Sammlung Auswirkungen von Kunstlicht bei Nacht

Das Wort Biodiversität wurde in der Konferenz der Vereinten Nationen
für Umwelt und Entwicklung 1992 in Rio de Janeiro näher definiert (Bio-
diversitätskonvention) und bedeutet: Vielfalt an Verhaltensweisen von Tieren, Vielfalt der Arten, Genetische Vielfalt innerhalb der einzelnen Arten, Vielfalt an Lebensräumen (Biotopen) und Ökosystemen

Biologische Vielfalt als Menschheitsfrage:

Diese Seite präsentiert unterschiedliche Untersuchungsergebnisse sowie Meldungen und Berichterstattung zu den Auswirkungen. Es sind jeweils Kernaussagen in Form von Zitaten aus den Quellen im Fließtext aufgeführt. Diese Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wird fortgeschrieben.

  1. Allgemein zu den Veränderungen der natürlichen Beleuchtungsstärken durch den Kunstlichteinsatz bei Nacht (ALAN – artificial light at night)
  2. Schneeglühen und belaubte Bäume im Winter
  3. Forderungen an Kunstlichteinsatz in Zusammenhang mit Forschungsergebnissen
  4. Säugetiere
  5. Insekten
  6. Vögel
  7. Fische / Amphibien / Insekten unter Wasser
  8. Weiteres: Bäume, Pflanzen, Böden
  9. MENSCHEN (kleine Auswahl; u.a. zur Augengesundheit)
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Stand Februar 2025

Allgemein zu den Veränderungen der natürlichen Beleuchtungsstärken durch den Kunstlichteinsatz bei Nacht (ALAN – artificial light at night)

„Lebewesen haben sich im Laufe der Evolution an viele Veränderungen in der unbelebten Umwelt, wie beispielsweise Schwankungen im Sauerstoff- und CO2 – Gehalt der Atmosphäre, angepasst. Nur eines hat sich seit der Entstehung der Erde nicht wesentlich verändert: Die Rhythmik von Sonnenauf- und Sonnenuntergang. Zwar unterliegt die Länge und Intensität des Tageslichts außerhalb der Äquatorregion saisonalen Schwankungen, aber diese kehren periodisch wieder und sind somit vorhersagbar. Seit Menschen begonnen haben, künstliches Licht zu verwenden, erfahren viele Lebensräume, sowohl an Land als auch in den Küstengewässern, jedoch starke Veränderungen hinsichtlich der Intensität, der spektralen Zusammensetzung und der zeitlichen Verfügbarkeit von Licht. Artificial Lighting at Night (ALAN) bzw. das Fehlen natürlicher Dunkelheit wurde daher bereits als ein globales Umweltproblem erkannt, das biologische Systeme von der Zelle bis zur Lebensgemeinschaft beeinflussen kann.“ Dr. Mark Lenz, GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung. Forschungsergebniss weisen schon länger darauf hin, dass alle an Land lebenden Tierarten durch Lichtimmissionen beeinträchtigt werden, teils massiv und auch fatal.

Grafik: Die vielen Auswirkungen von künstlichem Licht bei Nacht. Grafik: TAB-Bericht Dt. Bundestag https://www.tab-beim-bundestag.de/projekte_lichtverschmutzung-ausmass-gesellschaftliche-und-okologische-auswirkungen-sowie-handlungsansatze.php#Anker2

Forschungsergebniss weisen schon länger darauf hin, dass alle an Land lebenden Tierarten durch Lichtimmissionen beeinträchtigt werden. Aber auch Tiere in Gewässer müssen nachteilige Auswirkungen ertragen. Die Auswirkungen reichen vom Verlust von Lebensräumen und Veränderungen von Lebensweisen, wie erhöhte oder reduzierte Aktivität und Nahrungssuche, teils mit fatalen Folgen. Körperliche Folgen sind u.a. akuter Stresshormone und reduziertes Melatonin.

Zusammenfassung von aktuellen wissenschaftlichen Publikationen von John Barentine, siehe auch umfangreiche Literatur-Datenbank https://www.zotero.org/groups/2913367/alan_db/library

Dark Sky International: Artificial Light at Night –
State of the Science 2025 https://darksky.org/app/uploads/2025/06/ALAN-State-of-the-Science-2025-EN-2.pdf

Klimawandel und künstliche nächtliche Beleuchtung (2025) Neue Forschungsergebnisse (2025) zeigen erstmals das volle Ausmaß, in dem künstliches Licht in der Nacht (Artificial Light At Night, ALAN) die Kohlenstofffreisetzung von Pflanzen und Tieren auf allen Kontinenten erhöht – ohne dass die von ihnen absorbierte Kohlenstoffmenge steigt. Das Ergebnis ist eine verringerte Kohlenstoffspeicherung in Ökosystemen – was erhebliche Auswirkungen auf Klimamodelle und globale Kohlenstoffbilanzen hat. Die Forschenden fordern, dass Klimamodelle Lichtverschmutzung berücksichtigen. https://www.nature.com/articles/s41558-025-02481-0 und Berichterstattung https://phys.org/news/2025-11-pollution-silent-threat-planet-easily.html

Grundsätzlich – Kunstlicht verstellt die innere Uhr:

Zitat aus: Im falschen Licht: Wenn für Fische die Nacht zum Tag wird | IGB (igb-berlin.de)

„Durch atmosphärische Partikel wird das künstliche Licht der Städte gestreut und erreicht auch entfernte Gebiete. So können selbst abgelegene Gegenden ohne starke künstliche Beleuchtung durch Lichtverschmutzung beeinflusst werden. Der Nachthimmel ist dadurch vielerorts heller als in einer natürlichen Vollmondnacht. Die zunehmend helleren Nächte stören nicht nur astronomische Beobachtungen, auch für Flora und Fauna wird die künstliche Nachtbeleuchtung zum Problem. Bekannt sind negative Auswirkungen auf Insekten, Reptilien, Vögel und Säugetiere sowie den Menschen. Bei Tieren beeinflussen der Tag-Nacht-Rhythmus und saisonale Veränderungen der Tageslichtlänge viele natürliche Verhaltensmuster wie zum Beispiel Futtersuche, Balz und Paarung, Migration oder Winterschlaf. Fehlt eine Phase der natürlichen Dunkelheit oder wird ihre Dauer durch künstliches Licht verändert, können all diese tages- oder jahresperiodisch gesteuerten Vorgänge beeinträchtigt werden. Künstliches Licht verwischt die Grenze zwischen Tag und Nacht und greift so in physiologische Funktionen und das Verhalten der Tiere ein.“

„Lichtverschmutzung ist wahrscheinlich eine Hauptursache des globalen Artensterbens„, sagt Chronobiologin Dr. Stefanie Monecke: Internationaler Tag des Lichts: Schattenseiten des Lichts – Forschung & Lehre

Schneeglühen und belaubte Bäume im Winter

Wie zu viel Licht die biologische Vielfalt verändert: Eine gute Übersicht über die Auswirkungen von Kunstlicht in der Nacht, das in der kalten Jahreszeit besonders zunimmt, bietet diese PM der IGB Berlin: https://www.igb-berlin.de/news/schneegluehen-und-belaubte-baeume-im-winter

Bericht des Bundes zur Lichtverschmutzung:

„Schwellenwerte, ab denen verändertes Verhalten und Funktionsänderungen im Einzelorganismus ausgelöst werden: Der Überblick der in der Studie aufgelisteten wirksamen Schwellenwerte lässt vermuten, dass für viele Organismen die Intensität einer Vollmondnacht von 0,3 lx einen Schwellenwert für verändertes Verhalten und Hormonausschüttung darstellen könnte. Es konnten sogar bei noch geringeren Beleuchtungsstärken Reaktionen der Organismen nachgewiesen werden.“

Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere: Lichtverschmutzung und ihre fatalen Folgen für Tiere – Kompaktlexikon der Biologie (spektrum.de)

A meta-analysis of biological impacts of artificial light at night“, Nature Ecology & Evolution (2020) DOI:10.1038/s41559-020-01322-x “Die Auswirkungen wurden überall gefunden – bei Mikroben, Wirbellosen, Tieren und Pflanzen. Wir müssen anfangen, über Beleuchtung so nachzudenken, wie wir über andere große Systembelastungen wie den Klimawandel denken.”

“Die Auswirkungen wurden überall gefunden – bei Mikroben, Wirbellosen, Tieren und Pflanzen. Wir müssen anfangen, über Beleuchtung so nachzudenken, wie wir über andere große Systembelastungen wie den Klimawandel denken.”

A meta-analysis of biological impacts of artificial light at night“, Nature Ecology & Evolution (2020): DOI:10.1038/s41559-020-01322-

„Lichtverschmutzung ist wahrscheinlich eine Hauptursache des globalen Artensterbens„, sagt Chronobiologin Dr. Stefanie Monecke: Internationaler Tag des Lichts: Schattenseiten des Lichts – Forschung & Lehre und https://www.rnd.de/wissen/artensterben-wie-stark-leiden-tiere-unter-lichtverschmutzung-EF6V5W2GB52IPM2C32DWKVK2R4.html

„Bereits wenig künstliches Licht gefährdet Ökosysteme“ https://www.uni-jena.de/231030-licht-oekosysteme  und https://idw-online.de/de/news823065 sowie hierzu Volume 378 Issue 1892 der Royal Society 2023 https://royalsocietypublishing.org/toc/rstb/2023/378/1892  (Einzelstudien in Ausgabe ). Lichtverschmutzung führt zu einer Verschiebung von natürlichen Aktivitätszeiten, was nicht nur die Fortpflanzung von Nachtfaltern stört, sondern auch die Nahrungsketten und Bestäubungsprozesse erheblich beeinträchtigt.“ Eine Studie im iDiv-EcoTron zeigte, dass selbst Lichtintensitäten, die unter denen eines Vollmondes liegen, signifikante Veränderungen im Verhalten und in den physiologischen Reaktionen von Insekten auslösen. Besonders betroffen sind nachtaktive Insek­ten wie Nachtfalter, deren Winterruhe durch Kunstlicht verhindert wird. Dies führt dazu, dass die Tiere ihre Überwinte­rung nicht rechtzeitig einleiten und daher den Winter über ohne ausreichende Anpassung überstehen müssen, was zu einem erhöhten Mortalitätsrisiko führt.

Außenbeleuchtung und Umweltaspekte“ (2023) – in dieser Publikation der Lichttechnischen Gesellschaft geht die Biologin Dr. Annette Krop-Benesch umfassend auf die Auswirkungen auf die Arten und die Wirkweise des Hormons Melatonin ein: https://www.litg.de/media/31374.Publ.49_Au%C3%9Fenbeleuchtung%20und%20Umweltaspekte

Forschungsverbund für Strahlenschutz (2024): Wegen der vielen unterschiedlichen Auswirkungen hat der Forschungsverbund für Strahlenschutz, Arbeitskreis nicht-ionisierte Strahlung, die Lichtverschmutzung als „Strahlung des Jahres 2024“ gewählt. Immerhin handelt es sich bei Kunstlicht um künstlich erzeugte elektromagnetische Strahlung.

