und Nachtfalter – ich denk an Dich
by Sa Urania
Eines meiner Lieblingszitate lautet: „Aus Tag und Nacht hat wohlbedacht, der Herr des Lebens (die Natur) die Welt gemacht. Die Dichtung ist Tag in klarer Pracht, Musik die Welten verkündende Nacht.“ Denn diese Zeilen von Franz Grillparzer fassen für mich die harmonische Einheit von Tag und Nacht und all ihren fasznierenden Phänomen wie Wetter, Wolken, Sonne, Helligkeit, Dämmerung, Dunkelheit, Regen- und Nebelbögen, Halos, Blitze, Mond und Sterne zusammen. Ich bin überzeugt davon, wenn die Menschen dies alles wieder besser wahrnehmen, steigt die Nähe zur Natur und ihrem Schutz. Die Nacht gehört den Tieren, den Sternen und auch den Menschen, wenn sie sie wieder für sich entdecken und sich die happy darkness zum Freund/in macht. Ist so!
Seit meiner Kindheit liebe ich alles an der Dunkelheit und den Gestirnen, die man nur dann sieht. Ich liebe auch alles an der Astronomie und es gibt für mich nicht den Sternenhimmel, sondern viele unterschiedliche, die ich dank Betrachtung des Nachthimmels und intensiver Lektüre des Kosmos Himmelsjahr seit meiner Teenie-Zeit kennenlernen durfte. Zu einer Zeit, als es gar nicht so einfach war, an Wissen zu kommen. Ich mag die naturwissenschaftlichen Aspekte, die kulturellen und auch poetischen Annäherungen, die Geschichte der Astronomie und wie nur diese uns vom Aberglauben befreite und die Aufklärung ermöglichte. Ich mag den Mond und seine Phasen (am liebsten Halbmond), die professionelle Kosmologie und Hubble-Bilder genauso wie die Sagen und Legenden um die Sternbilder – insbesondere aber den Sternenhimmel an sich, den man mit bloßen Augen und einem Sehfeld von 130 Grad anschaut. Dabei denke ich an Pipi Langstrumpf: „Wie schön muss es erst im Himmel sein, wenn er von außen schon so schön aussieht?“
Nach einem 6jährigen Aufenthalt in einer britischen Großstadt, habe ich bei Rückkehr mein Hobby der visuellen Astronomie wieder aufgenommen – hier in der Rhön (schön!). Auf der Suche nach Gleichgesinnten, bin ich dabei nur auf Teleskopmenschen gestoßen, die mit teuren Geräten und Kameras tolle Aufnahmen für sich und zum Zeigen im Internet machen. Gleichzeitig fiel mir auf, dass viele Bekannte und Freunde so gar nichts vom Sternenhimmel wissen und die Dunkelheit als Mangel empfinden. Das merkte ich, wenn ich auf Gartenpartys z.B. Jupiter zeigte oder eine Geschichte zu einem Sternbild erzählte. Man wollte nicht glauben, dass man Jupiter mit bloßem Auge und ohne Teleskop sehen kann. Da wurde mir klar, wie entfremdet die Menschen vom ✨Himmel sind.
Ermutigt von meiner Freundin Nadja wollte ich dann ab 2005 eine laienhafte und explizit nicht-technisierte Sternenführung unter freien Himmel entwickeln, die alle Facetten einbezieht. Ich dachte, so etwas gäbe es schon und ich finde Inspiration im Internet. Dem war aber nicht so. Ich wurde immer nur an Sternwarten verwiesen – mit den großen Teleskopen. Da der Termin für die erste Sternenführung schon gemeinsam mit der Gemeinde koordiniert war, musste ich die Sternenführung notgedrungen selbt erfinden. Dabei habe ich mich daran orientiert, was meine völlig unkundige Mama interessiern würde. Nadja, Andrew und Matthias mussten die Probeführungen über sich ergehen lassen und wurden aufgefordert, alles zu hinterfragen und zu kritisieren, wovon sie reichlich Gebraucht machten. Im April 2006 war es dann soweit – völlig aufgeregt habe ich die öffentliche Sternenführung gemeinsam mit der Gemeinde Hofbieber durchgeführt. Der Nachthimmel war dabei ein Schätzchen und völlig klar.
