Gamechanger natürliche Lichtverhältnisse – meine Fasanerie-Rede soll zur Wiederherstellung und Normalisierung der Nacht mit Sternen und Mondlicht inspirieren.
Wenn demnächst die 2. Krefelder Studie zum Zustand der Insektenwelt veröffentlicht wird, bitte daran denken, dass die nächtliche Aufhellung bei den Ursachenforschung nicht berücksichtigt wurde. Betrachtet man den Forschungsstand bzgl. der Auswirkungen von Kunstlicht auf die Arten, ist zu hoffen, dass dies nachgeholt wird.
In der vorliegenden Version habe ich die Rede zwecks Kontext gegenüber dem Original ergänzt und mit Quellen und weiterführenden Verweisen (siehe Fußnoten) versehen, um ein umfassenderes Bild aufzuzeigen und dabei auch Rechtliches und langjährige Erfahrungen zu berücksichtigen und dazu zu inspirieren, die künstliche Aufhellung kritischer zu sehen und ihren Nutzen mehr zu hinterfragen, Vorurteile zu überwinden und das Thema nicht länger zu „verschlafen“ oder als nebensächlich zu betrachten. Kurz gesagt: Der Nutzen nächtlichen Kunstlichts wird überschätzt, der Schaden unterschätzt
©Sabine Frank, Mai 2026
Kurzfassung:
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Langfassung:
Eröffnung
Vielen Dank für Einladung und (nicht wirklich) „leichte“ Aufgabe im Tageslicht über die Nacht zu reden, der Zeit, die weitgehend schlafend verbracht wird. Gedanke dahinter mag sein, dass es thematisch sehr gut zum diesjährigen Schaugarten-Thema „Gärten voller Leben“ passt[1] [2]. Denn der Garten ist ein Universum – viele Tiere verbringen ihr gesamtes Leben dort.
Ich weiß aber auch, dass beim Thema nächtlicher Kunstlichteinsatz bzw. Lichtverschmutzung viele die Augen rollen, zu sehr haben wir uns gewöhnt und hinterfragen wegen. Dabei sind natürliche Lichtverhältnisse mit Dunkel, Mond und Sterne jedoch ein Gamechanger, wenn man Gärten voller Leben haben möchte. Nächtliches Kunstlicht in unseren Gärten das Gegenteil. Gleichzeitig hat man hat es oft nicht selbst in der Hand, wievel Kunstlicht in unsere Gärten dringt. Ansprechend möchte ich aber auch den Verlust des Sternenhimmels als Kulturgut und Inspirationsquelle von Wissenschaft und Kunst.
Wie nun im Tageslicht beginnen? Heute an Christie Himmelfahrt (2026) passen zumindest schon mal die Temperaturen gut zur Nacht. 😊 Entschieden und – passend zum blühenden Mai – für die ersten Zeilen Eichendorfs Gedicht Mondnacht von 1835 :
„Es war als hätt der Himmel, die Erde still geküsst, …dass sie im Blütenschimmer von ihm nun träumen müsst…„
Wie romantisch – 1. Zeile langsam langsam wiederholen: „Es war als hätt der Himmel, die Erde still geküsst!“
Über diese Zeilen habe ich mir viele Gedanken gemacht – denn ist es nicht so, und wenn wir Eichendorff beim Wort nehmen, dass das Tageslicht Himmel und Erde klar voneinander abgrenzt (=im Tageslicht sieht man den Horizont und Himmel darüber klar getrennt) und voneinander trennt und sich Himmel und Erde erst in der Nacht – ohne Restlicht der Sonne in der Atmosphäre – näherkommen können zum Kuss? Vielleicht hat er es so gemeint!
Dieses und weitere unzählige Gedichte und Kunstwerke zur Nacht zeigen, wie sehr die Nacht mit Mond – und Sternenlicht die Fantasie und Kultur beflügelt. Und heute auch noch ist das Himmlisches in zig Popsongs positiv besetzt: – the sun, the moon and all the stars, they will bow down to you, wherever you pass (aus: Reason or Rhyme von Brian Ferry)
Nur würde sich Eichendorff heute aber sehr wundern, wie fast unmöglich dieser Kuss heute geworden ist… Satellitenbilder[3] zeigen es längst: Nicht mehr nur Tageslicht trennen Himmel und Erde – sondern auch unsere menschengemachte Lichtverschmutzung – durch nächtliches Kunstlicht im Freien.
Dabei wusste auch der Wiener Franz Grillparzer im frühen 19. Jahrh.: schon
l a n g s a m vorlesen:
„Aus Tag und Nacht hat wohlbedacht, der Herr des Lebens (Anm. die Natur) die Welt gemacht.“ (Die Dichtung ist Tag in klarer Pracht, Musik die weltverkündende Nacht.)
