätte – nein – und was man denn ohne Teleskop überhaupt sieht. Oder was man macht, wenn es bewölkt ist (Astronomie ist mehr als Sterne gucken!). Und auf diese Weise habe ich meine Sternenführung stets weiterentwickelt und tue es immer noch und nach und nach hat sie sich etabliert.
Nach 3 Jahren ist mir dann aufgefallen, dass unser Sternenhimmel etwas verblasst. Das hat mich nicht in Ruhe gelassen. Und erstmals kam ich Kontakt mit dem Wort „Lichtverschmutzung“. Und ja, in der Nähe meiner Lieblingsstrecke ist ein Gewerbegebiet entstanden. War das viele Licht zunächst ärgerlich als astronomischer Sicht, lernte ich schnell, dass die künstlich beleuchtete Dunkelheit ein handfestes Umweltproblem ist. Das hat mich sehr aufgewühlt und ich wollte und konnte das nicht akzeptieren. Daher engagiere ich mich seit 2009 aktiv gegen Lichtverschmutzung und initiierte den Sternenpark Rhön, dessen Beauftragte ich nun seit 10 Jahren bin. Die Sternenführung ist deshalb die Keimzelle des Sternenpark Rhön. Obwohl ich über die Astronomie zum Thema Lichtverschmutzung gefunden habe, schlägt mein mein Herz neben dem Erhalt unseres Kulturgut Sternenhimmel noch viel mehr für den Schutz der Nacht – für Igel, Eule, Fledermaus und und der Vielzahl der Insekten.

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