Wenn „nachts“ oder „im Dunkeln“ eigentlich „allein“ an einsamen Orten und immer unter beleuchteten Straßen meint

Angstpolitik statt reale Gefahren

Dieser Blog handelt davon, dass aus Nachtabschaltungen keine realen Probleme resultieren – sie bringen im Gegenteil handfeste Vorteile, die durchaus erkannt werden. Und dennoch verhindert eine unsachliche Angstpolitik kluge politische Entscheidungen. Mit Konsequenzen, die uns alle betreffen:

Über 20 000 Kommunen in Frankreich schalten nachts die öffentliche Straßenbeleuchtung ab – mit einem Selbstverständnis, Energie und Biodiversität zusammen zu bringen – auf nette freundliche Art. Mehr dazu: Nachtabschaltung der öffentlichen Beleuchtung! – Naturnacht Fulda-Rhön


Die Datenlage ist eindeutig, und Jahrzehnte kommunaler Praxis bestätigen sie: Nachtabschaltungen erhöhen die Kriminalität nicht. Es ist daher politisch verantwortungslos, diese gesicherten Erkenntnisse zugunsten diffuser Bauchgefühle beiseitezuschieben — zumal wenn dabei der Begriff der „subjektiven Sicherheit“ so eingesetzt wird, dass er sachliche Debatte ersetzt statt ergänzt.

Wer Ängste schürt, statt sie zu entkräften, klärt nicht auf — er bedient Vorurteile. Und eine Kriminalitätsfurcht, die in einem auffälligen Missverhältnis zum tatsächlichen Risiko steht, ist kein Kavaliersdelikt: Sie verursacht handfeste individuelle und gesellschaftliche Kosten, wie das Zentrum für Kriminalitätsforschung belegt. Gleichzeitig blendet sie aus, was tatsächlich auf dem Spiel steht — Artensterben, klimarelevante Emissionen durch nächtliche Gasverstromung, erhebliche Lichtimmissionen für Flora und Fauna — und lenkt Ressourcen von echten Präventionsaufgaben ab, etwa der Bekämpfung von Partnergewalt, die statistisch das weitaus größere Risiko darstellt.

Politische, polizeiliche und soziale Maßnahmen, die das subjektive Sicherheitsgefühl stärken wollen, sind dann sinnvoll und glaubwürdig, wenn sie beides leisten: die realen Vorteile der Nachtabschaltung benennen und ehrlich darauf hinweisen, dass viele der damit verbundenen Befürchtungen einer sachlichen Grundlage entbehren. Aufklärung statt Angstpflege und Real- statt Angstpolitik — das wäre das Mindeste.

In Kürze – unten ausführlich:

Obwohl viele Kommunen in Deutschland und mehr noch – über 20 000 – in Frankreich die Leuchtdauer der Straßenbeleuchtung zeitlich begrenzen und obwohl Polizeistatistiken, Studien und Untersuchungen zeigen, dass damit keine Probleme bzgl. Anstieg Kriminalität verbunden sind, werden oftmals diffuse und undifferenzierte Begriffe wie „subjektive Sicherheit“ benutzt, um Abschaltungen zu verhindern oder aufzuheben – obgleich viele Menschen die Vorteile kennen, die natürliche Dunkelheit nicht als Problem sehen und nicht hilflos sich eigenverantwortlich verhalten können. Siehe hierzu ausführlich: Nachtabschaltung der öffentlichen Beleuchtung! – Naturnacht Fulda-Rhön

Das heißt, es werden trotz eindeutiger Datenlage diffuse Ängste und Kriminalitätsfurcht geschürt, wenn mit „subjektiver Sicherheit“ gemeint ist, zufällig Opfer von Einbruch oder Überfällen zu werden, was pauschal mit „Dunkelheit“ begründet wird.

Sicherheit und Dunkelheit – was wirklich stimmt:

Das Unbehagen kommt nicht von der Dunkelheit – es kommt vom Alleinsein.