Dennoch war es anfangs gar nicht so leicht, Menschen für so eine Führung zu interessieren. Eine Stadtführung kennt jeder, aber was ist eine Sternenführung? Anfangs wurde immer gefragt, ob ich ein Teleskop dabei hätte – nein – und was man denn ohne Teleskop überhaupt sieht. Oder was man macht, wenn es bewölkt ist (Astronomie ist mehr als Sterne gucken!). Und auf diese Weise habe ich meine Sternenführung stets weiterentwickelt und tue es immer noch und nach und nach hat sie sich etabliert.
Nach 3 Jahren ist mir dann aufgefallen, dass unser Sternenhimmel etwas verblasst. Das hat mich nicht in Ruhe gelassen. Und erstmals kam ich Kontakt mit dem Wort „Lichtverschmutzung“. Und ja, in der Nähe meiner Lieblingsstrecke ist ein Gewerbegebiet entstanden. War das viele Licht zunächst ärgerlich als astronomischer Sicht, lernte ich schnell, dass die künstlich beleuchtete Dunkelheit ein handfestes Umweltproblem ist. Das hat mich sehr aufgewühlt und ich wollte und konnte das nicht akzeptieren. Daher engagiere ich mich seit 2009 aktiv gegen Lichtverschmutzung und initiierte den Sternenpark Rhön, dessen Beauftragte ich nun bin.
Seither schlägt mein Herz für den Schutz der Nacht – für Igel, Eule, Fledermaus und für den Erhalt unseres Kulturgut Sternenhimmel,
Sterne, in des Himmels Ferne – Lichtverschmutzung lässt eure Sichtbarkeit verblassen. Den Menschen den Sternenhimmel ohne viel Technik wieder näher zu bringen und sie erkennen zu lassen, dass die Dunkelheit wichtig für Mensch und Tier ist – das ist die Vision.

Frei ist nur, wer sich alleine in der natürlichen Nacht unterm Sternenhimmel wohl fühlt! Sa
Lichtverschmutzung ist wie Lärm, der sichtbar wird – es kann wirklich nerven und irrtieren. Wir sollten uns wieder mit der Dunkelheit anfreunden und es nicht ignorieren, dass die beleuchtete Dunkelheit auch unsere Gärten und Naturräume aufhellt. Wir sollten uns mit der Nacht wieder anfreunden. Und das nicht nur im Schlafzimmer zur eigenen Erholung. Natürliche Dunkelheit ist eine Notwendigkeit aller Lebewesen. Und nur wenn es dunkel ist, sieht man das faszinierendste aller Naturerlebnisse – der bestirnte Himmel mit Sternen, Mond, Planeten. Wir sollten einfach wieder einen prachtvollen Sternenhimmel vor der Haustür und in unseren Siedlungen haben wollen. Und ja, auch in der Stadt.
Start with darkness, stay with darkness and come back to darkness!
Doch, die Menschen haben sich von der Dunkelheit mit ihrem Sternenhimmel entfremdet – durch das allgegenwärtige nächtliches Kunstlicht in den Straßen und auch durch die Sommerzeit, die bei angenehmenden Termperaturen im Sommer durch die sehr spät einsetzende Dunkelheit keine Sternenblicke zulässt. Im Winter herrscht oft ungemütliches Wetter – und man ist lieber schnell hinter der Tür. Zudem haben sich viele falsche Annahmen rund um die Nacht – die natürlicherweise eher eine Schwachlichtumgebung ist – verfestigt. So wird die Dunkelheit immer noch als Mangel stigmatisiert, obwohl es nachweislich keinen Zusammenhang zwischen Dunkelheit und Unziviliziertheit gibt, die Taschenlampe eine tolle Erfindung ist und viele Kommunen gute Erfahrungen mit Abschaltungen machen. Auch die in den letzten Jahren gestiegene Krimifizierung der Gesellchaft durch die Medien Spektrum der Wissenschaft – Immer mehr Morde in Filmen trägt zu einem falschen Verständnis bei. Zu beobachten ist oft, dass die Tatzeit zwar im Tag war, aber als „Symbolbild“ in der Berichterstattung die (beleuchtete) Dunkelheit geframed wird. Dabei verhindert Licht – weder am Tag noch in der Nacht – keine Vorfälle, sondern kann sie begünstigen. Ohne Kunstlicht kehrt Ruhe ein.