Er wies damit darauf hin, dass sich Tag und Nacht voneinander unterscheiden und dies das Leben ermöglicht. Und wie recht er hatte. Denn als 2017 der Nobelpreis für Medizin für die Entdeckung der Inneren Uhr[4] verliehen wurde, stand in der Begründung des Kommitees u.a. „Alles Leben auf der Erde richtet sich nach der Rotation des Planeten“!
Ob Mensch, Hund, Baum, Einzeller oder Pilz – auf Proteinbasis ticken in allen Zellen kleine innere Uhren – geeicht auf die natürlichen Rhythmen von Tag und Nacht im Jahreslauf als stärksten Taktgeber und die Mondphasen.
Das Kunstlicht eine Errungenschaft will ich nicht in Abrede stellen – immerhin bietet es Komfort, nützt uns – ermöglicht unser modernes Leben – mitunter aber gegen unsere eigene Innere Uhr mit teils gravierenden Folgen für die Gesundheit[5]!
ABER – während wir Menschen das Rollo runterlassen – das Licht ausmachen oder Schlaftabletten einnehmen können, verändern sich draußen durch Kunstlicht die natürlichen und über Jahrmillionen fest angelegten Rhythmen:
Tage sind länger hell, als die Natur es im Jahreslauf vorgibt, der Sternenhimmel als Navigationshilfe von Zugvögeln verschwindet und die eigentlich verlässlichen wichtigen Mondphasen sind weniger voneinander unterscheidbar, werden überlagert.
Die 95. Umweltministerkonferenz[6] nennt die Intensität einer Vollmondnacht – max. 0,3 lux – als Schwellenwert für verändertes Verhalten und Hormonausschüttung – übrigens auch bei uns Menschen wirkt Licht hormonell.
Die Folgen in der Tierwelt[7] sind dramatisch: Lebensstätten gehen verloren, Lebensräume werden zerschnitten und zerstört, schlaflose Vögel, kräftezehrende Umwege weil lichtempfindlich ist oder Lichtvermeider wie z.B. der Igel – übrigens auch Solarstecker im Garten zwingen ihn zu Umwegen[8], Stress durch ein höheres Prädationsrisiko, weil die schützende fehlt, Orientierungslosigkeit und Verharren im Licht wie Amphibien aufgrund ihrer enormen Sehkraft, Bäume die nicht ablauben, veränderte ökologische Gemeinschaften – es bringt alles durcheinander und erschreckend dabei ist, dass schon so wenig Kunstlicht Ökosysteme gefährdet (unter Vollmondniveau), wie die Wissenschaft feststellt [9]. Und das nicht nur in den Ortschaften – sondern auch über weite Strecken.
Denn eine weitgehend unbemerkte Schwierigkeit liegt darin, dass Kunstlicht in den bebauten Gebieten entsteht, dort sich schädigend auswirkt – aber das Kunstlicht der Ortschaften weit in die Umgebung gestreut wird. Ein Effekt, der sich bei Bewölkung verstärkt. Konkret bedeutet dies, dass weit entfernt von den Lichtquellen werden bei Bewölkung Naturräume künstlich aufgehellt, ein Dauermond entsteht und im Schwarzen Moor leuchten nachts die Pfützen – Skyglow nennt sich dieses Phänomen.
Wir in den Ortschaften bemerken dies kaum – und können es doch nur dort, in unseren Ortschaften und Siedlungsbereichen, ändern.
Jeder weiß, dass Insekten – Nachtfalter – besonders betroffen sind -z.B. bei Schlüsselarten wie die Zuckmücke Lichtverschmutzung verursacht tiefgreifende Veränderungen in der Expression von Genen der Larven[10]. Die dunkle Seite des Lichts: Beleuchtung in der Nacht bedroht Insekten | Pressemeldungen | Senckenberg Naturforschung
Und natürlich die Nachtfalter. Das Plakat zum Gartenfest ziert ein Tagpfauenauge. Hier ihr Pendant aus der Nacht: Nachtpfauenauge. Foto zeigen
Under den 3500 heimischen Schmetterlingsarten sind 95 % dämmerungs- und nachtaktiv und besonders lichtempfindlich – ihr Rückgang ist dramatisch und um Dr. Degen von der Uni Würzburg zu zitieren: „Lichtverschmutzung ist als Ursache identifiziert“.