Wer nachts oder tagsüber an einsamen Orten unterwegs ist und Begleitung hat, fühlt sich wohl. Egal wie abgelegen oder dunkel oder beleuchtet es ist. Das kennt jeder aus eigener Erfahrung – zum Beispiel von Spaziergängen oder Sternenführungen in der Nacht. Wer aber alleine ist, dem hilft Licht wenig – im Gegenteil. Im Licht ist man sichtbar. Man kann eingeschätzt werden. Man wird zum leichten Ziel. Die Rede nennt das treffend den „Laufsteg-Effekt“: Wer beleuchtet ist, präsentiert sich unfreiwillig. Dunkelheit kann also schützen – weil man nicht gesehen wird und schwerer einzuschätzen ist. Dass die Wahrnehmung verzerrt ist liegt vor allem daran, dass die Erfassung von Vorfällen und die Berichterstattung darüber zwar die Tatzeit oder Tatzeitraum erfasst, aber nicht die tatsächlichen Lichtverhältnisse vor Ort. D.h., die Auswertung von Vorfällen zeigt, dass „nachts“ oder „im Dunkeln“ tatsächlich „beleuchtete Bereiche im Straßenlampenlicht“ meint, während Vorfälle im Tageslicht – die Mehrzahl – nicht mit in Frage gestellt werden bzgl. der Tatsache, dass Licht – ob künstlich oder natürlich – Vorfälle überhaupt erst ermöglicht.

Einstiegsfrage:

Würde ein Zufallsopfer sagen, es wäre gerne gesehen worden? Ja oder Nein?

Hilft Stalkern und Exhibitionisten Licht für ihre Taten? Ja oder Nein? Brauchen

Einbrecher Licht für ihre Taten – ob tagsüber oder nachts? Ja oder Nein?


Ausführlich: Kriminalitätsfurcht – ein gefährliches gesellschaftliches Problem:

Wenn individuelle Kriminalitätsfurcht und die tatsächliche Kriminalitätsentwicklung (lt. BKA ist Zahl der registrierten Straftaten seid Jahren rückläufig) auseinander klaffen, ist dies eine gefährliche gesellschaftliche Entwicklung, da sie den sozialen Zusammenhalt schwächt, Rückzugsverhalten fördert und die gesellschaftliche Polarisierung vorantreibt. Davon profitieren vor allem jene, die Demokratie und Rechtsstaat untergraben wollen – Populisten und Extremisten, die Angst als politisches Werkzeug nutzen.

In Zeiten des Artensterbens, des Insektenrückgangs und der Klimakrise durch Lichtverschmutzung kommt uns falsche Kriminalitätsfurcht zu teuer zu stehen. Wer Kunstlicht mit Sicherheit begründet, ohne die Fakten zu prüfen, zahlt einen doppelten Preis: Er löst das gesellschaftliche Problem nicht – und schafft dabei ein massives ökologisches und ökonomisches, denn die Stromkosten für die nächtliche Beleuchtung sind oft der größte Stromposten von Kommunen. Zudem wird die Energiewende verzögert. In diesem Beitrag geht es um die Befürchtungen, zufällig überfallen zu werden und die Angst vor Einbruch und was die Polizei und die Berichterstattung damit zu tun hat.



Das Problem

Die Reduzierung von Lichtimmissionen ist aus vielen Gründen eine der wichtigsten aber auch herausforderndsten Aufgaben dieser Zeit, da sie eine der Hauptursachen des Artensterbens und ein Klimatreiber ist. https://naturnacht-fulda-rhoen.de/ressourcen/sammlung-auswirkungen-von-kunstlicht-bei-nacht/

Gleichzeitig sind sehr unterschiedliche Beleuchtungspraktiken zu beobachten: Man sieht beleuchtete Kreisel und unbeleuchtete, man sieht angestrahlte Kirchen und nicht angestrahlte Gebäude, man sieht Ortschaften mit sehr hohen Lichtmasten und solche, wo nur der Gehweg entlang der Hauptstraße beleuchtet wird, man kennt Kommunen, die die öffentliche Beleuchtung zeitlich begrenzen und solche, die durchleuchten. In diesen Beschreibungen zeigt sich das Potenzial zur Reduzierung von Lichtimmissionen – weil alles problemlos funktioniert.