Ich habe dem wunderbaren Abschalten eine ganze Seite gewidmet: https://naturnacht-fulda-rhoen.de/ressourcen/nachtabschaltung-oeffentliche-beleuchtung/
Die Dunkelheit erleben und sich in sie verlieben
Mit den Menschen in die Nacht zu gehen, ganz ohne Kunstlicht, ist eine wunderbare Art der Umweltbildung. Man wird feststellen, wie gut unsere Augen sehen können und unterschiedlich dunkel die Nächte sind. Mal leuchtet der Vollmond hell und stark. Man erkennt sogar Farben. Aber auch schon der Halbmond wirft einen Schatten des eigenen Körpers. Überrascht wird man feststellen, dass sogar das Licht der Milchstraße beim Sehen hilft. Und alle nehmen war, dass man keine Furcht verspürt- wenn man in der Gruppe unterwegs ist. Und allen Menschen wird klar, dass nicht die Dunkelheit für einige Menschen das Problem ist, sondern alleine zu sein an unbelebten Orten zu unbelebten Zeiten. Mit dem Wissen haben schon viele Menschen ihre (unbegründete) Furcht überwunden.

Spinner, Spanner und Schwärmer – darum geht es auch in unserem Projekt „Nachtfalter – ich denk an Dich“. Dies wunderschöne Aufnahme zeigt einen Ringelspinner – und ist von Sabrina G., die Wunderbare. Siehe unten! Was künstliches Licht für Insekten bedeutet, finden Sie ganz unten auf dieser Seite.
Das Erkennen der Schönheit der Nacht und das Bewusstsein dafür zu fördern, dass Dunkelheit wunderschön und begehrenswert ist, ist notwendig, um Maßnahmen zur Reduzierung von Lichtimmissionen zu aktzeptieren und zu unterstützen. Damit wird auch ein respektvollere Umgang mit der Natur gefördert.
Durch einen ganzheitlichen Ansatz kann erreicht werden, die Nacht in ihrer ganzen Schönheit zu schätzen, ihre Bedeutung für die Natur zu verstehen und Verantwortung für den Schutz unserer Umwelt zu übernehmen. Dies umfasst u.a.
1. Die Schönheit der Nacht erfahrbar machen
- Naturerfahrung: Teilnahme an nächtlichen Exkursionen, bei denen die Menschen die Sterne beobachten, den Mond verfolgen oder die Geräusche der Nacht hören können. Solche Erfahrungen sensibilisieren für die Schönheit und den Wert der Dunkelheit.
- Kreative Zugänge: Die künstlerische Auseinandersetzung mit der Nacht, z. B. durch Geschichten aus der Mythologie zu den Sternbildern, Gedichte, Malerien oder Fotografien, die die Atmosphäre der Dunkelheit einfangen, fördern die Verbindung zur Dunkelheit.
Hier ein Beispiel für (astronomische) Nachterlebnisse – im Sternenpark Rhön:
2. Die ökologische Notwendigkeit der Dunkelheit aufzeigen und Verantwortung für Lichtverschmutzung übernehmen
- Lebensräume schützen: Im Zusammenhang mit Dunkelheit die Bedeutung natürlicher Beleuchtungsstärken (Mondnächte, Neumondnächte, Milchstraße) lernen und warum diese für wildlebender Tiere unverzichtbar ist. Tiere wie Fledermäuse, Eulen, nachtaktive Insekten aber auch nachts ruhende Tiere wie Vögel und Eichhörnchen sowie Pflanzen benötigen die natürlichen Tag-Nacht-Wechsel inkl. der Dunkelheit, um ihre natürlichen Lebens- und Überlebensbedingungen zu sichern.
- Ursachen und Folgen der Lichtverschmutzung: Erklären, was Lichtverschmutzung bzw. der Verlust der Dunkelheit ist, warum sie entsteht und welche Folgen sie hat – für die Umwelt und den Menschen.
- Konkrete Maßnahmen: Einfache Lösungen besprechen wie die Vermeidung von Kunstlicht rund ums Haus, gezielte Beleuchtung in warmen Farben und geringen Lichtströmen und das Abschalten unnötiger Lichtquellen. Sich rechtlich und technisch informieren und einsetzen.
3. Unbegründete Ängste überwinden:
- Wissen statt Mythen: Das Besprechen historischer und kulturelle Mythen, die die Dunkelheit oft als bedrohlich darstellen, und wie moderne Erkenntnisse viele Ängste entkräften.