Herausgeber: Bundesamt für Naturschutz, Heft 168 Naturschutz und biologische Vielfalt. Schroer et al., Nr. 168, 20196 NaBiV Heft 168: NaBiV Heft 168: Analyse der Auswirkungen künstlichen Lichts auf die Biodiversität | BFN

Fachinformationssystem des BfN zur FFH-Verträglichkeitsprüfung
Stand: 12. Januar 2023: 5-3 = https://ffh-vp-info.de/FFHVP/Report.jsp?vog=30285 Analyse der Auswirkungen von künstlichem Licht auf die Biodiversität (2019): Bestimmung von Indikatoren für die Beeinträchtigung und Ableitung von Handlungsempfehlungen zur Vermeidung negativer Effekte im Rahmen von Eingriffen.

Auswirkungen von Lichtverschmutzung auf die Biodiversität (Dr. Sibylle Schroer, 2016):
https://www.klima-warnsignale.uni-hamburg.de/wp-content/uploads/pdf/de/biodiversitaet/warnsignal_klima-die_biodiversitaet-kapitel-2_7.pdf

„Auswirkungen von Lichtverschmutzung auf die Biodiversität: Während Luft‐, Lärm‐ oder Gewässerverschmutzung seit Jahrzehnten als ökologisch und gesundheitlich relevante Themen wissenschaftlich untersucht werden, befindet sich Lichtverschmutzung mit ihren ökologischen Auswirkungen nach wie vor »im Dunkeln«. Lichtverschmutzung ist künstliches Licht in der Nacht, welches übermäßig, oder fehlgeleitet, über den Nutzungsraum hinaus strahlt, sich durch Reflektion an atmosphärischen Teilchen streut und in Lichtglocken über unseren Städten akkumuliert. Seit der Erfindung elektrischer Außenraumbeleuchtung vor etwas mehr als 100 Jahren hat die Erhellung von Nachtlandschaften rasant zugenommen und diese grundlegend verändert. Die Folgen dieser Verschmutzung für ökologische Nischen, in die sich Organismen evolutionär angepasst haben, sind heute noch nicht vollständig untersucht. Eine chronische Veränderung des natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus kann zu saisonalen Verschiebungen, zur Schwächung des Immunsystems oder zum Verschwinden lichtsensibler Arten führen. Mehr und mehr Studien weisen Verhaltensänderungen einzelner Arten durch künstliches Licht in der Nacht nach, welche sich auf die Biodiversität auswirken können.“

Herausgabe der Lichttechnischen Gesellschaft (2023): „Außenbeleuchtung und Umwelt-aspekte“ mit vielen wichtigen und gut recherchierten Hintergrundinformationen und Studien zur Wirkung künstlicher Außenbeleuchtung auf die Arten: https://www.litg.de/media/31374.Publ.49_Au%C3%9Fenbeleuchtung%20und%20Umweltaspekte .  Mit der Darstellung der Umweltwirkungen von künstlichem Licht und der Auswahl der ökologischen Wirkungen auf ausgewählte Organismengruppen wurde als Expertin auf diesem Gebiet Frau Dr. Dipl.-Biologin Annette Krop-Benesch beauftragt. Es ist jedoch darauf hinzuweisen, dass der Herausgeber die Beleuchtungsindustrie ist und die Empfehlungen zur Lichtgestaltung sowie die Anforderungen an die sozialen Aspekte nicht dem Stand der Technik und Forschung sowie der aktuellen Gesetzgebung entsprechen.

Forderungen an Kunstlichteinsatz in Zusammenhang mit Forschungsergebnissen

2023  “Effects of LED Lighting on Terrestrial Wildlife – Travis Longcore https://dot.ca.gov/-/media/dot-media/programs/research-innovation-system-information/documents/final-reports/ca23-3696-finalreport.pdf  

„Die aktuelle Forschung unterstützt die Maßnahmen zur Minderung der Auswirkungen von LEDs durch
– Reduzierung der Intensität  (Anmerkung: Vermeidung bzw. geringer Lichtstrom)
–  Kontrolle der Lichtverteilung (Anmerkung: nur auf die zu beleuchtende Fläche)
– Verkürzung der Belichtungsdauer und
– Kontrolle des Spektrums, um die Spitzenempfindlichkeit vieler Gruppen gegenüber kürzeren Wellenlängen zu vermeiden (Anmerkung: Reduzierung und Vermeidung Blauanteil)

Beträchtliche Unterschiede in der Empfindlichkeit der Photorezeptoren (Sinneszellen) im Auge und die Flexibilität der spektralen Leistungsfähigkeit von LEDs sprechen für die Bemühungen um die Reduzierung der negativen Auswirkungen von LED spezifisch betroffener Arten.“ 

FARBTEMPERATUR/SPEKTRUM/BLAUANTEIL
Unterschiedliche Tierarten reagieren anders als der Mensch auf unterschiedliche Spektralanteile (“Farben”) des Lichts. Die Literatur zeigt (z.B. Longcore u.a., 2017, https://doi.org/10.1002/jez.2184)  jedoch, dass sich geringe Blauanteile im künstlichen Licht und damit niedrigere Farbtemperaturen weniger schädigend auf viele Tierarten auswirken als höhere.

Lichtguidelines für wandernde Tierarten von der Convention on Migratory Species (CMS): CMS light pollution guidelines. Demnach:

  1. Start with natural darkness: Vermeiden, hinterfragen, Bedarf prüfen
  2. Alternativen zu ortsfester Beleuchtung: Markierungen, Reflektoren, Eigenverantwortung etc.
  3. Reduzierter Lichtstrom, Steuerung, Reduzierung und Abschaltungen
  4. Gute Abschirmung, keine rückwärtige Abstrahlung
  5. Niedrige Lichtpunkthöhe, dunkle Masten und Flächen (siehe Guideline)
  6. Geringe Blauanteile, max. 7 % Wellenlängenanteile unter 490 nm

——–

Thema Greenwash „Insektenfreundliche Beleuchtung:

2024 Current evidence in support of insect-friendly lighting practices: https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S2214574524001184 „Die vom Menschen verursachte Lichtverschmutzung ist eine zunehmende Bedrohung für natürliche Ökosysteme und hat vielfältige Auswirkungen, insbesondere auf Insekten. Insektenschützer sind zunehmend daran interessiert, diese Ursache des Insektenrückgangs durch nachhaltige Beleuchtungspraktiken zu mindern. Aktuelle Empfehlungen folgen häufig den fünf Grundsätzen für eine verantwortungsvolle Außenbeleuchtung, die von DarkSky International, einer von Astronomen gegründeten gemeinnützigen Organisation, entwickelt wurden: Five Principles for Responsible Outdoor Lighting | DarkSky International Diese Studie hat jedoch unterschiedliche Untersuchungen ausgewertet und festgestellt, dass jede der fünf allgemein empfohlenen Methoden zur Reduzierung der Auswirkungen von Lichtverschmutzung auf Insekten zu unterschiedlichen Effekten führt. Allein durch die Beseitigung unnötigen Lichts werden alle Effekte beseitigt. Der Begriff „insektenfreundliche Beleuchtung“ ist daher nicht nur falsch sondern irreführend, denn „insektenfreundlich“ ist nur das Licht von Sonne, Mond und Sterne. D.h., künstliche Beleuchtung kann max. „weniger insektenschädlicher“ gestaltet werden.  Current evidence in support of insect-friendly lighting practices (sciencedirectassets.com)

ARTENSPEZIFISCH:

  1. Allgemein zu den Veränderungen der natürlichen Beleuchtungsstärken durch den Kunstlichteinsatz bei Nacht (ALAN – artificial light at night)
  2. Schneeglühen und belaubte Bäume im Winter
  3. Forderungen an Kunstlichteinsatz in Zusammenhang mit Forschungsergebnissen
  4. Säugetiere
  5. Insekten
  6. Vögel
  7. Fische / Amphibien / Insekten unter Wasser
  8. Weiteres: Bäume, Pflanzen, Böden
  9. MENSCHEN (kleine Auswahl; u.a. zur Augengesundheit)
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Säugetiere

Rote Liste der hessischen Säugetiere (2023):
Wie geht es den Säugetieren in Hessen? (hlnug.de) und Rote Liste der Säugetiere Hessens (hlnug.de)

Igel

„Moving in the Dark – Evidence for an Influence of Artificial Light at Night on the Movement Behaviour of Euroepan Hedgehogs (Erinaccus europaeus):
https://pub.uni-bielefeld.de/download/2945207/2945221/animals-10-01306.schubert.pdf

„Der europäische Igel ist eines der beliebtesten und bekanntesten Wildtiere, aber seine Bestände sind in ganz Europa rückläufig, insbesondere in ländlichen Gebieten. Die Lichtverschmutzung hat erhebliche Auswirkungen auf das Verhalten und die Ökologie von Wildtieren aus, aber das Verhalten des Igels gegenüber Lichtverschmutzung ist unbekannt. Wir untersuchten daher die Auswirkungen der Lichtverschmutzung auf das natürliche Bewegungsverhalten Verhalten von Igeln, die in einer städtischen Umgebung leben. Obwohl Igel sehr unterschiedlich auf Umwelteinflüsse reagieren können, zog es die Mehrheit der hier untersuchten Igel vor, sich in weniger beleuchteten als in stark beleuchteten Gebieten aufzuhalten. Dieses scheinbar starre Verhalten könnte im angewandten Igelschutz genutzt werden, um isolierte Igelpopulationen zu verbinden oder die die Tiere über dunkle, für Igel attraktive Korridore sicher um für sie gefährliche Orte herumzuführen.“

Die Tier-Expertin Anita Rose-Schrills warnt in einem Fokus-Bericht (2024): Deutschlands Igel stehen kurz vor dem Aussterben – wie wir sie noch retten können – FOCUS online  Daraus: „Licht und Gärten als Problem! Igel sind nachtaktiv und auf Insekten als Nahrung angewiesen. Doch die Lichtverschmutzung, verursacht durch Lampen mit Bewegungssensoren und grelle Autoscheinwerfer, stört sowohl die Igel als auch ihre Beute.“

Und: Der Igel steht erstmals auf der Vorwarnliste der Roten Liste der hessischen Säugetiere: https://www.hlnug.de/fileadmin/shop/publikationen/naturschutz/rote-listen/Schriften_Naturschutz_769_Rote_Liste_Saeugetiere.pdf (Das durch Kunstlicht veränderte Verhalten als Mitursache genannt. siehe S. 160)