D.h., eigentlich wäre es einfach, Lichtimmissionen besser in den Griff zu bekommen. Z.B., in dem man nachts die Beleuchtung abschaltet. Solche Vorschläge werden jedoch immer wieder abgewiesen mit dem Hinweis, dass es „nachts“ oder „im Dunkeln“ mehr Kriminalität gäbe wie Einbruch oder Überfälle und Unfälle. Diese Vorurteile sind durch Statistiken, Studien, Untersuchungen und Erfahrungen in den Kommunen, die nachts abschalten zwar schon längst für jeden überprüfbar widerlegt -halten sich aber hartnäckig.

  1. Kriminalitätsfurcht – ein massives gesellschaftliches Problem

D.h., wir haben es mit einem Phänomen namens Kriminalitätsfurcht zu tun. Die Bundeszentrale für Politische Bildung schreibt auf https://www.bpb.de/themen/innere-sicherheit/dossier-innere-sicherheit/76648/kriminalitaetsfurcht/ dazu:

„Kriminalitätsfurcht ist das subjektive Empfinden von Bedrohung durch Kriminalität, das unabhängig von tatsächlichen objektiven Kriminalitätsstatistiken existiert. Sie wird als gesellschaftliches Problem betrachtet, weil sie den sozialen Zusammenhalt schwächt, Rückzugsverhalten fördert, gesellschaftliche Polarisierung verstärkt und oftmals eine Diskrepanz zwischen realer und gefühlter Sicherheit aufweist.“

Ähnlich beschreibt es auch das Zentrum für Kriminalitätsforschung in der Publikation 08/2022: Panelstudie zur Wahrnehmung von Kriminalität und Straftäter:innen (PaWaKS) – ZKFS e.V.

  • Es besteht kein Zusammenhang zwischen tatsächlicher Kriminalitätsentwicklung und der subjektiven Wahrnehmung der Kriminalitätsentwicklung.
  • Die subjektiv wahrgenommene Kriminalitätsentwicklung der letzten fünf Jahre
    hängt positiv mit individueller Furcht vor Kriminalität zusammen.
  • Eine erhöhte Kriminalitätsfurcht ist mit hohen individuellen und gesellschaftlichen Kosten verbunden. Sie korreliert beispielsweise positiv mit
    Verschwörungsmentalität oder einem individuell gesteigerten Schutz- und
    Vermeidungsverhalten.
  • Daher ist ein Beitrag zu einer faktenbasierten Wahrnehmung von Kriminalität
    in der Gesellschaft unerlässlich.

Wie können Kriminalitätsentwicklung und Kriminalitätsfurcht bzgl. Einbruch und Überfall in Bezug auf Dunkelheit so dermaßen auseinanderklaffen?

1). Es fängt mit der methodischen Unschärfe in der Sprache bei der Erfassung und der Berichterstattung über nächtliche Vorfälle an – z.B. in den Medien, PMs der Polizei über das http://www.presseportal-blaulicht.de oder bei Aktenzeichen XY.

Die Begriffe „nachts“ und „Dunkelheit“ beschreiben nur wann etwas passiert – nicht wie hell es dabei war. War es wirklich natürlich dunkel? Oder doch eher künstlich erleuchtet? Das bleibt meist unklar. Dabei wäre genau diese Unterscheidung entscheidend, denn eine „beleuchtete Nacht“ oder eine „beleuchtete Dunkelheit“ ist das Gegenteil von „nachts“ oder „Dunkelheit“:

  • Natürliche Dunkelheit – kein Kunstlicht vor Ort
  • Künstlich beleuchtete Nacht – Straßenlaternen, Scheinwerfer, Gewerbelicht

Solange diese Unterscheidung in Berichten und Statistiken fehlt, entstehen Zerrbilder und Vorurteile und eine Stigmatisierung der Nacht. Erst wenn die tatsächlichen Lichtverhältnisse zur Tatzeit erfasst und genannt werden, ergibt sich ein belastbares Bild – und es ließe sich für jeden nachprüfbar feststellen, dass nächtliche Beleuchtung oder Tageslicht Vorfälle nicht verhindert sondern in der Regel begünstigt und Dunkelheit z.B. zufälligen Opfern Schutz und Deckung bieten könnte.

Aussagen der Polizei zur Kriminalität bei Nachtabschaltungen – sie nimmt einfach nicht zu, egal wie oft man es behauptet.