- Persönliche Reflexion: Ermutigen, die eigene Ängste vor der Dunkelheit zu hinterfragen und sich selbst mutig neuen Erfahrungen zu stellen.
Nachtfalter – ich denk an Dich
Diese Seite widmet sich aber gleichzeitig oder besser sogar im Zusammenhang mit der Dunkelheit den unbekannten Schönheiten der Nacht und ihren speziellen Nöten mit künstlicher nächtlicher Beleuchtung!
Webseiten zu Schmetterlingen oder sogar speziell zu Nachtfaltern gibt es viele. Diese Seite wird auf andere Seite verweisen, sich aber speziell um das Verständnis bemühen, dass Einsatz von künstlichem zu den dramatischsten menschengemachten Veränderungen für die dämmerungs- und nachtaktiven Falter und ihrer extremen Lichtempfindlichkeit bedeutet. Untersuchungen zu den Problemen mit Kunstlicht in der Nacht findet man gesammelt hier https://naturnacht-fulda-rhoen.de/ressourcen/sammlung-auswirkungen-von-kunstlicht-bei-nacht/ . Eine Auswertung unterschiedlicher Studien mit Empfehlungen hier https://www.biosphaerenreservat-rhoen.de/fileadmin/media/fotos/Sternenpark/NEUAuswertungLichtundInsekten.pdf
Neue Untersuchungen belegen, dass es keine technischen Möglichkeiten gibt, um Effekte von Lichtverschmutzungen auf Insekten zu verhindern. D.h. alle aktuellen Empfehlungen für eine verantwortungsvolle Außenbeleuchtung können ggf. abmindern, aber nur die Beseitigung von Kunstlicht in der Nacht ist „letztlich „insektenfreundlich“. https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2214574524001184

Insekten und andere Tiere und das Problem mit nächtlichem Kunstlichteinsatz – eine Zusammenfassung
Eine kleine Zusammenfassung anlässlich der Studie des enckenberg Biodiversität- und Klima-Forschungszentrums Frankfurt und der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (2025)
Zahlreiche wissenschaftliche Arbeiten, insbesondere eine Sammlung von Studien, die in der Fachzeitschrift Philosophical Transactions of the Royal Society B (2022)[1] veröffentlicht wurden, belegen die gravierenden Auswirkungen von künstlichem Licht auf das Verhalten, die Fortpflanzung und die Lebenszyklen nachtaktiver Insekten. Es konnte gezeigt werden, dass bereits geringste Lichtemissionen tiefgreifende Auswirkungen auf ganze Artengemeinschaften und Ökosysteme haben.
Lichtverschmutzung führt zu einer Verschiebung von natürlichen Aktivitätszeiten, was nicht nur die Fortpflanzung von Nachtfaltern stört, sondern auch die Nahrungsketten und Bestäubungsprozesse erheblich beeinträchtigt. Eine Studie im iDiv-EcoTron[2] zeigte, dass selbst Lichtintensitäten, die unter denen eines Vollmondes liegen, signifikante Veränderungen im Verhalten und in den physiologischen Reaktionen von Insekten auslösen. Besonders betroffen sind nachtaktive Insekten wie Nachtfalter, deren Winterruhe durch Kunstlicht stark beeinträchtigt wird. Dies führt dazu, dass die Tiere ihre Überwinterung nicht rechtzeitig einleiten und daher den Winter über ohne ausreichende Anpassung überstehen müssen, was zu einem erhöhten Mortalitätsrisiko führt.
Darüber hinaus belegen aktuelle Forschungen, dass Lichtverschmutzung das Schlafverhalten von anderen Insektengruppen, wie z.B. Bienen, stört. Bienen können durch künstliches Licht ihre Fähigkeit zur effektiven Bestäubung verlieren, was nicht nur die Bestäubungsleistung, sondern auch landwirtschaftliche Erträge gefährdet.
In städtischen Gebieten können Vögel wie Amseln ihre Fortpflanzungszeiten verschieben, wodurch sie vor Nahrungsmangel stehen, Haussperlinge erkranken häufiger, ihr Schlaf wird beeinträchtigt und Zugvögel sind durch künstliches Licht desorientiert und kollidieren vermehrt mit Gebäuden. Amphibien wie Frösche und Kröten reagieren besonders empfindlich auf künstliches Licht, da sie überwiegend nachtaktiv sind. Das Kunstlicht stört ihre Jagdgewohnheiten und Fortpflanzung, da sie ihre Aktivitäten zunehmend auf beleuchtete Stellen konzentrieren, was die Nahrungsverfügbarkeit reduziert und das Risiko von Prädation erhöht. In einigen Fällen kann dies sogar zu einem völligen Ausbleiben der Fortpflanzung führen.