Feldhamster

„Lichtverschmutzung hat einen verheerenden Effekt auf die Reproduktion von Arten. Sie sterben dann nicht aus, weil zu viele Individuen sterben (wie wir es durch Pestizideinsatz kennen, oder derzeit vom Fischsterben an der Oder), sondern weil zu wenig Nachwuchs geboren wird. Beim Feldhamster geht die Reproduktionsrate zum Beispiel derzeit auf Null zurück. Die Lichtverschmutzung stört die Synchronisierung der inneren Uhr mit der Umwelt. Schlechtes Timing für zu einem geringen Reproduktionserfolg, der das Artensterben verursacht.“  Dr. Stefanie Monecke, Chronobiologin.
Der Feldhamster hat übrigens als eine der wenigen Arten Lichtverschmutzung als offizielle wahrscheinliche Rückgangsursache bei der IUCN bekommen https://www.iucnredlist.org/species/5529/111875852)
Der unter strengen Artenschutz stehende und fast ausgestorbene Feldhamster verpasst durch den Verlust der Nacht durch künstliche Aufhellung sein Reproduktionssignal, weil die biologischen Uhren aus dem Takt geraden: https://www.iucnredlist.org/species/5529/111875852

Fledermäuse

Alle Fledermausarten sind von Lichtimmissionen betroffen; allerdings in unterschiedlichen Varianzen abhängig von der Art. Viel Infos gibt es hier: Eurobats- Publication SeriesNo. 8:  https://www.eurobats.org/sites/default/files/documents/publications/publication_series/EUROBATS_PS08_DE_RL_web_neu.pdf  Verschiedene Fledermausarten scheinen unterschiedlich auf Lichtfarben zu reagieren; aber generell scheinen amber/oranges oder rotes Licht und vor allem geringe Lichtintensitäten weniger stark zu beeinträchtigen. Ausführlich hierzu Kapitel 8 https://link.springer.com/book/10.1007/978-3-662-65745-4

Landschaft der Angst für Beutetiere durch Kunstlicht:
Angst beeinflusst fast alle Aspekte des Verhaltens einer Beutetierart, z. B. ihre Nahrungssuche und Bewegung, und kann trophische Kaskaden – Veränderungen in der Nahrungskette und einhergehend im Ökosystem auslösen. Das hervorragende Schwachlichtsehen vieler Raubtiere bedeutet, dass das wahrgenommene Raubrisiko bei Beutetieren durch die Lichtverhältnisse beeinflusst wird mit unbekannten verhaltensbezogenen und ökologische Folgen. Untersuchungen am Großen Brachvogel: (PDF) Artificial lighting affects the landscape of fear in a widely distributed shorebird (researchgate.net):

Insekten

Grundsätzlich zu Insekten:

Uni Jena: https://www.uni-jena.de/212696/bereits-wenig-kuenstliches-licht-gefaehrdet-oekosysteme: „Lichtverschmutzung führt zu einer Verschiebung von natürlichen Aktivitätszeiten, was nicht nur die Fortpflanzung von Nachtfaltern stört, sondern auch die Nahrungsketten und Bestäubungsprozesse erheblich beeinträchtigt.“ Eine Studie im iDiv-EcoTron zeigte, dass selbst Lichtintensitäten, die unter denen eines Vollmondes liegen, signifikante Veränderungen im Verhalten und in den physiologischen Reaktionen von Insekten auslösen. Besonders betroffen sind nachtaktive Insek­ten wie Nachtfalter, deren Winterruhe durch Kunstlicht verhindert wird. Dies führt dazu, dass die Tiere ihre Überwinte­rung nicht rechtzeitig einleiten und daher den Winter über ohne ausreichende Anpassung überstehen müssen, was zu einem erhöhten Mortalitätsrisiko führt. (2023)

Insekten unter Wasser reagieren empfindlich auf Lichtverschmutzung
Neue Forschungsergebnisse des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) zeigen, dass der Staubsaugereffekt auch unter Wasser gilt und dass die derzeitigen Strategien zur Verringerung der Auswirkungen der Lichtverschmutzung nicht weit genug gehen, um aquatische Insektenarten zu schützen. https://nachrichten.idw-online.de/2021/09/22/insekten-unter-wasser-reagieren-empfindlich-auf-lichtverschmutzung

Studie des Senckenberg Biodiversität- und Klima-Forschungszentrums Frankfurt und der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz (2024):   Linda Eberhardt, Halina Binde Doria, Burak Bulut, Barbara Feldmeyer, Markus Pfenninger (2025): Transcriptomics predicts artificial light at night’s (ALAN) negative fitness effects and altered gene expression patterns in the midge Chironomus riparius (Diptera:Chironomidae). Environmental Pollution, Volume 369, https://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0269749125002003 Die Studie belegt die dramatischen Auswirkungen künstlicher nächtlicher Beleuchtung auf Insekten. Die Forscher untersuchten die Zuckmücken-Art Chironomus riparius und stellten fest, dass Lichtverschmutzung tiefgreifende Veränderungen in die Expression von 1564 Genen der Larven verursacht. Die Folgen sind deutlich: verzögerte Entwicklung, erhöhter oxidativer Stress und eine drastisch reduzierte Fortpflanzungsfähigkeit. In der Fachzeitschrift „Environmental Pollution“ wird daher vor weitreichenden ökologischen Konsequenzen gewarnt, verbunden mit der Forderung zur Reduzierung von Lichtverschmutzung. Angesichts der zentralen Rolle von Insekten in Nahrungsnetzen haben die Auswirkungen von künstlichem Licht in der Nacht das Potenzial, Kaskadeneffekte im gesamten Ökosystem auszulösen. Es besteht dringender Handlungsbedarf, die Lichtverschmutzung als wesentlichen Faktor für das Artensterben zu erkennen und wirksame Maßnahmen zu ergreifen. (2025). Pressemitteilung des Senckenberg-Zentrums: Die dunkle Seite des Lichts: Beleuchtung in der Nacht bedroht Insekten | Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung

Hinweis: Zuckmücken spielen eine zentrale Rolle in ökologischen Systemen: Sie dienen in unterschiedlichen Entwicklungsstadien als wichtigste Nahrungsquelle für Fische, Vögel und andere Tiere. Durch die Aufnahme von Algen und organischen Resten durch die Zuckmückenlarven spielen die Mengen von Zuckmücken zudem eine wichtige Rolle bei der Reinigung der Gewässer  und tragen maßgeblich zur Stoff- sowie Energieumsetzung in Gewässern bei. https://naturagbramsche.blog/2025/04/10/kleine-mucken-grose-wirkung-warum-zuckmucken-fur-uns-und-die-natur-wichtig-sind/ und https://schleswig-holstein.nabu.de/tiere-und-pflanzen/insekten/sonstige-arten/16004.html und https://www.spektrum.de/kolumne/insekten-lichtverschmutzung-stoert-zuckmuecken-und-nahrungskette/2265614

Kunstlicht stört die Bestäubung:  
„Künstliches Licht stört nachtaktive Insekten beim Bestäuben von Pflanzen und reduziert die Anzahl produzierter Samen und Früchte. Dieser Verlust der nächtlichen Bestäubungsleistung kann auch durch tagaktive Bestäuber nicht kompensiert werden. Pflanzen werden dadurch in ihrer Fortpflanzung beeinträchtigt, wie Ökologinnen und Ökologen der Universität Bern erstmals nachweisen konnten.“ https://idw-online.de/de/news679024 und

Auswertung “Was ist insektenfreundliche Beleuchtung?”:
Nur das Licht von Sonne, Mond und Sterne ist insektenfreundlich. Kunstlicht kann nur mehr oder weniger schädigend gestaltet werden. Künstliches Licht und Insekten (biosphaerenreservat-rhoen.de)

Artificial light at night as a new threat to pollination – PubMed https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/28783730/

Auswirkungen der zunehmenden Lichtverschmutzung auf Bestäuber und die indigene Ernährungssouveränität (2025): https://iopscience.iop.org/article/10.3847/2515-5172/add156/ampd

Nachtfalter

Uni Würzburg:„Eine der dramatischsten Veränderungen, die sich in den letzten Jahrzehnten auf unserem Planeten vollzogen haben, ist die immer stärkere Nutzung von künstlichem Licht in der Nacht, wodurch sich die Umwelt, an die nachtaktive Tiere angepasst sind, drastisch verändert hat. Eine Gruppe nachtaktiver Arten, bei denen ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen ist, sind Nachtfalter, die nicht nur für den Artenschutz von großer Bedeutung sind, sondern auch wegen ihrer Schlüsselrolle in Nahrungsnetzen und bei Ökosystemdienstleistungen wie der nächtlichen Bestäubung von Pflanzen. Die Lichtverschmutzung wurde als Ursache für den dramatischen Rückgang der Insekten in den letzten Jahren identifiziert“: http://biorxiv.org/lookup/doi/10.1101/2022.10.06.511092)

Nachtfalter Universität Würzburg (2024): https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2401215121#core-collateral-purchase-accessShedding light with harmonic radar: Unveiling the hidden impacts of streetlights on moth flight behavior”: „Die Lichtverschmutzung hat größere Ausmaße als gedacht: Nachtfalter verlieren nicht nur direkt unter Straßenlampen die Orientierung. Ihr Flugverhalten ist auch außerhalb der Lichtkegel gestört. Eine neue Studie zeigt jetzt, dass sich das Verhalten von Nachtfaltern nicht nur im Lichtkegel von Straßenlampen verändert, sondern auch außerhalb des beleuchteten Bereichs. Durchgeführt wurden die Experimente von einer Gruppe der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg in Kooperation mit Forschenden aus Berlin und Providence (USA). Die Ergebnisse sind im Fachjournal PNAS veröffentlicht.“

Berichtet über die Studienergebnisse wird auch auf der Webseite der Uni Würzburg: https://www.biozentrum.uni-wuerzburg.de/biochem/aktuelles/single/news/lichtverschmutzung-falter-1/„Die zunehmende Nutzung von künstlichem Licht in der Nacht gehört zu den dramatischsten menschengemachten Veränderungen auf der Erde. Straßenlampen und beleuchtete Gebäude verändern die Umwelt für nachtaktive Tiere maßgeblich. Die Wissenschaft hat die Lichtverschmutzung als eine der Ursachen für den starken Insektenschwund der vergangenen Jahre ausgemacht: Viele nachtaktive Insekten fliegen zu den künstlichen Lichtquellen und umkreisen sie unaufhörlich. Sie werden dort zur leichten Beute für Fledermäuse und andere Räuber oder fallen irgendwann erschöpft zu Boden und sterben. Eine Gruppe nachtaktiver Insekten, bei denen ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen ist, sind Nachtfalter. Ihr Verschwinden ist auch darum problematisch, weil sie eine Schlüsselrolle in Nahrungsnetzen und bei der Bestäubung von Pflanzen spielen.“

Gitterspanner

Gitterspanner:
Die Larven des Gitterspanners (Nachtfalter) versäumen bereits bei geringer Kunstlicht-einwirkung das Signal zum Verpuppen, um den Winter zu überstehen. Dabei reicht das über Wolken und Staubteilchen in das Umland reflektiere Licht aus, um diesen überlebens-wichtigen Mechanismus durcheinander zu bringen. Die Tage erscheinen durch den künstlich aufgehellten Himmel länger, als sie eigentlich sind:  https://www.swr.de/wissen/lichtverschmutzung-stoert-ueberwinterungsverhalten-von-insekten-100.html