Die Polizei ist hier selbst das Problem, da sie zur Tatzeit nicht die tatsächlichen Lichtverhältnisse vor Ort erfasst. Würde sie es tun, liese sich schnell feststellen:

-Weder Tageslicht noch Dunkelheit – ob künstlich beleuchtet oder nicht – begeht Straftaten – sondern Menschen.

-Nächtliche Beleuchtung verhindert Vorfälle nicht per se, sondern ermöglicht und begünstigt sie oft – ebenso wie das Tageslicht, in dem die meisten Straftaten stattfinden, ohne das dabei die Sonne oder das Tageslicht stigmatisiert werden.

-Stalker, Einbrecher oder Exhibitionisten hätten es ohne Licht schlicht schwerer – Zufallsopfer würden gerne nicht gesehen werden.

-Nächtliches Dauerlicht fördert Alkoholkonsum, lässt den natürlichen Müdigkeitspunkt überschreiten, senkt Hemmschwellen – und begünstigt damit Aggressivität.

2.) Die Polizei sagt – und das Unsicherheitsgefühl

Fuldaer Zeitung 26.06.2026

Die Polizei widerspricht sich: Sie sagt, „es ist nicht nachzuweisen, dass in der Dunkelheit mehr Straftaten passieren als bei eingeschalteter Straßenbeleuchtung.“ und „Zur Frage, ob im Dunkeln mehr Straftaten begangen werden, könne die Polizei keine eindeutige und belastbare Aussage treffen.“ Diese Aussage liese sich jedoch seriös treffen, wenn neben der Tatzeit auch jeweils die tatsächlichen Lichtverhältnisse (Tageslicht, natürliche oder künstlich beleuchtete Nacht) vor Ort erfasst und kommuniziert werden würden. Unsere große Datensammlung zu Vorfällen macht diese wichtige Unterscheidung und kann gern zur Verfügung gestellt werden. Denn es zeigt sich, dass für fast alle Taten Licht – ob Tageslicht oder nächtliche künstliche Beleuchtung – notwendig ist.

D.h, wenn die Polizei sich widerspricht bzgl. nicht klar belegen kann, dass sich durch Tageslicht und nächtliche Beleuchtung die Kriminalität sinkt, dann fördert sie die Kriminalitätsfurcht, die ein gefährliches gesellschaftliches Problem darstellt, weil sie den sozialen Zusammenhalt schwächt, Rückzugsverhalten fördert und gesellschaftliche Polarisierung verstärkt und damit Feinden der Demokratie und des Rechtstaats und der Gewaltenteilung es leicht macht.

Dazu die Bundeszentrale für politische Bildung: Kriminalitätsfurcht | Innere Sicherheit | bpb.de

„Politische, polizeiliche und soziale Maßnahmen, die auf eine Verbesserung der subjektiven Sicherheit der Bürger abzielen, sind demnach sinnvoll, wenn übersteigerte Viktimisierungsängste zu realistischen Risikoeinschätzungen reduziert werden können. Ein absolutes Gefühl der Sicherheit kann jedoch niemals erreicht werden. Es ist wichtig, dass Bürgerinnen und Bürger ein Furchtniveau erreichen, das dem tatsächlichen Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, angemessen ist.“

Diesem Anspruch wird die Polizei bei einer weiteren Aussage nicht gerecht, wenn sie pauschal sagt: „Bei Dunkelheit erhöht sich das Unsicherheitsgefühl insbesondere bei Älteren und Frauen“. Doch stimmt das und wie lässt sich Kriminalitätsfurcht überhaupt messen?

Dazu die Kritik der BPB: Kriminalitätsfurcht | Innere Sicherheit | bpb.de vgl. hier zu auch BKA https://www.bka.de/DE/UnsereAufgaben/Forschung/ForschungsprojekteUndErgebnisse/Dunkelfeldforschung/SKiD/Projektbeschreibung/projektbeschreibung_node.html

„Die Erfassung von Kriminalitätsfurcht ist methodenabhängig und auf vielfältige Weise möglich. So überschätzt der weit verbreitete Standardindikator, der mit nur einer Frage 