„Eine der dramatischsten Veränderungen, die sich in den letzten Jahrzehnten auf unserem Planeten vollzogen haben, ist die immer stärkere Nutzung von künstlichem Licht in der Nacht. Eine Gruppe nachtaktiver Arten, bei denen ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen ist, sind Nachtfalter, die nicht nur für den Artenschutz von großer Bedeutung sind, sondern auch wegen ihrer Schlüsselrolle in Nahrungsnetzen und bei Ökosystem-dienstleistungen wie der nächtlichen Bestäubung von Pflanzen. Die Lichtverschmutzung wurde als Ursache für den dramatischen Rückgang der Insekten in den letzten Jahren identifiziert.“
à Auch der Landkreis Fulda engagiert sich für den Nachtfalterschutz[11] – er wird bislang jedoch noch nicht hinreichend berücksichtig in der Naturschutzarbeit – weder professionell noch ehrenamtlich. Als Folge Frühjahr fehlen z.B. im Frühjahr die eiweißreichen Raupen für die Küken und Igel nach dem Winterschlaf. Im Sommer die Nahrungsgrundlage für Eule, Fledermaus und co. Das könnte ich endlos weiterführen.
Den nachfolgenden Part habe ich im Anhang nochmal anders formuliert dargestellt (ganz unten auf dieser Seite)
D.h., bei Betrachtung der wissenschaftlichen Erkenntnisse[12]: Lichtverschmutzung ist ein massiver Treiber des Artensterbens und Klimawandels. Zwischen Lichtverschmutzung und Artenschutz passt nicht viel – und wir sollten uns entscheiden – was wir wollen. Lichtverschmutzung oder Artenschutz. Vermeidbar wäre vieles. Da stellt sich schon die Frage: Muss das ganze Licht nachts überhaupt sein? Geht das auch anders? Ich arbeite in Behörde – ein Blick ins Gesetz erspart einen Haufen Geschwätz.
Schauen wir auf die öffentliche Beleuchtung (àwegen Arbeitsstätten siehe Technische Regeln Arbeitsstätten[13]) als eine der Hauptverursacher. Und siehe da, der Gesetzgeber hält es sowohl im Hess. Straßengesetz als auch in der StVO ähnlich wie beim Regen als natürlichen Zustand – es gilt die Eigenverantwortung durch Anpassung an die Wege-, Sicht- und Wetterverhältnisse aller Verkehrsteilnehmenden, die im öffentlichen Raum unterwegs sind. Deshalb ist auf der Milseburg auch kein Geländer – jeder muss auf sich selbst aufpassen und jeder weiß auch, dass es nachts dunkel ist – so wie man weiß, dass man nass wird, wenn es regnet.
Runtergebrochen (ausführlicher hier:[14])heißt das, dass esfür fest installierte Straßenlampen fast ausschließlich nur ein einiges gesetzliches Erfordernis gibt: Die dauerhafte Beleuchtung des Zebrastreifens. Mehr nicht. Darüber hinaus nur für mobile Beleuchtung – denn für die Ausleuchtung der Fahrbahn ist einzig die Verkehrsteilnehmen durch die Nutzung der vorgeschriebenen Fahrzeugscheinwerfer (mobile Beleuchtung) zuständig, die leistungsfähiger wie nie zuvor sind. Überspitzt liese sich sogar sagen: Eigentlich müssten die Straßenlampen[15] ausgehen, wenn sich ein Auto nähert 😊.
Für Fußgänger gilt außer am Zebrastreifen (à in anderen EU-Ländern gibt es die Beleuchtungspflicht an Zebrastreifen nicht und das macht offenbar auch keinen Unterschied) die Haltepflicht vor dem rollenden Verkehr und die Anpassung an die Wetter-, Weg- und Sichtverhältnisse – eine Taschenlampe sollte so selbstverständlich sein wie bei Regen der Regenschirm, denn Dunkelheit ist ein natürlicher Zustand, den jeder kennt und durch Mond- und Sternenlicht auch nicht dunkel ist. Fußgänger sind langsam unterwegs und schon weniger als die 0,3 lux des Vollmonds reichen zum Ssehen. Im Grunde ist die Straßenbeleuchtung also weitgehend Komfortbeleuchtung, die stellenweise zwar Sinn macht – aber sich eben viel vermeiden liese.
Also, dass es also so gut wie keine gesetzlichen Erfordernisse für fest installierte Beleuchtung gibt sondern für mobile, zeigt den riesigen Gestaltungsrahmen – und, das ist auch das, was man sieht: Orte mit vielen Lampen, Orte mit wenigen und großen Abständen dazwischen oder gar keine Beleuchtung – gibts auch – beleuchtete Kreisel, unbeleuchtete Kreisel, angestrahlte Gebäude, nicht angestrahlte Gebäude, grell leuchtende Werbung, nicht leuchtende Werbung, hohe und niedrige und vor allem viele Masten – grelles und hässlichen Kunstlicht, Billiglicht, moderates und ästhetisches Licht, Blendung, die Sicht nehmendes Gegenlicht alles dabei. Viel Willkür? – und alles funktioniert, vor allem auch wenig Licht. Erstaunlich oft gibt es Kollisionen mit Lampenmasten – googlen Sie mal nach(so viel zum Thema „Verkehrssicherheit“, abgesehen von Blendung und Spiegelung auf nassen Straßen)
Diese Beispiele zeigen eine gewisse Willkürlichkeit[16] [17] („jeder macht, was er will“) – und vor allem, vieles könnte problemlos unbeleuchtet bleiben und wäre als „low hanging fruit“ leicht vermeidbar. Wenn wir uns nur mehr bemühen würden. Unser Beleuchtungsrichtlinien von 2012 waren der erste Versuch in D, Regeln aufzustellen.