(Original: Dim light pollution prevents diapause induction in urban and rural moths – Merckx – Journal of Applied Ecology – Wiley Online Library  , https://besjournals.onlinelibrary.wiley.com/doi/epdf/10.1111/1365-2664.14373 )

Weinschwärmer (Spannerart)

(ab Minute 20:20 ): Flugverhalten vom Weinschwärmer unter Kunstlicht:  NANO vom 7.11.2023: Urteil – Kein Zugang zu Natrium-Pentobarbital – 3sat-Mediathek

Regenwürmer

Mitteilung der Deutschen Wildtierstiftung  dpa:230504-99-557574/2   (2023)

Glühwürmchen

„Wissenschaftler haben den Einfluss von Kunstlicht auf die Fortpflanzung untersucht und nachgewiesen, wie wichtig Dunkelheit ist, damit es bei den Glühwürmchen zur Paarung kommt. Je mehr Kunstlicht in der Umgebung leuchtet, umso geringer ist die Chance, dass das Männchen das Leuchten des Weibchens überhaupt wahrnimmt.“. Berichtet über die Forschungsmethode inkl. Filmdokumentation und Ergebnisse hat der MDR: https://www.mdr.de/wissen/gluehwuermchen-licht-verschmutzung-fortpflanzung100.html

Mistkäfer

„Mistkäfer orientieren sich an den Sternen, wenn sie sie sehen. Lichtverschmutzung sorgt für eine völlige Desorientierung der Tiere mit gravierenden Folgen: https://www.deutschlandfunknova.de/nachrichten/lichtverschmutzung-mistkaefer-verliert-inneren-kompass

Bienen

Studie Uni Zürich – Dr. Eva Knop – zum Bestäubungsverhalten der Insekten im Kunstlicht, das auch jenes während des Tages beeinträchtigt. : https://bienen-nachrichten.de/2021/k%C3%BCnstliches-licht-beeinflusst-sogar-best%C3%A4ubung-am-tag/915  

„Rund 300 Insektenarten bestäubten die Blüten auf den dunklen Flächen, während sich die Bestäubungsleistung auf den beleuchteten Flächen um 62 Prozent reduzierte. So gehen aber auch Pflanzen zurück, die sowohl von tagaktiven Bienen, als auch von nachtaktiven Insekten bestäubt werden, da die Bienen die fehlende Leistung ihrer nachtaktiven Kollegen nicht kompensieren können. „Gibt es bald auch keine Bienen mehr, würden diese Pflanzen völlig verschwinden“, warnt Bourgeois.“https://www.bienenretter.de/hilf-den-bienen/lichtverschmutzung/:

Bienen (2024): „Lichtverschmutzung sorg für Schlafmangel bei Bienen“ Bienen: Lichtverschmutzung sorgt für Schlafmangel bei Honigbienen – DER SPIEGEL Honigbienen sind immer häufiger künstlichem Licht ausgesetzt. Das hat laut einer Studie aus den USA Folgen für die Gesundheit und die Arbeitsleistung der wichtigen Bestäuber. Studie: https://www.nature.com/articles/s41598-024-73378-9 „Exposure to constant artificial light alters honey bee sleep rhythms and disrupts sleep”

Zuckmücken

Maikäfer

„Licht aus für den Maikäfer“ fordert die Deutsche Wildtierstiftung. Kunstlicht in den Gärten wird ihnen zum Verhängnis, da „sie gezielt auf Lichtquellen zufliegen, ein Verhalten, das positive Phototaxis genannt wird.“ Maikäfer gelten derzeit als ungefährdet, verglichen mit den Beständen von vor 50 bis 100 Jahren ist allerdings laut Rote-Liste-Zentrum ein sehr starker Rückgang zu verzeichnen.https://www.deutschewildtierstiftung.de/aktuelles/artikel/licht-aus-fur-den-maikafer Anmerkung: Der Hinweis auf der Seite, dass zum Schutz der Maikäfer nur „insektenfreundliche Beleuchtung“ im Garten und auf dem Balkon genutzt werden soll, ist irreführend. Denn es gibt keine „insektenfreundliche“ künstliche Beleuchtung und reine Dekobeleuchtung kann es ohnehin nicht sein. Gärten brauchen kein Kunstlicht. Notwendige Beleuchtung am Haus kann man natürlich so gestalten, dass sie weniger invasiv wirkt. Hinweise hier: https://naturnacht-fulda-rhoen.de/2024/03/21/im-garten-licht-bitte-nicht/

Warum werden Fluginsekten vom Licht angezogen? Für dieses beobachtete Phänomen gibt viele (nicht belegte) Vermutungen und auch diese Untersuchung kann es nicht voll-umfänglich erklären. Mit modernster Technik wurde das Flugverhalten aufgezeichnet und ausgewertet und daraus geschlossen, dass die Insekten nicht angezogen sondern eher zufällig in den Bannkreis von Leuchten geraten und dann dort gefangen bleiben.
https://www.spektrum.de/news/warum-werden-insekten-von-licht-angezogen/2205885

Vögel

Vögel, die wegen Kunstlicht nicht schlafen können:
Sleepless Birds – Films – home (german-documentaries.de)

(2025): Vögel singen wegen Lichtverschmutzung länger: Künstliche Beleuchtung beeinflusst die Tierwelt, sie macht auch für viele Vögel die Nacht zum Tag. Das haben amerikanische Forscher über verschiedene Arten, Orte und Jahreszeiten hinweg untersucht. https://www.sciencenews.org/article/birds-sing-longer-light-pollution Anmerkung: Im BfN-Skript 336 aus 2013 https://www.igb-berlin.de/sites/default/files/media-files/download-files/BfN-Skripten336_Schutz%20der%20Nacht_web.pdf werden ab Seite 57 Untersuchungsergebnisse zum Verhalten von Amseln im Wald unter unter LIcht vorgestellt, die bereits ähnliche und weitere Ergebnisse aufzeigten.

Amseln

„Stadtvögel werden bei nächtlicher Beleuchtung früher paarungsbereit als ihre Artgenossen auf dem Land. Schon Abweichungen von 0,2 lx von den natürlichen Beleuchtungsstärken reichen zur Veränderungen“. Amseln im Rampenlicht | Max-Planck-Gesellschaft (mpg.de)

Im BfN-Skript 336 aus 2013 https://www.igb-berlin.de/sites/default/files/media-files/download-files/BfN-Skripten336_Schutz%20der%20Nacht_web.pdf werden ab Seite 57 Untersuchungsergebnisse zum Verhalten (Schlafen, Fortpflanzung etc.) von Amseln im Wald unter unter LIcht vorgestellt, die deutliche Unteschiede aufzeigen.

Sperlinge/Spatzen

„Wenn Haussperlinge nachts dem Licht ausgesetzt sind, können sie die Infektion mit dem West-Nil-Virus weniger gut verkraften. Sie behalten die Krankheit länger und können sogar leichter daran sterben. Die Tiere bleiben also länger krank, was die Gefahr eines Ausbruchs des West-Nil-Virus in ihrem Gebiet erhöhen kann.“
Light pollution makes sparrows sicker | Naked Scientists (thenakedscientists.com)

Drosseln

„Lichtverschmutzung verursacht starke Reaktionen auf Zug durch Gefährdung der Orientierungsfähigkeit, Kollisionen mit Gebäuden und anderen vertikalen Strukturen.“ Anmerkung: Wie viele Zugvögel ziehen auch Drosseln vornehmlich in der Nacht. Nocturnal flight calling behaviour of thrushes in relation to artificial light at night – Gillings – – Ibis – Wiley Online Library 

Zaunkönig und Drossel

„Mehr Lichtverschmutzung führt bei diesen Vogelarten zu geringerer Überlebensrate: Die nächtliche Lichtverschmutzung ist bekanntlich eine tödliche Gefahr für Zugvögel, da sie diese desorientiert und vermehrt mit Gebäuden zusammenstößt. Eine neue Studie unter Leitung von Forschern der North Carolina State University zeigt nun, dass künstliches Licht in der Nacht auch mit einer geringeren Überlebensrate von zwei Hinterhofvogelarten zusammenhängt, die das ganze Jahr über in der Umgebung von Washington D.C. leben.

Die Studie, die sich auf 20 Jahre Daten stützt, die von Forschern und Bürgerwissenschaftlern im Rahmen eines vom Smithsonian Migratory Bird Center durchgeführten Programms gesammelt wurden, ergab, dass die Überlebensrate des Grauen Katzenvogels (Anm. Drossel) und des Hauszaunkönigs mit zunehmender nächtlicher Lichtverschmutzung sinkt.“
https://news.ncsu.edu/2023/08/for-two-backyard-bird-species-more-light-pollution-is-linked-to-lower-survival

Tauben und Elstern

Studie: Kunstlicht stört den Schlaf von Tauben und Elstern, die in lichtverschmutzten Umgebungen leben: White and Amber Light at Night Disrupt Sleep Physiology in Birds (cell.com) Video dazu: Light Pollution Keeps Birds Awake / Curr. Biol., July 23, 2020 (Vol. 30, Issue 18) – YouTube.

Kohlmeisen

Kohlmeisen werden durch nächtliches Kunstlicht beim Brüten gestört! https://science.apa.at/power-search/14026270932443617012 Den Untersuchungen der Vogelschutzwarte Sempach zufolge ist der Grund die Lichtverschmutzung. In der Nacht sind Kohlmeisen in der Stadt unruhiger und wärmen ihre Eier weniger. „Für die Vogelwarte ist die Vermeidung von unnötigem nächtlichem Licht deshalb oberstes Gebot.“

Böse Falle für Vögel: Künstliches Licht in der Stadt:
Sind die Lichter angezündet – Böse Falle für Vögel | MDR.DE (2023) „Zugvögel steuern oft gefährliche Zwischenquartiere an: Wo es nicht zu fressen gibt, wo man gegen Glaswände fliegt, wo Katzen lauern oder Nahrungskonkurrenten. Warum fliegen sie bloß dahin? Schuld ist die Beleuchtung.“ Studie: Artificial light at night is a top predictor of bird migration stopover density | Nature Communications

Rote Liste der bestandsgefährdeten Brutvogelarten Hessens (2024)
S. 44/45 „Ähnlich wie der Glasschlag ist die Lichtverschmutzung als Todesursache für Vögel nicht im Bewusstsein der Bevölkerung. Insbesondere zur Zugzeit kann eine hell erleuchtete Stadt in der Nacht zur Desorientierung der Zugvögel führen (La Sorte et al. 2022). In einigen Fällen wirken Lichtkegel anziehend auf bestimmte Vogelarten, sodass eine Kollision mit Bauwerken teils in hoher Dichte die Folge ist (Lao et al. 2020). Insbesondere zur Zugzeit sollte die Lichtverschmutzung in Städten möglichst vermieden werden. Wichtig hierbei ist die strickte Umsetzung der lichtreduzierenden Maßnahmen nach §35 des Hessischen Naturschutzgesetzes sowie weitere Aufklärungsarbeit.“ https://www.hlnug.de/fileadmin/user_upload/HLNUG_RL_Brutvoegel_innen_231220_Web.pdf

Auswirkungen von künstlichem Licht auf die Bewegung und Verteilung von Vögeln: eine systematische Karte! – Literaturauswertung. Es wurden unterschiedliche Variablen untersucht: Effects of artificial light on bird movement and distribution: a systematic map | Environmental Evidence | Full Text (biomedcentral.com)Wir identifizierten 56 verschiedene Reaktionsvariablen und ordneten sie in drei Kategorien ein (Verhalten, Verbreitung und Vogelgemeinschaft), was die Vielfalt der Reaktionen von Vögeln auf Licht zeigt.