„Wie sicher fühlen Sie sich, wenn Sie nach Einbruch der Dunkelheit allein in Ihrer Wohngegend unterwegs sind?“

das individuelle Sicherheitsempfinden erhebt, die tatsächliche personale Kriminalitätsfurcht generell als auch für bestimmte Teilgruppen wie Ältere und Frauen.“

Das heißt, das individuelle Sicherheitsempfinden wird in der Hauptsache mit einer Frage erhoben, die methodisch kaum ungenauer sein könnte: Sie verknüpft das eigentliche Problem – „allein“ – suggestiv mit einem bestimmten Zeitraum, der zwar „Dunkelheit“ assoziiert, die tatsächlichen Lichtverhältnisse – wie zuvor beschrieben – jedoch nicht abbildet. Denn nach Einbruch der Dunkelheit, wenn die Sonne also am Ende der nautischen Dämmerung 1ß – 12 Grad unter dem Horizont ist, sind längst die über den Dämmerungsschalter gesteuerten Straßenlampen in Betrieb.

Was das bedeutet:

  • Sobald es natürlich dunkel wird, ist es durch Kunstlicht bereits wieder künstlich hell
  • Die Frage fragt also in Wirklichkeit nach dem Sicherheitsgefühl allein bei künstlicher Beleuchtung – nicht bei echter Dunkelheit – was sich aber nicht in der exakten Auswertung oder Wahrnehmung spiegelt und zu einem Zerrbild führt.

Wer also sagt, er fühle sich „nach Einbruch der Dunkelheit unsicher“, meint in Wirklichkeit meist: unsicher im Schein der Straßenlaternen – nicht in echter Dunkelheit. Wie können weder die Polizei noch die Medien dies übersehen?

Davon unabhängig lässt die pauschale Behauptung, „Dunkelheit erhöhe das Unsicherheitsgefühl“ außer Acht, was ein reales Sicherheitsgefühl tatsächlich begründet – subjektiv wie objektiv: die Gesellschaft anderer Menschen.

Unsicher kann sich fühlen, wer alleine unterwegs ist, zu wenig belebten Zeiten – ob in künstlich beleuchteter oder natürlicher Dunkelheit – oder an wenig belebten Orten, etwa tagsüber im Wald, kann befürchten, zufällig Opfer zu werden, weil im Ernstfall niemand zur Hilfe eilen könnte.

Verstärkt werden kann dieses ohnehin individuell unterschiedlich ausgeprägte Unsicherheitsgefühl ausgerechnet durch nächtliche Beleuchtung: Sie macht die betreffende Person und ihre Umgebung für potenzielle Täter leichter einschätzbar – ein Effekt, der treffend als Laufsteg- oder Präsentiertellereffekt beschrieben wird. Dunkelheit kann hier schützend wirken. Unrein gesprochen haben es Stalker, Exhibitionisten und auch Einbrecher mit Licht leichter und kein Zufallsopfer würde wohl sagen, dass es gern gesehen worden wäre.

Blendung durch Gegenlicht führt zur photobiologischen Unsicherheit, denn das Sehfeld wird massiv eingeschränkt. Auch andere Faktoren wie Vermüllung oder Verwahrlosung eines Ortes können Unbehagen hervorrufen. Nächtliches Dauerlicht verlängert Verweildauer, fördert Alkoholkonsum, lässt den natürlichen Müdig-keitspunkt überschreiten, senkt Hemmschwellen – und begünstigt damit Aggressivität.

D.h., Beleuchtung kann gesellschaftliche Probleme durchaus schaffen und nicht lösen. Allen voran ersetzt sie nicht die Prävention von Partnergewalt, dem statistisch größten Risiko für Frauen, für das es weniger Mittel als für nächtliche Straßenbeleuchtung gibt, deren zeitliche Begrenzung zu später Stunde ungefährlich ist und die viele ökologische, ökonomische und kulturelle Vorteile bietet wie mehr Biodiversität, Steuergeldersparnis, Sternensicht.

Ernst nehmen – nicht schüren: STRATEGIEN GEGEN  UNSICHERHEIT!

Einsicht, dass weder Tageslicht noch nächtliches Kunstlicht Vorfälle verhindert oder gesellschaftlichen Probleme löst, sondern sogar ermöglichen kann und Erkenntnis, dass Beleuchtung gern wirksameren aber aufwändigeren Präventions- und Sicherheitsmaßnahmen vorgeschoben wird.