Säugetiere wie Igel, die sich ebenfalls in weniger beleuchteten Gebieten aufhalten, um Gefahren zu entgehen, sind ebenso betroffen. Durch zunehmende Lichtverschmutzung – insbesondere auch in Privatgärten – sinken ihre Reproduktionsraten und die Populationsdichte geht zurück. Fledermäuse, die auf die nächtliche Jagd nach Insekten angewiesen sind, werden ebenfalls durch Kunstlicht beeinträchtigt. Bereits geringe Lichtquellen verändern ihre Flugaktivität und ihr Jagdverhalten, was ihre Fähigkeit zur Nahrungsaufnahme und Fortpflanzung beeinträchtigt und somit ihr Überleben gefährdet.
Eine aktuelle Studie (2025)[3] des Senckenberg Biodiversität und Klima Forschungszentrums Frankfurt und der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz belegt die dramatischen Auswirkungen künstlicher nächtlicher Beleuchtung auf Insekten. Die Forscher untersuchten die Zuckmücken-Art Chironomus riparius und stellten fest, dass Lichtverschmutzung tiefgreifende Veränderungen in Expression von 1564 Genen der Larven verursacht. Die Folgen sind besorgniserregend: verzögerte Entwicklung, erhöhter oxidativer Stress und eine drastisch reduzierte Fortpflanzungsfähigkeit.
In der Fachzeitschrift „Environmental Pollution“ wird daher vor weitreichenden ökologischen Konsequenzen gewarnt, verbunden mit der Forderung zur Reduzierung von Lichtverschmutzung, um die Biodiversität und die Stabilität der Ökosysteme zu schützen.
Die Erhöhung des oxidativen Stresses führt außerdem zu einer veränderten Entwicklung der Larven, einer verlängerten Entwicklungszeit und vor allem zu einer drastisch reduzierten Fortpflanzungsfähigkeit. Die Auswirkung auf die Fortpflanzungsfähigkeit wird in der Studie als besonders besorgniserregend gewertet. Die Populationswachstumsrate sank in den durchgeführten Experimenten unter dem Einfluss von nächtlicher Beleuchtung erheblich, was wiederum zu einem deutlichen Rückgang der Populationsgröße führen und somit das gesamte Ökosystem beeinflussen kann.
Angesichts der zentralen Rolle von Insekten in Nahrungsnetzen haben die Auswirkungen von künstlichem Licht in der Nacht das Potenzial Kaskadeneffekte im gesamten Ökosystem auslösen.
Insgesamt zeigen die umfangreichen wissenschaftlichen Erkenntnisse, dass die Lichtverschmutzung nicht nur die natürlichen Rhythmen vieler Arten stört, sondern auch das Überleben und die Fortpflanzung von Tieren und Pflanzen gefährdet. Es besteht dringender Handlungsbedarf, die Lichtverschmutzung als wesentlichen Faktor für das Artensterben zu erkennen und wirksame Maßnahmen zu ergreifen, wie es zahlreiche natur- und immissionsschutzrechtliche Bestimmungen bereits vorsehen.
Wie ist die Rechtslage?
Nach dem hessischen Straßengesetz (HStrG) ergibt sich keine generelle Beleuchtungspflicht für Kommunen, jedoch die Berücksichtigung von Umweltbelangen. Einzig für Fußgängerüberwege ist gem. § 26, Rn. VwVStVO eine Beleuchtung vorgeschrieben. Darüber hinaus sind es die Verkehrsteilnehmer, die zur Nutzung der vorgeschriebenen Beleuchtungsanlagen sowie zur gegenseitigen Rücksicht und sorgsamer Anpassung an die sich darbietenden Wege- Sicht und Wetterverhältnisse sind. Zur Sorgsamspflicht zählt auch das Mitführen einer Taschenlampe.