Weltweit verändern Vögel ihr Verhalten und singen länger wegen der künstlichen Aufhellung der Nacht: https://www.sciencenews.org/article/birds-sing-longer-light-pollution und https://www.science.org/doi/10.1126/science.adv9472

Zugvögel:
„Die Mehrheit der Zugvögel, insbesondere diejenigen, die über die Sahara hinweg nach Afrika ziehen, sind nachts unterwegs. Alljährlich ziehen Milliarden von Vögeln, konzentriert in der ersten Nachthälfte und in den untersten 1000 m über Boden aus Europa nach Afrika und im Frühling wieder zurück. Der Nachtzug im Herbst beginnt bereits Ende Juli und nimmt erst gegen Ende November deutlich ab. Hauptprobleme im Zusammenhang mit Licht sind die Attraktionswirkung bei schlechten Sichtverhältnissen und Schreckreaktionen beim Einfliege in starke Lichtkegel.“ / Lichtverschmutzung – Light Pollution – Dark Sky /*/ Lichtverschmutzung – Light Pollution – Dark Sky / (ens.ch)

Zugvögel, die wegen unnatürlichen Lichts ihre Zug falsch planen:
Unnatürliches künstliches Licht trägt jedes Jahr zum Tod von Millionen von Vögeln bei. Neben Kollisionen kann sich künstliches Licht in der Nacht auch auf den Zeitpunkt des Vogelzugs und andere saisonale Verhaltensweisen auswirken, da es die biologischen Uhren durcheinander bringen kann. So können Vögel künstliches Licht in der Nacht fälschlicherweise als längere Tageslichtperiode interpretieren. Vögel, die an ihren Überwinterungsplätzen der Lichtverschmutzung ausgesetzt sind, brechen möglicherweise früher zu ihrem Zug auf als Arten, die keinem künstlichen Licht ausgesetzt sind. Wenn die Vögel während des Zuges oder bei ihrer Ankunft am Zielort nicht die erforderlichen Umweltbedingungen und Ressourcen vorfinden, kann es zu einer Fehlplanung des Zuges kommen. https://www.un.org/en/un-chronicle/growing-effects-light-pollution-migratory-birds

Zugvögel: „Durch das Ausschalten der Hälfte des künstlichen Lichts in der Nacht könnte die Vogelsterblichkeit um bis zu 60 Prozent gesenkt werden. Die höchsten Sterblichkeitsraten treten in windigen Nächten während großer Vogelwanderungen auf – wenn die meisten Lichter eingeschaltet bleiben.“ Summary: „Kollisionen mit Bauwerken sind eine wichtige Ursache für die Vogelsterblichkeit, die allein in Nordamerika jährlich Hunderte Millionen Vögel das Leben kostet. Nachts ziehende Vögel werden von künstlicher Beleuchtung angezogen und desorientiert, was die Lichtverschmutzung zu einem wichtigen Faktor für die Kollisionssterblichkeit macht. Es besteht ein wachsendes Interesse daran, die Auswirkungen von Licht zu mildern, um Zugvögel zu schützen. Wir verwenden Daten aus zwei Jahrzehnten, um zu zeigen, dass das Ausmaß des Vogelzugs, die Lichtleistung und die Windverhältnisse wichtige Faktoren für Kollisionen an einem großen Gebäude in Chicago sind und dass eine Verringerung der beleuchteten Fensterfläche die Vogelsterblichkeit um etwa 60 % senken könnte. Unsere Erkenntnis, dass das Löschen von Lichtern das Vogelsterben verringern kann, hat globale Auswirkungen auf Naturschutzkampagnen, die darauf abzielen, eine wichtige Ursache für die Vogelsterblichkeit zu beseitigen.“ Studie und Info: .Turning off half of city lights at night could cut bird mortality by up to 60 percent  anthropocenemagazine.org)https://www.pnas.org/doi/10.1073/pnas.2101666118

Gefahren künstlicher Beleuchtung für ziehende Vögel und Fledermäuse. – Artificial light as a threat for birds and bats: https://www.researchgate.net/profile/Ommo-Hueppop/publication/233862517_Gefahren_kunstlicher_Beleuchtung_fur_ziehende_Vogel_und_Fledermause_-_Artificial_light_as_a_threat_for_birds_and_bats/links/0912f50c5bda237eb7000000/Gefahren-kuenstlicher-Beleuchtung-fuer-ziehende-Voegel-und-Fledermaeuse-Artificial-light-as-a-threat-for-birds-and-bats.pdf

Oktober 2023: Rund 1000 Zugvögel prallten innerhalb einer Nacht gegen die beleuchteten Fenster eines Kongresszentrums in den USA und starben:  https://www.sueddeutsche.de/wissen/tiere-rund-1000-zugvoegel-prallen-gegen-fenster-und-sterben-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-231007-99-474777  „Zwar ereigneten sich solche Tragödien jedes Jahr, insbesondere während der Herbst- und Frühjahrsmigration der Zugvögel. In den vergangenen 40 Jahren habe das Chicagoer Naturkundemuseum Field aber noch nie eine so hohe Zahl dokumentiert, schrieb die Einrichtung auf Instagram.“

Spezial: SKYBEAMER – Zugvögel und Insekten:

 „Flackernde Lichtspiele am Himmel“. https://www.lung.mv-regierung.de/static/LUNG/Dateien/publikationen/naturLandschaft/skybeamer_herrmann_et_al_nul4-06.pdf  Auswirkungen von Himmelsstrahlern (Skybeamer) auf Natur und Landschaft und Hinweise auf die Rechtslage aus dem Jahr 2006.

Zugvögel: Skybeamer und Uplights bringen sie vom Kurs ab: https://www.nul-online.de/magazin/archiv/article-2348710-202007/skybeamer-und-gebaeudeanstrahlungen-bringen-zugvoegel-vom-kurs-ab-.html

Skybeamer und Gebäudeanstrahlungen bringen Zugvögel vom Kurs ab: Die Auswirkungen nach oben abstrahlender Lichtquellen auf nächtlich ziehende Kleinvögel werden beschrieben und quantitativ untersucht. Mehr als 90 % aller Vögel, die einen Lichtkegel durchflogen, zeigten Verhaltensauffälligkeiten: Kreisflug, Umkehrflug, Richtungsänderungen, Geschwindigkeitsreduzierung, ungerichteter Flug. Auch nach dem Verlassen des Lichtkegels setzten abgelenkte Vögel ihren Flug in falsche Richtungen fort. Diese seit langem bekannten Auswirkungen sollten dazu führen, Himmelsstrahler (Skybeamer), ungerichtete ­Gebäudeanstrahlungen und andere in den freien Luftraum wirkende Lichtquellen zumindest während der Zeiten des ­Vogelzuges nicht zu betreiben. Rechtliche Grundlagen für ein behördliches Eingreifen sind durchaus vorhanden. Vor dem fachlichen Hintergrund wird dargelegt, wie solche Beleuchtungsanlagen aus Sicht des Naturschutz-, Immissionsschutz- und Bauordnungsrechts zu beurteilen sind.“ https://www.nul-online.de/magazin/archiv/article-2348710-202007/skybeamer-und-gebaeudeanstrahlungen-bringen-zugvoegel-vom-kurs-ab-.html

Laternen und Leuchtfassaden führen Vögel und Insekten, Reptilien und Amphibien in die Irre. Sie sterben massenhaft oder verändern ihr Verhalten. Die Folge: Das ökologische Netz bekommt Risse

Ökologie: Licht aus! – [GEO]
Fische / Amphibien / Insekten unter Wasser

Durch atmosphärische Partikel wird das künstliche Licht der Städte gestreut und erreicht auch entfernte Gebiete. So können selbst abgelegene Gegenden ohne starke künstliche Beleuchtung durch Lichtverschmutzung beeinflusst werden. Der Nachthimmel ist dadurch vielerorts heller als in einer natürlichen Vollmondnacht. Die zunehmend helleren Nächte stören nicht nur astronomische Beobachtungen, auch für Flora und Fauna wird die künstliche Nachtbeleuchtung zum Problem. Bekannt sind negative Auswirkungen auf Insekten, Reptilien, Vögel und Säugetiere sowie den Menschen. Bei Tieren beeinflussen der Tag-Nacht-Rhythmus und saisonale Veränderungen der Tageslichtlänge viele natürliche Verhaltensmuster wie zum Beispiel Futtersuche, Balz und Paarung, Migration oder Winterschlaf. Fehlt eine Phase der natürlichen Dunkelheit oder wird ihre Dauer durch künstliches Licht verändert, können all diese tages- oder jahresperiodisch gesteuerten Vorgänge beeinträchtigt werden.

Zunehmende Lichtverschmutzung im urbanen Raum beeinflusst nicht nur terrestrische Lebewesen. Gewässerökosysteme reagieren sehr empfindlich auf Licht und sind oft besonders stark von nächtlicher Beleuchtung betroffen, denn die Menschheit siedelt seit jeher in der Nähe des Wassers.

So verändern sich zum Beispiel die Produktivität der Gewässer oder die Räuber-Beute-Beziehungen. Noch ist weitgehend unerforscht, wie sich die zunehmende nächtliche Beleuchtung auf Wasserlebewesen und deren Wechselbeziehungen untereinander und zu ihrer Umwelt auswirkt.