Ein guter und praxiserprobter Vorschlag meinerseits ist es aus vorgenannten Gründen, grundsätzlich weniger Flächen (àweil Flächen immer nach oben reflektieren) zu beleuchten– und das wird auch gemacht: z.B. (Coburg, NES), eher die Bürgersteige für die Fußgänger zu beleuchten statt Fahrbahn– mit niedrigen Masten und in Kombi mit Markierungen. Dann gäbe es weniger reflektierende Flächen und weniger Reflektionen, weniger Belastung von Gärten und Wohn. Und, gerne auch überdachen 😊 – denn dann kann sich der Fußgänger nicht nur die Taschenlampe sondern auch gleich den Regenschirm sparen. Es ist schon etwas ernst gemeint: Mit der Überdachung hätte man das Problem gelöst, immer trockene Kleidung und auch den Skyglow besser im Griff.
Dabei gilt stets: Die Nacht ist kein rechtsfreier Raum[18]. Es gibt konkrete naturschutzrechtliche Bestimmungen. Und, nächtliches Kunstlicht zählt zu den schädlichen Umwelteinwirkungen im Sinne des Immissionsschutzes – gleichgestellt mit Lärm – mit Grenzwerten für Anwohner – die oft von der Straßenbeleuchtung nicht eingehalten werden: es leuchtet in Wohnräume/Gärten und der Gewöhnungseffekt und das Nicht-Infrage-Stellen hat uns von der natürlichen Nacht entfremdet. Die Entscheidungsbefugnis übers Licht sollte nicht länger einseitig (à und in der bislang weitgehend uneingeschränkten Entscheidungsbefugnis) bei technischen Berufen sein– sondern auch bei Ökologen und Augenärzten, wenn Licht doch beim Sehen helfen soll 😉 (Plädoyer Sternenpark-Ansatz).
Mit besserer Technik kann man natürlich schon einiges verbessern. Aber, es geht noch besser: Von den 4000 Nachtstunden liegen 2900 zwischen 22 und 6 h, Kosten-Nutzungseffizienz ist erbärmlich – wenn man die Anzahl von Fußgänger misst. Fakt ist: im Winter ist es kalt, die Leute wollen schnell hinter die Haustüre, viele fahren bis direkt davor. Im Sommer lange hell. Meine Lieblingsmaßnahme ist daher das, was viele Kommunen in D zum Teil schon seit Jahrzehnten umsetzen. Z.B. auch in Tann (Rhön), meiner Heimatstadt -und ich freue mich, Michael von der Tann und seine Ehefrau Christiane hier auch unter den Gästen zu sehen: Die Nachtabschaltung – als Kompromiss zwischen Komfort und Nachtruhe![19] Besonders lohnt hier ein Blick nach Frankreich – vorangetrieben dort vom Ministerium schalten über 20 000 Kommunen nachts ab – z.B. auch die Partnergemeinde von Petersberg. Der Umgang mit dem Thema ist aber weniger polarisierend als hier. Man denkt Energie und Biodiversität zusammen und nennt es Dark Infrastructure. D.h., anders als hier ist man nicht so verbissen oder argumentiert nur mit Geld (–>was in Zeiten von LED, die Kunstlicht sehr billig gemacht hat, auch kein gutes Argument mehr ist, im Gegenteil, wir sehen ja den Anstieg des Beleuchtungsniveaus ohne Nutzen) – sondern man sieht die vielen Vorteile und den Kompromiss.