Öffentliche Beleuchtung/Umgebung

  • Umfassende Analyse: Sicherheitsorientiere Beleuchtung sollte der Orientierung dienen, nicht in unbelebte Bereiche locken und die wenigen Fußgänger/Innen in der Nacht zusammenführen:
    •  weniger Wege beleuchten = Wegführung, die Menschen zusammenführt
    • mehr mit gut sichtbaren Markierungen arbeiten
    • Typischerweise unbelebte Bereiche (Parks) nachts nicht beleuchten
    • Anforderung an Lichtgestaltung:  blendfrei, moderat zur Unterstützung unserer Sehfähigkeit, keine grellen Leuchten, angenehme warme Lichtfarben, „Laufstege“ vermeiden, niedrige Lichtpunkthöhen, schutzbietende Dunkelbereiche planen – Laufstege und Präsentierteller vermeiden
  • Präsenz der Einsatzkräfte, vermüllte und verwahrlosten Bereiche beseitigen

Was kann selbst  man tun:

  • nora App installieren und stets Taschenlampe mit sich führen  – Eigenverantwortung!
  • Heimweggruppen/Treffpunkte organisieren/digitale Vernetzung: „Wir laufen gemeinsam nach Hause!“
  • Begleit-Apps wie Wayguard, Life360, Angebote wie Heimweg-Telefon* nutzen
  • Trainieren, denn Entgegenkommende stellen grundsätzlich keine Gefahr dar.
  • Training – falsche Furcht überwinden steigert Selbstbewusstsein und  Lebensqualität – Heimwegtelefon e.V.
  • Vorteile der natürlichen Dunkelheit mit Sterne- Mondlicht kommunizieren, Sternenhimmel präsentieren

Seriöse Angebote von  Kommunen:

  • Wegführung, die die Menschen zusammenführt
  • Schul- und Heimweglotsen  organisieren: „Wir gehen gemeinsam heim“
  • Kommunale Heimweg-App/Telefon auf die Beine stellen
  • Disco-Shuttles; Heimbringservice
  • flexibles Anhalten Linien-Busse
  • vergünstigte Taxifahrten am Wochenende
  • Geld für : niedrigschwellige präventive Beziehungsberatungsangebote (wahre Gefahr sind Beziehungskonflikte)
  • Positive Kommunikation der Dunkelheit – auch über Nachteile Beleuchtung und Vorteile der Dunkelheitfür Tiere und Menschen (Schlaf),  Klima, Artenschutz, Sternenhimmel sprechen.

     Ausführlich: www.lichtverschmutzung-hessen.de

3. Einbruch in Wohnhäuser – Licht schreckt ab? Sonnenlicht oder Kunstlicht?

Auf ihrer Webseite http://www.k-einbruch.de gibt die Polizei Tipps, wie man Wohnhäuser vor Einbruch schützen könne Einbruchschutz beginnt beim eigenen Verhalten.

Auf den Unterseiten Grundstück sichern durch Gestaltung und Einfriedung und Gartenhaus sichern: Polizeiliche Tipps zum Einbruchschutz schreibt sie:

  • Auch Licht schreckt potenzielle Täterinnen und Täter ab – empfehlenswert sind Bewegungsmelder mit automatischer Beleuchtung.
  • „Licht wirkt auf Einbrecher abschreckend. Deshalb sollten einbruchgefährdete Bereiche beleuchtet sein.

Da nächtliches Kunstlicht in Gärten ein zunehmendes ökologisches Problem ist und zahlreichen Naturschutzbemühungen zuwiderläuft und durch die Grenzwerte für Lichtimmissionen aus dem Bundesimmissionsschutzgesetz sogar Rechtsbereiche berührt werden, müssten solche Behauptungen belastbar und nachvollziehbar belegt sein. Quellen werden nicht genannt, weshalb wir bei der für die Webseite zuständige Stelle der Polizei nachgefragt haben. Als Quelle wurde uns daraufhin die sog. Kölner Studie von 2017 (überarbeitet 2019) – Microsoft Word – Kölner Studie 2017(Fassung2019).doc und es hat sich herausgestellt, dass sich auf diese Studie viele Polizeistationen beziehen.

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