Bei Fischen zum Beispiel unterliegen die meisten physiologischen und verhaltensbiologischen Vorgänge einer tages- oder jahreszeitlichen Dynamik. Künstliches Licht verwischt die Grenze zwischen Tag und Nacht und greift so in physiologische Funktionen und das Verhalten der Tiere ein. Bekannt ist bereits, dass künstliches Licht Wachstum und Entwicklung beeinflusst und sogar die Laichwanderung diadromer (wandernder) Fische stören kann.“

Fische:

Lichtverschmutzung macht Fische ängstlich: Künstliches Licht in der Nacht verändert das Verhalten von Fischen bis in die nächste Generation. https://www.mpg.de/23505411/fische-lichtverschmutzung


Drosselung Melatonin: Untersuchungen des Institut für Gewässerökologie Berlin belegen, dass schon geringe Kunstlichteinwirkung von  0,01 lux in die Lebensräume von Gewässertieren deren Melatoninspiegel senkt, was zur Infektanfälligkeit führen. Die Lichtglocken von Städten reichen bereits für die Melatonindrosselung aus: https://www.igb-berlin.de/news/lichtverschmutzung-unterdrueckt-dunkelhormon-melatonin-bei-mensch-und-tier und https://www.astronews.com/news/artikel/2020/04/2004-005.shtml

Blaualgen (Cyanobakterien): (2025): https://www.igb-berlin.de/news/naechtliches-himmelsleuchten-regt-blaualgenwachstum-und-stoffumsaetze: Nächtliches Himmelsleuchten (Skyglow) durch Lichtverschmutzung fördert das Wachstum von Cyanobakterien (gemeinhin auch Blaualgen genannt) deutlich und regt die Stoffumsätze in Seen an. Die Bakterien können giftige Stoffe (Toxine) bilden, die bei hoher Konzentration den im Wasser lebenden Tieren gefährlich werden und das Ökosystem eines Gewässers aus dem Gleichgewicht bringen. Auch bei Hunden und Menschen kann der Kontakt zu Vergiftungen führen. Siehe: https://www.br.de/nachrichten/wissen/darum-sind-blaualgen-in-seen-gefaehrlich-fuer-mensch-und-hund,S2v6zWu

Quelle: IGB 1-s2.0-S0043135425002295-ga1_lrg.jpg (2213×886)

Die Forschenden fordern eine bessere Berücksichtigung der Lichtverschmutzung als Einflussfaktor auf Gewässer: Es ist wichtig zu erkennen, dass bereits geringe künstliche Beleuchtungsstärken, die weit unter dem Niveau des Vollmonds liegen, durch das künstliche Himmelsleuchten negative Auswirkungen haben können. „Unter Skyglow veränderten sich im Experiment die Bakteriengemeinschaften und damit auch Stoffumsetzungen, wie genetische Analysen der Lebensgemeinschaften und massenspektrometrischen Analysen der gelösten Inhaltsstoffe in Wasserproben zeigten. Dabei wurde deutlich, dass Skyglow beispielsweise den bakteriellen Abbau von durch Algen gebildete organische Substanz steigert und insgesamt den Kohlenstoffkreislauf im See anregt.“ https://doi.org/10.1016/j.watres.2025.123315 Skyglow increases cyanobacteria abundance and organic matter cycling in lakes – ScienceDirect

Barsch und Plötzen
Kunstlicht verstellt die innere Uhr: https://www.igb-berlin.de/news/im-falschen-licht-wenn-fuer-fische-die-nacht-zum-tag-wird  Untersuchungen an Barsch und Plötzen zeigten, dass sich bereits geringe Lichtintensitäten von 1 Lux weißen Lichts auf den Melatoninrhythmus und auf verschiedenen Fortpflanzungshormone auswirkt, in dem die Melatoninkonzentration reduziert wird.

Kröten, Frösche:
Besonders empfindlich auf Kunstlicht reagieren Arten, deren Sinne perfekt an die Finsternis angepasst sind, etwa Frösche und Kröten. Sie sind fast ausnahmslos nachtaktiv und jagen Insekten im matten Glanz von Mond und Sternen. An erhellten Stellen, zum Beispiel unter einer Straßenlaterne, sind die Tiere jedoch einer sehr viel höheren Lichtmenge ausgesetzt. Bis das Froschauge sich derart großen Helligkeitssprüngen angepasst hat, können Minuten oder gar Stunden vergehen, besonders beim Wechsel vom Hellen ins Dunkle. Die Amphibien beschränken ihr Jagdrevier daher häufig auf beleuchtete Stellen – wodurch es zur einer Räuber-Beute-Verzerrung kommt.  https://www.froglife.org/2019/11/28/croaking-science-artificial-light-at-night-a-problem-for-amphibians/:

„Die Lichtverschmutzung durch Industrialisierung, städtische und vorstädtische Entwicklung breitet sich weltweit rasch aus. Schätzungen zufolge sind 20 % der Landfläche der Erde durch künstliches Licht verschmutzt (Cinzano et al., 2001). Immer mehr Wildtierarten sind nachts einer höheren Lichtbelastung ausgesetzt als jemals zuvor. Schätzungen zufolge beträgt die durchschnittliche Lichtmenge, die von einer Straßenlaterne auf den Boden fällt, 50 Lux, verglichen mit 0,1 Lux bei hellem Mondlicht (Bennie et al., 2016) (Abbildung 1). Autoscheinwerfer können über 1.000 Lux erreichen, etwa 10.000 mehr als die natürliche nächtliche Lichtexposition. Es hat sich gezeigt, dass diese künstlichen Lichtverhältnisse eine Reihe von Tierarten beeinflussen, von Säugetieren über Vögel bis hin zu Reptilien und Insekten. Die Auswirkungen von künstlichem Licht auf Amphibien scheinen je nach Art und Ökologie unterschiedlich zu sein (überprüft in Dutta, 2018). Beispielsweise scheint das Rufverhalten vieler Froscharten beeinträchtigt zu sein, sodass die Tiere weniger häufig rufen und sich häufiger fortbewegen. Dies kann zu einer Verringerung der Paarungsmöglichkeiten führen und sich negativ auf den anschließenden Laicherfolg auswirken. Im Gegensatz dazu suchen Rotrückensalamander (Plethodon cinereus) aus Nordamerika unter künstlichem Licht weniger nach Nahrung und verstecken sich stattdessen im Laub. Dies kann Auswirkungen auf die Fähigkeit eines Individuums haben, nachts effektiv nach Nahrung zu suchen und sich zu ernähren. Die Straßensterblichkeit kann in Gebieten mit künstlichem Licht erhöht sein, wie bei der Amerikanischen Kröte (Bufo americanus) gezeigt wurde, die von Straßenbeleuchtung angezogen wird und eher Straßen überquert (Mazerolle, 2004). Zu den indirekten Auswirkungen von künstlichem Licht können eine erhöhte Erkennung durch Raubtiere und die daraus resultierende Sterblichkeit von Amphibien gehören.“ Siehe auch:

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0269749122008181 und https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39894068/

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S0269749122008181

Künstliches Licht und wie es Meere und Insekten unter Wasser beeinflusst

Wie künstliches Licht unsere Ökosysteme beeinflusst: https://www.helmholtz-klima.de/aktuelles/wie-kuenstliches-licht-unsere-oekosysteme-im-meer-beeinflusst: Natürliches Licht folgt dem uns gewohnten Tag-Nacht-Zyklus. Doch durch die Zunahme der Bevölkerung, in den Küstenregionen unserer Erde, nimmt die Lichtverschmutzung durch künstliche Beleuchtung stark zu. Heutzutage sind rund 1,9 Millionen Quadratkilometer der weltweiten Küstenmeere in 1 Meter Tiefe künstlichem Licht bei Nacht ausgesetzt. Besonders die nächtliche Außenbeleuchtung entlang von Straßen und Häusern beeinflusst die direkte Umgebung. Zusätzlich vergrößert Lichtstreuung in der Atmosphäre – etwa an Wasser, Staub- oder Gasmolekülen – die Fläche an diffuser Lichtverschmutzung. Zu den am stärksten beeinflussten Gebieten gehören das Mittelmeer, das Rote Meer, der Persische Golf, sowie die Küstenregionen Südostasiens. Künstliches Licht bei Nacht wirkt sich besonders auf die Ökologie, also die Wechselbeziehungen zwischen den Lebewesen und ihrer Umwelt, in den küstennahen Gebieten aus. Denn die meisten Organismen auf unserem Planeten orientieren sich an einem natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus. Rund ein Drittel aller Wirbeltiere, wie etwa viele Fische oder Vögel, und mehr als die Hälfte aller wirbellosen Tiere, wie Korallen, Krebse oder Seesterne, sind bei Nacht aktiv. Dabei sind sie für ihre Aktivitäten, etwa zur Nahrungssuche oder der Interaktion mit ihren Artgenossen, auf die Dunkelheit angewiesen. Räuberische Arten hingegen können durch künstliches Licht ihre Beute besser erkennen und dadurch andere nachtaktive Arten verdrängen. https://www.helmholtz-klima.de/aktuelles/wie-kuenstliches-licht-unsere-oekosysteme-im-meer-beeinflusst

Insekten unter Wasser reagieren empfindlich auf Lichtverschmutzung
Neue Forschungsergebnisse des Leibniz-Instituts für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB) zeigen, dass der Staubsaugereffekt auch unter Wasser gilt und dass die derzeitigen Strategien zur Verringerung der Auswirkungen der Lichtverschmutzung nicht weit genug gehen, um aquatische Insektenarten zu schützen. https://nachrichten.idw-online.de/2021/09/22/insekten-unter-wasser-reagieren-empfindlich-auf-lichtverschmutzung

Weiteres: Bäume, Pflanzen, Böden

Bäume
Proteins on the Move: Bäume (und andere Pflanzen) sind nicht nur wichtige Lebensräume sowie Rückzugsorte vieler Tierarten sondern verfügen selbst über innere Uhren, die – angepasst an die Erdrotation – einen ca. 24-Stunden-Rhythmus steuert. Biologie in unserer Zeit (biuz.de) / https://doi.org/10.1002/biuz.202070405

Darin heißt es: „Wie die meisten Organismen, nutzen höhere Pflanzen eine Innere Uhr, um sich an die periodischen Veränderungen in ihrer Umgebung, die durch die Erdrotation bedingt sind, anzupassen. Das Uhrwerk tickt dabei in jeder Zelle. Es ist aus Proteinen aufgebaut, die ihre eigene Synthese im 24-Stunden-Takt an- und abschalten und damit ihre eigenen 24-h-Rhythmen erzeugen. Bei einer Störung in diesen „Uhr“-Proteinen geht die Uhr falsch. Damit die innere Uhr im Einklang mit der Außenwelt tickt, wird sie durch das Tageslicht eingestellt.“ Schaden durch künstlichem Licht in der Nacht entsteht bei Bäumen und anderen Pflanzen dadurch, dass der herbstliche Laubfall so verzögert wird, dass der anschließende „Winterschlaf“ zu spät kommt und der Baum sich nicht mehr rechtzeitig gegen Kälte und Frost schützen kann. Außerdem vergrößert sich durch das Kunstlicht die Blattoberfläche im Sommer, sodass anteilig mehr Luftverschmutzung und Verdunstung dem Baum auch im Sommer schaden.

Zudem „schlafen“ Bäume : https://www.wissenschaft.de/umwelt-natur/baeume-sinken-buchstaeblich-in-den-schlaf/  Sie benötigen natürliche Dunkelheit wie Menschen auch.