Kommunikativ macht man es in F echt besser und man gibt den Vorurteilen[20] (à da geht es uns wie den Tieren – im Licht ist man sichtbar und wenn man alleine ist ohne Hilfe in der Nähe ist niemand im Licht (ob tags oder nachts) „sicher“ – hier kann Dunkelheit sogar eher schützend wirken – in Begleitung hat übrigens nie jemand ein mulmiges Gefühl, das weiß ich von den Sternenführungen.) keinen zu großen Raum – die oft jahrzehntelange Erfahrung, Statistiken, und Berichterstattung sind auch bei uns das beste Totschlagargument pro Nachtabschaltung:
Frankreich: Jeder Ort hat ein schönes und freundliches Ortschild und man kommuniziert bewusst: La nuit est belle[21] (Die Nacht ist schön)
Wenn man kommuniziert wie es ist, wenn es nicht mehr in die Wohn- und Schlafräume und Gärten strahlt, dass man das Rollo oben lassen kann und vom Bett aus Gewitter und im Garten den Sternenhimmel sehen kann. Wenn man vermittelt, welch schönes Gefühl es ist, wenn man realisiert, wie man mit dem Akzeptieren der Nachtabschaltung zur späten Stunde die Tierwelt wirksam unterstützt, dass Glühwürmchen Hochzeit feiern können, weil ihre Lichtsignale wahrnehmbar sind, Vögel besser schlafen und der Igel weniger sichtbar für Fressfeinde ist, der Skyglow nicht mehr unsere Außenbereiche und Schutzgebiete belastet und Gemeinde in Sachen Energie und Kosten entlastet – ja, die Franzosen wissen schon, wie es sich schön lebt.
Überleitung. Apropos schön, da war doch noch was: die Nacht, das Himmlische
Schloss Fasanerie – an der Stelle: Danke für Unterstützung für #lichtbewusstsein[22] – beherbergt ja auch ein Museum – und darin eine Antikensammlung[23]. Da passt es doch hervorragend, dass sich der Begriff „Museum“ vom altgriechischen „Sitz der Musen“ ableitet. Die neun Musen, Töchter des Zeus, sind die Schutzgöttinnen der Künste. Unter diesen neun Musen gibt es auch eine Wissenschaft – Urania, die Muse der Astronomie.
Dargestellt mit Zirkel und Sternkarte verkörpert sie nicht nur die wissenschaftliche Betrachtung der Sterne, sondern auch die himmlische Harmonie und das Streben nach Erkenntnis. Aber nicht nur ist die Astronomie die Hüterin von Zeit und Raum, Mutter und Wegbereiterin aller Naturwissenschaften wie Physik, Chemie und Mathematik (Stichwort MINT), Vorreiter technischer Entwicklungen. Als Spiegel ihrer jeweiligen Zeit ist die Astronomie systemisch (à damit meine ich, technische Weiterentwicklungen unserer Zeit auf die über Jahrhunderte gewonnenen wissenschaftlichen Erkenntnisse baut i.S.v. „Auf den Schultern von Riesen stehen“ – wissenschaftliches Arbeiten) für die moderne Grundlagenforschung und höchste Ingenieurskunst (Raumfahrt).
Sie ist vor allem auch Inspirationsquelle unzähliger Kunstwerke in Form von Gemälden, Gedichten, Poesie, Philosophie und kulturprägend. Wie heißt es so schön: Der Moon is the first TV und die Sternbilder das größte Bilderbuch der Menschheit.
Und so raunt, nein ruft, uns Urania, Muse der Astronomie, zu:
Wie konntet ihr Banausen nur den Sternenhimmel gegen Lichtverschmutzung tauschen?
POV: Keine Kultur vor uns es gewagt, diesen zu vertreiben.
Zumindest könntet ihr es besser machen[24] – (Stichwort: Start with darkness and stay with darkness as long as it possible = Vermeiden durch mehr Eigenverantwortung, Nutzung Alternativen wie Markierungen), anspruchsvoller an Notwendigkeit, Nutzen, Intensität und Ästhetik, mehr Eigenverantwortung übernehmen (àTaschenlampe und Rationalität), überhaupt mal feststellen, wie gut wir ohne Kunstlicht sehen können (zumal Nächte zum größten Teil des Jahres natürlicherweise nicht dunkel sind), Technik: blendfreier, dimmbar, bedarfsgerechter, warm, rücksichtsvoller – es gibt viele Möglichkeiten, technische (à Optimierung und Reduzierung Bestand) wie auch rechtlich planerisch (à = immer in 24 h denken = Anwendung aller naturschutzrechtlichen Verpflichtungen und Maßnahmen auf die Nachtstunde, Anpassung von Förderstrukturen (z.B. Grenzwerte Lichtimmissionsrichtlinie bei öffentlicher Beleuchtung berücksichtigen), Bauleitverfahren, Ausschreibungen, Umweltbildung/Aufklärung etc.) [25],– für Igel, Eule, Fledermaus, die Vielzahl der Insekten und den Sternenhimmel für uns Menschen.
Immerhin hat uns die Astronomie nicht nur Kalender, Navigation und Geometrie gebracht, auch die kopernikanische Wende, sie hat uns vom Schwurbel und der Astrologie befreit und die Aufklärung – Wissen statt Glauben – ermöglicht.
