Himmelsvorschau Juni 2026

Planetenrendezvous am Westhimmel, Sommersonnenwende, SMILE und der Glühwürmchen-Blues

„Nun die Sonne soll vollenden ihre längste, schönste Bahn“ – mit diesen Zeilen aus dem Gedicht „Sonnenwende beschreibt der Dichter und Politiker Ludwig Uhland die endlos langen Tage und sehr kurzen Nächten, die uns im Juni bevorstehen. Am 21.6. erreicht die Sonne um 9.25 Uhr ihren höchsten Stand am Himmel und steht senkrecht über dem Wendekreis des Krebses. Dieser Tag markiert den längsten Tag des Jahres und den Beginn des Sommers auf der Nordhalbkugel.

Schönstes Mond- und Planetenrendezvous am Westhimmel

Damit ist der Juni zwar die nachtärmste Zeit– hält in diesem Jahr aber für alle Menschen, die den bestirnten Himmel über uns schätzen, und am besten auch schützen, einen der schönsten Himmelsanblicke parat. Es wird schon vielen aufgefallen sein, dass sich schon kurz nach Sonnenuntergang am blauen Westhimmel zwei sehr helle und ein gerade noch sichtbares Gestirn befinden. Der ganz schwach am Horizont erkennbare Merkur wird ganz klar von Jupiter, unserem Riesenplanet im Sonnensystem und Venus, auch Abendstern genannt, überstrahlt. In der antiken Mythologie ist Venus als Göttin der Liebe bekannt. Jupiter ist das römische Gegenstück zum griechischen Zeus, also der König der Götter. In der ersten Juni-Woche können wir am Himmel verfolgen, wie sich die Liebe dem König nähert und Venus und Jupiter immer näher aneinanderrücken. Am Abend des 10. Juni stehen sie ganz eng nebeneinander und nehmen dann wieder Abschied voneinander, in dem die Venus in Richtung Südost weiterzieht. Ab den 17. Juni gesellt sich der hauchdünne Sichelmond hinzu und wird am 30.06. den Juni als Vollmond beenden.

Die Planeten Jupiter und Venus mit den Sternen Pollux und Castor. Helmut Schnieder
Perlenketten-Himmelsanblick am 18. Juni 2026 gegen 22 Uhr (Stellarium)

SMILE für unseren Superstar Sonne

Es ist unsere Sonne, die Mond und Planeten zum Leuchten bringt und uns diese schönen Himmelsanblicke ermöglicht. Gleichzeitig ist sie ein dynamischer Himmelskörper.  Ihre Sonnenwinde sind für uns Menschen, Flora und Fauna dank des Erdmagnetfelds keine direkte Gefahr – starke geomagnetische Sonnenstürme jedoch können jedoch zum Beispiel Stromnetze und Navigationssatelliten gefährden. Für ein besseres Verständnis für die Wechselwirkung zwischen Sonnenwind und Erdatmosphäre und damit bessere Vorhersage ist nun die Satelliten-Mission SMILE (Solar wind Magnetosphere Ionosphere Link Explorer) der Europäischen Weltraumorganisation und Chinesischen Akademie der Wissenschaften gestartet. Mit an Bord sind auch hier wieder Instrumente höchster deutscher Ingenieurskunst, die auf den umfassenden astronomischen Erkenntnissen der letzten Jahrhunderte aufbauen.

Juni-Sternennächte

Abkühlung von der Sommerhitze bieten unsere Sternenächte. Auch wenn sie kurz sind und nach hinten verschoben – sind sie gerade in warmen Nächten besonders magisch.

Grafik: VdS

Nach Westen gehend räumen die Frühlingssternbilder Löwe und Jungfrau langsam das Feld – im Osten betreten die Sternbildern Leier, Schwan und Adler bereits die himmlische Bühne. Deren Hauptsterne Wega, Deneb und Atair bilden das charakteristische Sommerdreieck, dass uns ab jetzt bis in den Herbst hinein begleiten wird. Im Süden dominiert halbhoch am Himmel das Sternbild Bootes mit dem hellen, orangerot funkelnden Arcturus als Hauptstern. Links davon ist mit dem Sternbild nördliche Krone ein kleines, aber auffälliges Sternbild zu sehen, welches aus fünf, in einem Halbkreis angeordneten, Sternen besteht. Zwischen der nördlichen Krone und der Leier ist im Sternbild Herkules etwa auf halber Strecke zwischen Wega und Arcturus in dunklen Nächten ein schwach nebliger Fleck mit bloßem Auge zu erkennen, der im Fernglas sich als Kugelsternhaufen entpuppt. Die kugelförmige Ansammlung beherbergt ca. 100.000 Sternen in einer Entfernung von 25.000 Lichtjahren.

Glühwürmchen-Blues – für Emily ✨

Ausführlich siehe auch hier: Sind Glühwürmchen erst verschwunden, … – Naturnacht Fulda-Rhön

Vor der Uhrumstellung 1980 dämmerte es in den warmen Nächten des Sommers schon eine Stunde früher und Groß und Klein konnten noch vor dem Zubettgehen die Glühwürmchen sehen, die wie kleine tanzende Lichter über dem Garten schwebten. Heute verpassen viele Kinder diese magischen Momente nicht nur wegen der künstlich später einsetzenden Dämmerung – die Glühwürmchen selbst sind auch deutlich seltener geworden.

Ein Hauptgrund für das Verschwinden ist, dass die dämmerungs- und nachtaktiven Tiere zur Partnersuche auf Dunkelheit und ihr eigenes Leuchten angewiesen sind. Die flugfähigen Männchen fliegen durch die Nacht und senden Lichtsignale aus, die die flugunfähigen Weibchen vom Boden aus beantworten – ein fein abgestimmter Liebesdialog aus kurzen Lichtblitzen. Doch die „Glühwürmchen-Hochzeit“ wird durch unser Handeln maßgeblich gestört und verhindert: Künstliches Licht von Straßenlaternen, die in Gärten hineinstrahlen, unnötige und ungünstige Außenbeleuchtung und seit einigen Jahren zusätzlich die LED-Modeerscheinung leuchtender Plastikdeko wie Lichterketten oder Solarstecker aus Fernost lassen die zarten Signale der Glühwürmchen untergehen. Die Folge: Die Glühwürmchen finden einander nicht oder nur noch schwer, paaren sich seltener, ganze Populationen brechen zusammen, und nach und nach verlöscht ihr eigenes kleines Liebesfeuer. Doch wenn wir Rücksicht nehmen und bestirnte Nächte nicht gegen Kunstlicht eintauschen, haben die liebenswerten Sommerboten noch eine Chance.

Quelle: Glühwürmchen: Was unser Licht mit ihrem Sex zu tun hat | MDR.DE

Wunderschöne Aufnahmen und Videos von fliegenden Glühwürmchen im Wald zeigt Carl Herzog aus Idstein auf seiner Webseite: https://www.carl-herzog.de/wetter/nachtaktive-tiere.htm   Licht aus – Glühwürmchen an.    

Foto: Carl Herzog – Glühwürmchentrails im Wald
Der seit Mitte der 1980er ungefragt lichtgeflutete Garten meiner Eltern

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