2025: Künstliches Licht verschiebt die Jahreszeiten in den Städten stärker als der Klimawandel. Artificial light at night outweighs temperature in lengthening urban growing seasons | Nature Cities  und Nonuniform response of vegetation phenology to daytime and nighttime warming in urban areas | Communications Earth & Environment

„Chinesische Forscher entdecken eine überraschende Wirkung von nächtlicher Straßenbeleuchtung: Offenbar nutzen (einige) Bäume das Licht, um ihre Blätter ungenießbar für Insekten zu machen. Das trägt zum Insektensterben bei.“ 08_2024: Studie: https://www.frontiersin.org/journals/plant-science/articles/10.3389/fpls.2024.1392262/full und Berichterstattung: „Kunstlicht lässt Bäumen andere Blätter wachsen – mit Folgen für die Artenvielfalt“: https://www.geo.de/natur/kunstlicht–strassenbaeumen-wachsen-andere-blaetter—mit-folgen-fuer-die-artenvielfalt-34951084.html?utm_source=pocket-newtab-de-de und https://www.mdr.de/wissen/umwelt-klima/strassen-laternen-machen-blaetter-haerter-ungeniessbar-fuer-insekten-artensterben-100.html

Invasive Pflanzen: Künstliches Licht in der Nacht (ALAN) könnte das Risiko von Pflanzeninvasionen erhöhen: Zum Beispiel wurde in einer Feldstudie ein positiver Zusammenhang zwischen dem Vorhandensein von Straßenbeleuchtung und dem invasiven Unkraut Trespe (Bromus tectorum) entdeckt. Da ALAN den fundamentalen Lebensraum invasiver Pflanzen und potenzieller Interaktionspartner, sowohl tagaktiver als auch nachtaktiver, in den Invasionsgebieten verändern könnte, ist es wahrscheinlich, dass sowohl direkte als auch indirekte Auswirkungen von ALAN Pflanzeninvasionen beeinflussen können. Plant invasions under artificial light at night: Trends in Ecology & Evolution

Blaualgen (Cyanobakterien): (2025): https://www.igb-berlin.de/news/naechtliches-himmelsleuchten-regt-blaualgenwachstum-und-stoffumsaetze: Nächtliches Himmelsleuchten (Skyglow) durch Lichtverschmutzung fördert das Wachstum von Cyanobakterien (gemeinhin auch Blaualgen genannt) deutlich und regt die Stoffumsätze in Seen an. Die Bakterien können giftige Stoffe (Toxine) bilden, die bei hoher Konzentration den im Wasser lebenden Tieren gefährlich werden und das Ökosystem eines Gewässers aus dem Gleichgewicht bringen. Auch bei Hunden und Menschen kann der Kontakt zu Vergiftungen führen. Siehe: https://www.br.de/nachrichten/wissen/darum-sind-blaualgen-in-seen-gefaehrlich-fuer-mensch-und-hund,S2v6zWu

Quelle: IGB 1-s2.0-S0043135425002295-ga1_lrg.jpg (2213×886)

Die Forschenden fordern eine bessere Berücksichtigung der Lichtverschmutzung als Einflussfaktor auf Gewässer: Es ist wichtig zu erkennen, dass bereits geringe künstliche Beleuchtungsstärken, die weit unter dem Niveau des Vollmonds liegen, durch das künstliche Himmelsleuchten negative Auswirkungen haben können. „Unter Skyglow veränderten sich im Experiment die Bakteriengemeinschaften und damit auch Stoffumsetzungen, wie genetische Analysen der Lebensgemeinschaften und massenspektrometrischen Analysen der gelösten Inhaltsstoffe in Wasserproben zeigten. Dabei wurde deutlich, dass Skyglow beispielsweise den bakteriellen Abbau von durch Algen gebildete organische Substanz steigert und insgesamt den Kohlenstoffkreislauf im See anregt.“genetische Analysen der Lebensgemeinschaften und massenspektrometrischen Analysen der gelösten Inhaltsstoffe in Wasserproben zeigten. Dabei wurde deutlich, dass Skyglow beispielsweise den bakteriellen Abbau von durch Algen gebildete organische Substanz steigert und insgesamt den Kohlenstoffkreislauf im See anregt.“ https://doi.org/10.1016/j.watres.2025.123315 Skyglow increases cyanobacteria abundance and organic matter cycling in lakes – ScienceDirect

Boden:
„Nächtliche Lichtverschmutzung gefährdet ober- und unterirdische Ökosysteme mit Konsequenzen für deren Stabilität und menschliches Wohlergehen:
Mithilfe des iDiv-Ecotrons, das aus mehreren kontrollierbaren Ökosystemen (sogenannten EcoUnits) besteht, simulierten und veränderten die Forscherinnen und Forscher die nächtlichen Lichtverhältnisse. Zu den wichtigsten Ergebnissen in diesem Zusammenhang gehören: Die Auswirkungen von künstlichem Licht erreichen auch unterirdische Bodengemeinschaften und beeinflussen die Bodenatmung sowie die Effizienz der Kohlenstoffnutzung.“  https://www.idiv.de/de/news/news_single_view/5202.html

MENSCHEN (kleine Auswahl; u.a. zur Augengesundheit)

2025: Zehn Jahre dauernde Studie zeigt, dass eine stärkere nächtliche Lichteinwirkung mit einem erhöhten Auftreten von koronarer Herzkrankheit, Myokardinfarkt, Herzinsuffizienz, Vorhofflimmern und Schlaganfall verbunden ist. https://www.spiegel.de/gesundheit/diagnose/zu-viel-licht-im-schlafzimmer-beguenstigt-herz-kreislauf-erkrankungen-a-157a95e8-ef6a-4359-956a-a012e3beef48?sara_ref=re-so-app-sh und https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2840489.

Eine andere Studie ergab, dass helles Licht in der Nacht das Risiko für Herzinfarkt und Herzinsuffizienz deutlich erhöht, insbesondere bei jüngeren Erwachsenen.

Ausführlich hierzu unterschiedliche medizinische Beiträge im BfN-Skript 336: https://bfn.bsz-bw.de/frontdoor/deliver/index/docId/455/file/Skript_336.pdf

Augen

PHOTOBIOLOGIE – Gefährdung der Augensicherheit durch Einsatz künstlichen Lichts in der Außenbeleuchtung

Als „Licht“ wird der sichtbare Teil der optischen Strahlung – zwischen der UV -Strahlung und der Infrarot-Strahlung – bezeichnet. Die meisten Menschen nehmen Wellenlängen zwischen circa 400 Nanometern (nm) und 780 nm mit dem Auge wahr. Im Unterschied zu natürlichen Lichtquellen wie Sonne, Mond und der Sternenhimmel, handelt es sich bei Kunstlicht um künstlich erzeugte elektromagnetische Strahlung mit Hilfe künstlicher Leuchtmittel. Hier hat sich in den letzten Jahren die LED auf dem Markt durchgesetzt. Gegenüber herkömmlichen Leuchtmitteln bieten sie einige Vorteile wie einen geringen Stromverbrauch bei gleichzeitig hoher Lichtausbeute. Des Weiteren kann das Lichtspektrum von LED beliebig zusammengesetzt werden während frühere Leuchtmittel stets das für ihre Art typische Lichtspektrum aufwiesen, wie z.B. Natriumdampf, Halogen, Neon. Nachteile sind u.a. der Verbrauch an Edelmetallen, die eingeschränkte Recyclingfähigkeit und die bereits dokumentierte Gefahr der Übernutzung von Kunstlicht durch die günstige Verfügbarkeit (Rebound-Effekt) sowie die unzähligen Anwendungsmöglichkeiten. Zudem gibt es eine Tendenz zum Einsatz höherer Lichtströme. Hohe Lichtintensitäten führen grundsätzlich zur Blendung und können insbesondere in Kombination mit einem hohen Blauanteil im sichtbaren Licht mit Wellenlängen unter 500 nm zu Augenschäden wie photochemischen Veränderungen der Netzhaut (Blaulichtgefährdung) führen.

  • Fachverband für Strahlenschutz: Kunstlicht ist künstlich erzeugte elektromagnetische Strahlung. Der Fachverband für Strahlenschutz benennt deshalb die Lichtverschmutzung durch den Einsatz von Kunstlicht in der Nacht als „Strahlung des Jahres 2024“um auf diese häufig übersehene Strahlungsproblematik aufmerksam zu machen. https://www.fs-ev.org/themen/strahlung-des-jahres
  • Bundesamt für Strahlenschutz: Risikogruppen (RG) der photobiologischen Sicherheit zur Einstufung verschiedener Leuchtmittel in vier Gruppen. Nur der Einsatz von Leuchten RG 0 (keinerlei Gefahr) und 1 (geringes Risiko) schließen Schädigungen der Netzhaut weitgehend aus. Bereits RG 2 führt bei direktem oder längeren Blick zu Schädigungen bei Menschen. Für die Risikogruppe 2 ist eine Kennzeichnung erforderlich; dabei wird ein spezielles Gefährdungssymbol benutzt:

RG 3 ist in der Allgemeinbeleuchtung nicht zugelassen. Es sollten daher nur Leuchten RG 0 und 1 in der Außenbeleuchtung eingesetzt werden:

https://www.bfs.de/DE/themen/opt/sichtbares-licht/schutz/schutz-licht.html  und BAuA – Elektrische Produkte – Verbraucherinformation zu Licht emittierenden Dioden (LED) – Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und sowie Gesundheitliche Auswirkungen von künstlichem Licht – Europäische Kommission

Ausdrücklich unterstützt die Kommission Umweltmedizin die Forderung der französischen „Agence nationale de sécurité sanitaire de l’alimentation, de l’environnement et du travail“ (ANSES [1, 3], Käufer und Nutzer über mögliche photobiologische Risiken (Gefahr der Blendung und Netzhautschädigung beim direkten Hineinsehen in LED-Strahler) zu informieren. Eine leicht verständliche Beschriftung auf der Verpackung entsprechender Produkte sollte auf die zugehörige Risikoklasse (photobiological safety risk group) dieser Produkte hinweisen.“

ANSES (2010) Effets sanitaires des systèmes d’éclairage utilisant des diodes électroluminescentes (LED). Avis de l’Anses, Rapport d’expertise collective, Saisine n° „2008-SA-0408“. Agence nationale de sécurité sanitaire de l’alimentation, de l’environnement et du travail. Maisons-Alfort, le 19 octobre 2010. https://www.anses.fr/fr/system/files/ AP2008sa0408.pdf. al. http://www.baua.de/de/Publikationen/Fachbeitraege/F2115.pdf?__blob=publicationFile&v=4. Zugegriffen: 05. Aug. 2015

LED-Licht könnte toxisch sein: http://www.wissenschaft-frankreich.de/de/gesundheit/led-lampen-koennten-fuer-die-augen-toxisch-sein/   „Ein Forschungsteam des Inserm hat gezeigt, dass LED-Lampen potenziell toxisch für die Augen sind. Diese Lampen kommen täglich zum Einsatz und könnten die altersbedingte Makuladegeneration aufgrund bestimmter Wellenlängen fördern.“