Und mit den Worten von Immanuel Kants – Philosoph der Aufklärung- möchte ich enden:
„Zwei Dinge erfüllen das Gemüt mit immer neuer und zunehmender Bewunderung und Ehrfurcht, je öfter und anhaltender sich das Nachdenken damit beschäftigt: Der bestirnte Himmel über mir, und das moralische Gesetz in mir. Lasst uns mit weniger Kunstlicht glücklich sein – DIE NACHT IST SCHÖN- DANKE
Anmerkung:
Artenschutz durch Astronomie: Die natürliche Dunkelheit in Sternenführungen positiv zu erfahren ist daher ein wichtiger Baustein für den Artenschutz: Artenschutz durch Astronomie – Naturnacht Fulda-Rhön
Unter www.naturnacht-fulda.de findet man bebilderte Präsentationsfolien aus unterschiedlichen Vorträgen sowie viele Infos zum Download. © Sabine Frank, Mai 2026 www.naturnacht-fulda.rhoen Kontakt: sa.fra@posteo.de
Anhang:
Wenn wir wüssten, dass Lichtverschmutzung ein massiver Treiber des Artensterbens und Klimawandels ist
Wenn wir wüssten, dass zwischen Lichtverschmutzung und Artenschutz nicht viel passt und wir uns entscheiden müssen, was wir wollen à Wenn wir nicht den enormen Ressourcen- und Energieverbrauch und Tribut an der Biodiversität und Kulturgut Sternenhimmel ignorieren würden:
Wenn wir wüssten, dass vieles vermeidbar wäre und sich die Frage stellt, ob das ganze Licht nachts überhaupt sein muss:
Wenn wir überhaupt bemerken würden, wie unterschiedlich und willkürlich beleuchtet oder nicht beleuchtet wird – dass es Orte mit vielen Lampen gibt, Orte mit wenigen und großen Abständen dazwischen oder gar keine Beleuchtung, beleuchtete Kreisel gibt und unbeleuchtete Kreisel, angestrahlte Gebäude und nicht angestrahlte Gebäude, grell leuchtende Werbung gibt und nicht leuchtende Werbung, hohe und niedrige und vor allem viele Masten, grelles und hässliches Kunstlicht installiert ist, Billiglicht, moderates und ästhetisches Licht, Blendung, Gegenlicht – alles dabei.
Wenn wir bemerken würden, dass diese Beispiele eine gewisse Willkürlichkeit zeigen („jeder macht, was er will“) – und trotzdem alles funktioniert, vor allem auch, wenn gar nicht oder nur wenig künstlich beleuchtet wird. Dann erkennen wir, dass vieles problemlos unbeleuchtet bleiben könnte und erkennen auch den großen Gestaltungsspielraum, der aber nicht genutzt wird, weil man den Bock zum Gärtner gemacht hat. .
Wenn wir wüssten, dass der Gesetzgeber sowohl im Hessischen Straßengesetz als auch in der StVO ähnlich wie mit Regen hält – die Eigenverantwortung durch Anpassung an die Wege-, Sicht- und Wetterverhältnisse vorschreibt – ähnlich wie beim Regen als natürlichem Zustand.
Wenn wir wüssten, dass es für fest installierte Straßenlampen fast ausschließlich nur ein einziges gesetzliches Erfordernis gibt: die dauerhafte Beleuchtung des Zebrastreifens.
Wenn wir wüssten, dass für die Ausleuchtung der Fahrbahn einzig die Verkehrsteilnehmenden durch die Nutzung der vorgeschriebenen Fahrzeugscheinwerfer zuständig sind, die leistungsfähiger wie nie zuvor sind.
Wenn wir wüssten, dass für Fußgänger (außer am Zebrastreifen) die Haltepflicht vor dem rollenden Verkehr und die Anpassung an die Wetter-, Weg- und Sichtverhältnisse gilt – und eine Taschenlampe so selbstverständlich sein sollte wie bei Regen der Regenschirm.
Wenn wir wüssten, dass die Straßenbeleuchtung im Grunde weitgehend Komfortbeleuchtung ist, die stellenweise zwar Sinn macht, aber sich eben viel vermeiden ließe und in der Hauptsache den Fußgängern nützt, die erfahrungsgemäß nachts kaum unterwegs sind.
Wenn wir wüssten, dass es so gut wie keine gesetzlichen Erfordernisse für fest installierte Beleuchtung gibt, sondern für mobile, was einen riesigen Gestaltungsrahmen zeigt.
Wenn wir zählen würden, dass es erstaunlich oft Kollisionen mit Leuchtenmasten gibt – googlen Sie mal danach.
Wenn wir wüssten, dass der Straßenbaulastträger im Rahmen der Versicherungspflicht nur Schnee und Eis räumen muss nach besten Kräften sowie Gefahrenstellen absichern und beseitigen – und nicht Wetter und Dunkelheit (siehe 9 Hess. Straßengesetz)
Wenn wir wüssten, dass die große Willkürlichkeit in der Beleuchtungspraxis zeigt, dass vieles problemlos unbeleuchtet bleiben könnte und als „low hanging fruit“ leicht vermeidbar wäre.