Gem. den Bestimmungen des Bundesimmissionsschutzgesetzes (BImSchG) zählt Licht zu den schädlichen Umwelteinwirkungen. § 22 Abs. 1 Nr. 1 BImSchG verpflichtet den Betreiber nicht-genehmigungsbedürftiger Anlagen, schädliche Umwelteinwirkungen nach dem Stand der Technik zu vermeiden, etwa durch Alternativen zu ortsfester Beleuchtung (Markierungen, Reflektoren) und Lichtlenkung und Lichtstromsteuerung (Intensität) und geringer Lichtpunkthöhe und Wahl eines Leuchtmittels mit einem wirkungsarmen Spektrum (geringer schädlicher Blauanteil im Licht, entsprechend Farbtemperatur von max. 2200 Kelvin). Zum Schutz von Anwohnern gelten die Grenzwerte der Lichtimmissionsrichtlinie.
Darüber hinaus bestimmt das Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) in § 13 das Vermeidungsgebot von Beeinträchtigungen der Natur. Nach § 39 Abs. 1 Nr. 3 BNatSchG sind Beeinträchtigung von Lebensstätten wildlebender Tiere und Pflanzen ohne vernünftigen Grund und nach § 44 BNatSchG die Schädigung besonders geschützter Arten, zu denen alle europäischen Vogelarten gehören, verboten. Gemäß der Novelle des Bundesnaturschutzgesetzes (BNatschG) von 2021 sollen Lichtemissionen reduziert werden, um Insekten besser zu schützen und in Kraft ist bereits das Verbot von Beleuchtung in Schutzgebieten. Das im Jahr 2023 neu gefasste Hess. Naturschutzgesetz (HeNatG) betont den Schutz lichtempfindlicher Tier- und Pflanzenarten sowie Insekten in den § 4 (Zielbestimmung Vermeidung) und § 35 und ermächtigt Gemeinden, diesbezüglich Satzungen zu erlassen (§ 35 Abs. 7 HeNatG). Weiterhin sind Gemeinden gemäß § 7 HeNatG bei der Umsetzung der Ziele des Naturschutzes und der Landschaftspflege in einer Vorbildfunktion.
Redaktion: Dr. M. Kuprian, S. Frank; Hessisches Netzwerk gegen Lichtverschmutzung
Kontakt: http://www.lichtverschmutzung-hessen.de März 2025
[1] https://royalsocietypublishing.org/doi/10.1098/rstb.2022.0351
[2] https://www.uni-jena.de/231030-licht-oekosysteme
[3] Studie des Senckenberg Biodiversität- und Klima-Forschungszentrums Frankfurt und der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (2025), Linda Eberhardt, Halina Binde Doria, Burak Bulut, Barbara Feldmeyer, Markus Pfenninger: https://doi.org/10.1016/j.envpol.2025.125827und Transcriptomics predicts artificial light at night’s (ALAN) negative fitness effects and altered gene expression patterns in the midge Chironomus riparius (Diptera:Chironomidae) – ScienceDirect, veröffentlicht hier: https://royalsocietypublishing.org/toc/rstb/2023/378/1892 Pressemitteilung des Senckenberg-Zentrums: Die dunkle Seite des Lichts: Beleuchtung in der Nacht bedroht Insekten | Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung
(https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0269749125002003)
Abstract: The emission of artificial light at night (ALAN) is rapidly increasing worldwide. Yet, evidence for its detrimental effects on various species is accumulating. While the effects of ALAN on phenotypic traits have been widely investigated, effects on the molecular level are less well understood. Here we aimed to integrate the effects of ALAN at the transcriptomic and the phenotypic level. We tested these effects on Chironomus riparius, a multivoltine, holometabolous midge with high ecological relevance for which genomic resources are available. We performed life-cycle experiments in which we exposed midges to constant light and control conditions for one generation. We observed reduced fertility under ALAN from which we predicted the population size to decline to 1% after 200 days. The transcriptomic analysis revealed expression changes of genes related to circadian rhythmicity, moulting, catabolism and oxidative stress. From the transcriptomic analysis we hypothesised that under ALAN, oxidative stress is increased, and that moulting begins earlier. We were able to confirm both hypotheses in two posthoc experiments, showing that transcriptomics can be a powerful tool for predicting effects on higher level phenotypic traits.
Keywords: Chironomidae; Development; Transcriptomics; Artificial light at night; Oxidative stress
Frei ist nur, wer sich in der natürlich dunklen Nacht wohl fühlt.

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