Prophylaxe durch Lichthygiene:

Prophylaxe durch Lichthygiene – Ein Plädoyer für einen verantwortungsvolleren Umgang mit Kunstlicht mit Blick auf die Augengesundheit von Prof. Dr. Peter Heilig, Universitätsklinik für Augenheilkunde und Optometrie, Medizinische Universität Wien, Österreich: https://hellenot.org/fileadmin/user_upload/PDF/WeiterInfos/15_ConceptOphthalmologie_Lichthygiene.pdf  sowie SCIENCO Science StudioTalk – Interview mit Univ. Prof. Dr. Peter Heilig zum Thema “Kunstlicht in unseren Augen” und Auswirkungen auf den Straßenverkehr: https://www.youtube.com/watch?v=k9k_wG5lacA

Der Augenkundler führt im SCIENCO Science StudioTalk – Interview u.a. folgende photobiologisch relevanten Punkte an, die insbesondere in der Planung der Außenbeleuchtung Berücksichtigung finden sollten:  

Bleibende Schäden durch natürliches und künstliches Licht:

  • Hohe Lichtintensitäten in Kombination mit langer Exposition können zu bleibenden Schäden führen.
  • Es treten funktionelle und morphologische Veränderungen des Auges auf, ebenso elektrophysiologische Veränderungen. Dies bedeutet, dass die elektrische Antwort des Auges bei Messungen entsprechend der Schädigung reduziert ist. Bei einer Untersuchung des Auges sind die Schäden sichtbar.
  • Frühe Anzeichen von Schäden:
  • Die Schädigung beginnt schleichend, oft ohne akute Symptome. Ein Beispiel dafür ist eine leichte Farbsinnstörung, wie etwa eine erworbene Dichromasie, bei der Farben nicht mehr klar wahrgenommen werden (z. B. Weiß erscheint grau).
  • Blaulichtanteil (Wellenlängen unter 500 nm)
  • Blaues Licht wird nicht auf der Netzhaut, sondern im Glaskörper gebündelt. Dies führt zu „Zerstreuungskreisen“ auf der Netzhaut, wodurch das Licht stärker gebündelt und gestreut wird, was die Wahrnehmung stört. Blaues Licht hat zudem eine höhere Energie – es besitzt doppelt so viel Energie in Elektronenvolt wie langwelliges Licht.

Dunkeladaptation:

  • Anpassungsfähigkeit des Auges:
  • Das menschliche Auge hat die Fähigkeit, sich an sehr geringe Lichtintensitäten anzupassen, was elektrophysiologisch nachweisbar ist. Das bedeutet, dass wir mit Kunstlicht aus augenphysiologischer Sicht sparsamer umgehen sollten, da es die Systeme schnell überfordert.

Auswirkungen auf den Straßenverkehr

  • Sichtbarkeit und Kontrast:
  • Bei gelbem Licht können wir schärfer sehen, da die Kontraste besser sind. Alles, was wir sehen, hat einen „Blue Blur“ (chromatische Aberration), der durch gelbe Filter reduziert wird. Auf einer Kontrast-C-Probentafel sieht man mit gelbem Licht zwei Zeilen mehr. Gelbes Licht blendet nicht, lenkt nicht ab und streut weniger, weshalb es im Straßenverkehr vorzuziehen ist.
  • Überreizung:
  • Tagfahrlichter führen nicht unbedingt zu Schäden, jedoch wird jeder Lichtreiz, der peripher ins Auge dringt, verarbeitet. Eine Überlastung des visuellen Kurzzeitspeichers kann dazu führen, dass ein Kind am Zebrastreifen nicht wahrgenommen wird, was als „intentional blindness“ bezeichnet wird. Dies kann zu fatalen Unfällen führen, bei denen der Fahrzeugführer nicht schuld ist.
  • Bedeutung von „Blue Hazard“:
  • „Blue Hazard“ bedeutet, dass blaues Licht keine Erhöhung der Sicherheit bietet. Insbesondere bei Tagfahrlichtern, deren Licht gezielt in die Augen des Gegenverkehrs strahlt, oder bei Scheinwerfern, die in alle Richtungen streuen. Selbst Fahrradscheinwerfer sind oft bläulich-weiß und können andere Radfahrer blenden.
  • Blendung im Straßenverkehr und Erholungszeit der Netzhaut nach Blendung – Disability Glare
  • Die Netzhaut benötigt in der Regel zu lange, um sich von einer Blendung zu erholen. Die Erholungszeit der Retina verlängert sich mit der Dauer der Lichteinwirkung. Während dieser Phase fühlt sich der Verkehrsteilnehmer, als befände er sich in einem schwarzen Tunnel. Blendung sollte idealerweise vermieden werden. Lichttechnik beschreibt Blendung als „physiologische Blendung“, während auch psychologische Aspekte eine Rolle spielen. Besonders bei starkem Licht, das von unten ins Auge dringt, wie bei Bodenscheinwerfern, können ältere Menschen mit bestehenden Netzhautschäden desorientiert werden.

Wer ist stärker durch Lichtstress gefährdet?

Junge vs. alte Augen:

  • In jungen Augen kann noch selbst ultraviolettes Licht bis zur Netzhaut dringen. Ultraviolettes Licht hat eine noch höhere Energie.
  • Mit zunehmendem Alter verfärbt sich die Linse gelblicher und filtert ultraviolettes Licht. Theoretisch ist daher ein Kind durch energiereiches Licht stärker gefährdet (daher ist das Tragen einer Schutzbrille und der vorsichtige Umgang mit Taschenlampen wichtig).
  • Bei älteren Menschen, die bereits Netzhautschäden oder andere Veränderungen haben, ist das Risiko dennoch größer als bei jungen Menschen (Makuladegeneration, Photoritinitis)

Prävention von Lichtschäden durch den Experten:

  • Es ist notwendig, dass sich mehr Lichthygiene durchsetzt.
  • Um die Blendung von LEDs zu minimieren – sofern der Kunstlichteinsatz nicht grundsätzlich vermeidbar ist – können folgende Strategien hilfreich sein:
    • Geringe Intensitäten und Verpflichtung zur Dimmmöglichkeit des Produkts
    • Einsatz von Diffusoren zur Streuung des Lichts und zur Reduktion der Intensität der direkten Lichtstrahlen.
    • Wahl der Farbtemperatur von LEDs mit einer wärmeren Farbtemperatur (max. 2200 K)
    • Richtige Platzierung: LEDs sollten so platziert werden, dass sie nicht direkt in die Augen strahlen.

Information zur Schädlichkeit von Kunstlicht für die Augen aus der Publikation „Überdosis Licht“  von Prof. Dr. Heilig, Universität Wien

Blendung und visuelle Desorientierung: Ungeschützte Exposition zu natürliche Licht (Sonne) Intensives Kunstlicht, insbesondere mit einem hohen Anteil an blauem Licht, kann zu „Disability Glare“ führen, einer visuellen Beeinträchtigung, die temporäre Desorientierung verursacht und die Erholungszeit der Netzhaut nach Blendung verlängert. Diese verlängerte Erholungszeit, auch als „retinal recovery time“ bekannt, beeinträchtigt die visuelle Wahrnehmung und das räumliche Orientierungsempfinden, was besonders im Straßenverkehr gefährlich sein kann.  à siehe hierzu auch: BUAU Blendung.pdf

  • Phototoxische Effekte des blauen Lichts: Kurzwelliges, energiereiches blaues Licht ist phototoxischer als Licht mit längeren Wellenlängen. Es hat die Fähigkeit, die retinalen Zellen zu schädigen, indem es stärkere Streuung im Auge verursacht und dadurch die Sehschärfe negativ beeinflusst. Diese Streuung, auch als „blue blur“ bezeichnet, führt zu einer geringeren Bildqualität und einer verstärkten Blendungsempfindlichkeit.
  • Überreizung der visuellen Wahrnehmung: Die kontinuierliche Exposition gegenüber intensivem Kunstlicht führt zu einer Überreizung der visuellen Wahrnehmung, was zu einer „Inattentional Blindness“ führen kann. Dieses Phänomen beschreibt eine reduzierte Fähigkeit zur selektiven Wahrnehmung von Reizen aufgrund einer Überlastung der kognitiven Verarbeitungskapazitäten, was langfristig die visuelle Leistung und die Fähigkeit zur effizienten Wahrnehmung beeinträchtigt.
  • Chronodisruption bzw. chronobiologische Störungen und Melatonin-Suppression: Kunstlicht, insbesondere Licht mit hohem Blauanteil, stört die zirkadiane Rhythmik, indem es die Produktion von Melatonin unterdrückt. Melatonin ist ein Hormon, das die Schlaf-Wach-Regulation steuert. Eine chronische Unterdrückung von Melatonin durch Kunstlicht, insbesondere während der Nacht, kann zu Schlafstörungen und langfristig zu weiteren gesundheitlichen Beeinträchtigungen führen, wie etwa einer erhöhten Prädisposition für immunologische Störungen und anderen chronischen Erkrankungen.
Schlaganfall (2024)

Die Luft- und Lichtverschmutzung wurden jeweils mit schädlichen Auswirkungen auf die Gesundheit des Gehirns in Verbindung gebracht, so eine neue Studie: More exposure to artificial, bright, outdoor night-time light linked to higher stroke risk | ScienceDaily

Presse:  Live in a big city? Bright lights at night could increase your risk of stroke | Euronews

„Menschen, die nachts ständig hellem, künstlichem Licht ausgesetzt sind, haben möglicherweise ein erhöhtes Risiko, Erkrankungen zu entwickeln, die die Durchblutung des Gehirns beeinträchtigen, und einen Schlaganfall zu erleiden. Dies geht aus Forschungsergebnissen hervor, die heute in Stroke, der von Experten begutachteten wissenschaftlichen Zeitschrift der American Stroke Association, einer Abteilung der American Heart Association, veröffentlicht wurden.“

Lichtverschmutzung und Alzheimer (2024)

„Lichtverschmutzung erhöht Risiko für Jüngere: Künstliches Licht während der Nacht könnte ein wichtiger Risikofaktor für Alzheimer sein. Laut einer neuen Studie aus den USA erhöht Lichtverschmutzung das Risiko für eine Erkrankung stärker als viele andere Risikofaktoren, und zwar bei Menschen unter 65 Jahren“ https://science.orf.at/stories/3226569/ Studie: https://www.frontiersin.org/journals/neuroscience/articles/10.3389/fnins.2024.1378498/full

Melatonin-Drosselung: Selbst die niedrigen Lichtintensitäten einer städtischen Lichtglocke reduzieren die Bildung des sogenannten Dunkelhormons. https://www.igb-berlin.de/news/lichtverschmutzung-unterdrueckt-dunkelhormon-melatonin-bei-mensch-und-tier

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