Wenn wir wüssten, dass grundsätzlich weniger dauerhaft beleuchtete Flächen geplant werden sollten, da Flächen immer nach oben reflektieren.
Wenn wir wüssten, dass die Nacht kein rechtsfreier Raum ist und es konkrete naturschutzrechtliche Bestimmungen gibt.
Wenn wir wüssten, dass nächtliches Kunstlicht zu den schädlichen Umwelteinwirkungen im Sinne des Immissionsschutzes zählt – gleichgestellt mit Lärm – mit Grenzwerten für Anwohner, die oft von der Straßenbeleuchtung nicht eingehalten werden.
Wenn wir wüssten, dass die Entscheidungsbefugnis übers Licht nicht länger einseitig bei technischen Berufen sein sollte, sondern auch bei Ökologen und Augenärzten.
Wenn wir wüssten, dass von den 4000 Nachtstunden 2900 zwischen 22 und 6 Uhr liegen und die Kosten-Nutzungseffizienz der öffentlichen Beleuchtung erbärmlich ist (kaum Fußgänger)
Wenn wir ehrlich wären, würden wir von uns wissen, dass wir sehr selten nach 23 Uhr zu Fuß unterwegs sind und dass die wenigen Anlässe mit Taschenlampen und ggf. auch Begleitung (Stärkung Gemeinsinn) zu bewältigen wären
Wenn wir wüssten, dass die Nachtabschaltung – als Kompromiss zwischen Komfort und Nachtruhe – bereits von vielen Kommunen in Deutschland zum Teil seit Jahrzehnten umgesetzt wird.
Wenn wir wüssten, dass in Frankreich über 20.000 Kommunen nachts abschalten und man dort Energie und Biodiversität zusammendenkt und es „Dark Infrastructure“ nennt.
Wenn wir wüssten, dass die jahrzehntelange Erfahrung, Statistiken und Berichterstattung das beste Argument pro Nachtabschaltung sind.
Wenn wir endlich mal genau hinsehen würden und verstünden, dass nächtliche Beleuchtung keine gesellschaftlichen Probleme löst, dass schlechtes Benehmen und Kriminalität nicht Dunkelheit sondern Gelegenheiten sucht, die durch Tageslicht und nächtliche Beleuchtung sogar begünstigt werden und bemerken würden, dass „nachts“ in der Regel nicht die natürliche sondern die „beleuchtete“ Dunkelheit meint und die Sprache hier nicht unterscheidet.
Wenn wir wüssten, dass Frauen im Licht nicht sicher sind, in Partnerschaften oder wenn sie nachts oder an einsamen Orten alleine unterwegs sind (von welchen Frauen ist eigentlich immer die Rede)? und nur die Begleitung das Unwohlsein mindert und Dunkelheit sie schützen würde, weil sie nicht sichtbar wären
Wenn wir wüssten, dass es ein schönes Gefühl ist, wenn man das Rollo oben lassen kann und vom Bett aus Gewitter und im Garten den Sternenhimmel sehen kann.
Wenn wir wüssten, dass sich mit dem Akzeptieren der Nachtabschaltung zur späten Stunde die Tierwelt wirksam unterstützen lässt – Glühwürmchen können Hochzeit feiern, Vögel besser schlafen und der Igel ist weniger sichtbar für Fressfeinde und der Sternenhimmel kommt zurück in unsere Wohnstätten.
[1] Datenblatt_Schaugarten_Ultraviolett_26_ddec2276c5.pdf
[2] Artenschutz und Kunstlicht -allgemeine Infos und Anforderung Maßnahmen – Naturnacht Fulda-Rhön TEXTANGEBOT FÜR WEBSEITEN: Nur Naturlicht im Wohnort und Garten – Licht aus für die Arten! – Naturnacht Fulda-Rhön
[3] Light Pollution Map | Bortle Scale & Dark Sky (2026)
[4] Medizin-Nobelpreis 2017: US-Wissenschaftler enträtseln Innere Uhr | Nobelpreis | Verstehen | ARD alpha
[5] Episode 34 – 80% der Menschen leben gegen ihre innere Uhr mit fatalen Folgen!
[6]https://www.umweltministerkonferenz.de/umlbeschluesse/umlaufBericht2020_66.pdf
[7] Sammlung Auswirkungen von Kunstlicht bei Nacht – Naturnacht Fulda-Rhön und Artenschutz und Kunstlicht -allgemeine Infos und Anforderung Maßnahmen – Naturnacht Fulda-Rhön
[8] Igel – nachtaktiv und lichtscheu – Naturnacht Fulda-Rhön
[9] Bereits wenig künstliches Licht gefährdet Ökosysteme | Uni Jena
[10] Die dunkle Seite des Lichts: Beleuchtung in der Nacht bedroht Insekten | Pressemeldungen | Senckenberg Naturforschung
[11] Nachtfalterschutz im Landkreis Fulda | Biosphärenreservat Rhön
[12] Artenschutz und Kunstlicht -allgemeine Infos und Anforderung Maßnahmen – Naturnacht Fulda-Rhön
[13] Unternehmen: anschreiben-und-checkliste-selbsteinschaetzung-landkreis-ihk-fulda.pdf
[14] faq-oeffentliche-beleuchtung_10_2025.pdf
[15] POV: Bei der Planung der Straßenbeleuchtung sollte die Lichtleistung der Fahrzeugbeleuchtung mit eingerechnet werden.
[16] Mangels gesetzlicher Vorschriften zur Installation von Beleuchtung, wird oft der Begriff der „Verkehrssicherung“ und mögliche Haftungsfragen herangezogen. Doch ist dieser Begriff ungenau und weit zu fassen. Lt. Hess. Straßengesetz ist die Aufgabe im Sinne der Straßenverkehrssicherung auf das Räumen von Schnee und Eis und die Absicherung und rasche Beseitigung von Gefahrenstellen beschränkt. Die Dunkelheit ist keine Gefahrenstelle, die Herstellung der Sicht geklärt – weshalb sich Haftungsfragen nicht stellen. Zudem ist nicht belegt, dass nächtliche Beleuchtung überhaupt Unfälle verhindern mag. Immerhin kann Gegenlicht blenden, Licht auf der Straße spiegeln und daher andere Maßnahmen wirksamer sein (Geschwindigkeitsbegrenzung, Trennung Rad/Auto, Markierungen etc.). Siehe hier: faq-oeffentliche-beleuchtung_10_2025.pdf
[17] Persönliche Anmerkung: Kunstlicht soll beim Sehen helfen und unterliegt gleichzeitig naturschutz- und immissionsschutzrechtlichen Anforderungen. Die Entscheidungsbefugnis liegt derzeit weitgehend bei den technischen Abteilungen (Elektrik), auch als Geschäftsmodell. Diese sollte jedoch eingeschränkt werden, indem die Planung und Genehmigung von Kunstlicht durch Behörden und Augenärzte erfolgt.
[18] Ausführlich: auslegungshilfe-licht-zum-hess.-naturschutzgesetz-hnlvs-akt.-5_25.pdf
[19] Nachtabschaltung der öffentlichen Beleuchtung! – Naturnacht Fulda-Rhön
[20] Hohe Erwartungen an den nächtlichen Kunstlichteinsatz: Oft wird ganznächtliche Beleuchtung pauschal mit „Sicherheit“ begründet. Diese Annahme ist jedoch undifferenziert und wird durch Erfahrungen, Berichterstattung und Statistiken nicht bestätigt. Ist sogar falsch. Politisch wird häufig wird das „Gefühl der subjektiven Unsicherheit“ (von Frauen) thematisiert. Mit „nachts“ ist das an die Vorstellung geknüpfte Gefühl, alleine ohne andere Menschen, die zur Hilfe eilen könnten, unterwegs zu sein (Zufallsopfer). Es soll geglaubt werden, im Licht sei oder fühle man sich pauschal sicherer. Dabei ist niemand im Licht „sicher“, alleine erst recht nicht. Denn abgesehen davon, dass nicht Beleuchtung sondern Erziehung und Prävention gesellschaftliche Probleme besser lösen und Tageslicht und Beleuchtung Vorfälle grundsätzlich sogar eher begünstigen, kann das Gefühl der Unsicherheit auch tagsüber an abgelegenen Orten auftreten, wenn man alleine unterwegs ist. Durch nächtliche Beleuchtung kann dieses Gefühl sogar verstärkt werden, da man im Licht für mögliche Täter sichtbar und einschätzbar wird (Laufsteg-Effekt). In solchen Fällen kann Dunkelheit tatsächlich Schutz bieten. Die Diskussionen sollten sachlich geführt werden Auswertungen sollten sprachlich grundsätzlich unterscheiden zwischen „nachts“ ohne zusätzliche Beleuchtung und der „beleuchteten“ Dunkelheit.
[21] Die Nacht ist schön – Billiere, Partnerstadt von Petersberg PowerPoint-Präsentation
[22] Prädikat #lichtbewusstsein – IHK Fulda
[23] Schloss Fasanerie | Antikensammlung
[24] Vorschlaege-Reduzierung-LVS-in-Kommunen.pdf und insekten-andere-arten-und-licht-aktuelle-zusammenfassung-2025-forschung-recht-massnahmen-sz.pdf
[25] Fachinformation Rechtliche Fragestellungen Öffentliche Beleuchtung und Checkliste – Naturnacht Fulda-Rhön
